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Botschaften zum Fest - Bischöfe: Weihnachten kann Gräben überwinden

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Die deutschen Bischöfe haben zu mehr Miteinander aufgerufen - Weihnachten könne soziale und religiöse Grenzen überwinden. Der Bundespräsident ermutigte zum Einsatz für Demokratie.

Ein geschmückter Weihnachtsbaum ist durch den Torbogen der Marktkirche zu sehen, aufgenommen am 16.12.2018 in Hannover
Die Hoffnung auf Frieden und mehr Mitmenschlichkeit stehen im Mittelpunkt der Weihnachtsbotschaften in den Kirchen. (Bild: Weihnachtsbaum in Hannover)
Quelle: dpa

Evangelische und katholische Bischöfe haben an Weihnachten zu mehr Menschlichkeit und Miteinander aufgerufen. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, appellierte, Gräben zwischen Menschen und Religionen zu überwinden. Mit Blick auf die Weihnachtsbotschaft sei weder eine "fundamentalistische Religion" möglich, noch könne der Glaube auf ein "Traditionschristentum" reduziert werden.

Weihnachtsbotschaft gilt "für alle Menschen"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, betonte, die Weihnachtsbotschaft gelte gleichermaßen für alle Menschen, egal in welchen Verhältnissen sie leben. Das kleine Kind von Bethlehem habe Licht in die Dunkelheit für jeden Menschen gebracht, sagte er bei einem Besuch eines Heims für Wohnungslose an Heiligabend in München. Die Lichter und Kerzen zögen deshalb auch Menschen an, die selbst keine Christen sind. Denn sie spürten an Weihnachten eine Sehnsucht nach Frieden und Liebe.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief zu demokratischem Engagement und zum miteinander Reden auf. "Unsere Demokratie ist immer so stark, wie wir sie machen", sagte er in seiner vorab aufgezeichneten Weihnachtsansprache. Die Demokratie baue darauf, dass Menschen ihre Meinung sagen und für ihre Interessen streiten. Einen Kompromiss zu finden, sei keine Schwäche, sondern die Stärke der Demokratie.

"Ich habe den Eindruck, wir Deutsche sprechen immer seltener miteinander", beklagte das Staatsoberhaupt: "Und noch seltener hören wir einander zu." Vor allem in den sozialen Medien werde "gegiftet, da ist Lärm und tägliche Empörung". Steinmeier: "Wir müssen wieder lernen zu streiten, ohne Schaum vorm Mund, und lernen, unsere Unterschiede auszuhalten." Wer streite, könne sich auch wieder zusammenraufen. "Sprachlosigkeit heißt Stillstand", sagte der Bundespräsident.

Mahnung zum Frieden

Nach Ansicht der Hamburger Bischöfin Kirsten Fehrs hat Weihnachten die Kraft, Menschen über kulturelle und soziale Grenzen hinweg zusammenzuführen. "Immer wieder erlebe ich, wie Einwanderer und Flüchtlinge sich von der Weihnachtsfreude anstecken lassen", sagte die evangelische Theologin in ihrer Weihnachtsbotschaft. Viele fänden ganz spontan einen Zugang zur Weihnachtsgeschichte, wenn sich um das neugeborene Kind so unterschiedliche Menschen wie Hirten und Könige sammeln.

Der evangelische Berliner Bischof Markus Dröge wünschte allen Menschen, dass sie an Weihnachten Geborgenheit und Wärme spüren können. Zugleich rief er dazu auf, auch an diejenigen zu denken, "denen es nicht so geht, die sich nach Geborgenheit sehnen, weil in ihrer Heimat kein menschenwürdiges Leben mehr möglich ist, und dass wir überlegen, wie wir ihnen helfen können".

Weihnachten rund um den Globus

Die Weihnachtsgeschichte ist nach den Worten des oldenburgischen Bischofs Thomas Adomeit eine Mahnung zum Frieden und gegen Waffengewalt. "Ohne Waffen ist Gott in der Krippe zu uns gekommen, ohne Armee, die ihn beschützt", sagte der evangelische Bischof an Heiligabend in der Christmette in der Oldenburger Lambertikirche. Und doch wolle er den Frieden in die Welt bringen. Dass dagegen Menschen immer noch mit todbringenden Waffen versuchten, Frieden zu schaffen, sei ein Irrweg, verrate ihren "Kleinglauben" und sei erfolglos, sagte Adomeit.

Steinmeier ruft zum Zusammenhalt auf

Auch Steinmeier rief zum Zusammenhalt auf: "Wir alle gehören zu diesem Land - unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe, von Lebensanschauung oder Lieblingsmannschaft." Wenn Gesellschaften auseinanderdrifteten, sehe man in der Welt: "Wir haben brennende Barrikaden in Paris erlebt, tiefe politische Gräben in den USA, Sorgen in Großbritannien vor dem Brexit, Zerreißproben für Europa in Ungarn, Italien und anderswo." Auch in Deutschland gebe es "Ungewissheit, gibt es Ängste, gibt es Wut".

Obwohl Ostern in Erinnerung an die biblisch überlieferte Auferstehung von Gottes Sohn das wichtigste Fest der Christen ist, ist der Gottesdienst an Heiligabend in Deutschland traditionell der meistbesuchte im ganzen Jahr. 37 Prozent der Deutschen wollen einer Umfrage zufolge an Weihnachten einen Gottesdienst besuchen. Bei den Katholiken plane eine Mehrheit von 63 Prozent, in die Kirche zu gehen. Bei den Protestanten seien es 47 Prozent, bei den Konfessionslosen 11, ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Emnid im Auftrag der "Bild am Sonntag".

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