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Gefängnis bombardiert - Zahl der Toten steigt

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Jemen-Konflikt - Gefängnis bombardiert - Zahl der Toten steigt

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Das von Saudi-Arabien angeführte Militärbündnis hat im Jemen ein Gefängnis angegriffen. Bei den Luftangriffen sollen bis zu 130 Gefangene ums Leben gekommen sein.

Rettungskräfte bergen eine Leiche nach dem Luftangriffe in Dhamar (Jemen) am 01.09.2019
Jemen: Nach dem Luftangriff in Dhamar
Quelle: AP

Bei dem Luftangriff auf ein als Gefängnis genutztes Gebäude im kriegszerrütteten Jemen sind am Wochenende möglicherweise bis zu 130 Gefangene ums Leben gekommen - und damit weit mehr als bislang angenommen. In dem ehemaligen Universitätsgebäude in Dhamar im Südwesten des Landes seien etwa 170 Menschen gefangen gehalten worden, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (ICRC) mit. 40 von ihnen seien bei dem Angriff verletzt worden, die übrigen 130 vermutlich tot. Zuvor hatten die Huthi-Rebellen gemeldet, bei dem Angriff auf das Gebäude seien mindestens 60 von ihnen gefangengehaltene Menschen getötet worden.

Militärkoalition: Angriff im Einklang mit internationalem Recht

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition, die gegen die Huthis im Jemen kämpft, bestätigte einen Angriff in Dhamar. Die Attacke habe ein Lager für Drohnen und Raketen getroffen, hieß es in einer Mitteilung der Koalition. Der Angriff sei in Einklang mit internationalem Recht erfolgt. Die Koalition bekämpft seit 2015 die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen. Diese hatten zuvor große Teile des Nordjemens inklusive der Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle gebracht.

Augenzeugen berichteten, Kampfflugzeuge hätten etwa acht Angriffe auf das Gebäude geflogen. Ein Sprecher des Gefangenenkomitees der Huthis sagte, der saudischen Koalition sei bekannt gewesen, dass in dem Gebäude Gefangene festgehalten wurden. Der Huthi-Sprecher Mohammed Abdul-Salam veröffentlichte über den Messenger-Dienst Telegram Fotos von Leichen unter den Trümmern.

IKRK fordert "medizinische Nothilfe" für Opfer

In dem Gefängnis seien gefangen genommene Kämpfer der Regierung eingesperrt gewesen, sagte der Rebellen-Vertreter Abdel-Kader al-Murtassa. "Das angegriffene Gefängnis beherbergte mehr als 170 Kriegsgefangene, wovon die meisten Teil einer örtlichen Vereinbarung für einen Gefangenenaustausch werden sollten", sagte er laut dem von Huthis betriebenen Sender Al-Massirah. Bewohner der 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Sanaa gelegenen Stadt sagten hingegen, auch Familienangehörige, die wegen Kritik an den Huthis festgenommen worden seien, seien in dem Gefängnis eingesperrt gewesen.

Das ICRC erinnerte nach dem Angriff vom Sonntag eindringlich daran, dass nach Kriegsregeln nur militärische Personen und Einrichtungen Angriffsziele sein dürfen. "Diesen gewaltigen Schaden zu sehen, die Leichen zwischen den Trümmern, war ein richtiger Schock", sagte der Leiter der Rot-Kreuz-Delegation im Jemen, Franz Rauchenstein. Es war in diesem Jahr der opferreichste Angriff der Koalition, die im Bürgerkrieg auf Seiten der Regierung gegen die Huthis kämpft. Der Sektionschef des IKRK im Jemen rief zu einer "medizinischen Nothilfe" für die Opfer auf. Mitarbeiter des ICRC hatten in der Vergangenheit das Gefängnis inspiziert, um die Bedingungen zu überprüfen.

Schon zehntausende Opfer im Bürgerkrieg

Am Sonntag traf die schwedische Außenministerin Margot Wallström den jordanischen Außenminister Ajman al-Safadi in der jordanischen Hauptstadt Amman, um eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien im Jemen nach Jahren des Stillstands zu besprechen. "Der Jemen war im Zentrum meiner Aufmerksamkeit", teilte Wallström mit. Sie traf in der Hauptstadt Saudi-Arabiens, Riad, auch den jemenitischen Ministerpräsidenten Maeen Abdulmalik Saeed und andere Vertreter der Regierung, wie die staatliche jemenitische Nachrichtenagentur Saba berichtete.

Zehntausende Menschen sind im Bürgerkrieg im Jemen ums Leben gekommen. Zuletzt hatten sich Risse im saudisch geführten Bündnis gezeigt: Die Vereinigten Arabischen Emirate, formal ein Mitglied der Koalition, unterstützten Separatisten, die im Süden des Jemens Gebiete unter ihre Kontrolle brachten und Regierungstruppen bekämpften. Am Donnerstag hatten Kampfflugzeuge der Emirate jemenitische Regierungstruppen angriffen. Mindestens 30 Soldaten wurden dabei getötet. Die Soldaten waren auf dem Weg nach Aden gewesen, wo Regierungstruppen gegen Separatisten kämpften. Nach Darstellung der Emirate galten die Luftangriffe "Terroristen" und waren eine Reaktion auf Angriffe auf das Militärbündnis.

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