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Kooperation mit Beratungsstellen - Katholische Kirche will sich von außen Hilfe holen

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Die Erwartungen an die katholische Kirche zum Umgang mit Missbrauchsfällen sind hoch. Missbrauchsbeauftragter Ackermann verkündete aus Kritikersicht nur wenig Neues.

Teilnehmer der Bischofskonferenz am 11.03.2019 in Lingen
Bischofskonferenz in Lingen
Quelle: dpa

Die katholische Kirche will künftig mit unabhängigen Beratungsstellen zusammenarbeiten, um Opfern sexueller Gewalt schneller helfen zu können. Dazu suche man nach Partnern außerhalb der Kirche, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann.

Verantwortliche sollen künftig benannt werden

"Das könnte ein Weg sein, auf diese Weise noch niederschwelliger zu reagieren." Laut Ackermann steht seine Arbeitsgruppe bereits in Kontakt mit der "Bundeskoordinierung spezialisierter Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend". Ein solches Angebot könne es Opfern erleichtern, frühzeitig Anzeige zu erstatten, sagte er.

Nach Angaben des Bischofs sind bisher wegen der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche rund 1.900 Anträge auf Zahlungen für "Leistungen in Anerkennung zugefügten Leids" bei einer zentralen Koordinierungsstelle eingegangen. Täter sollten, wenn möglich, an den Zahlungen beteiligt werden. Konkrete Summen stellte der Beauftragte nicht in Aussicht.

Für die Erstellung eines Leitfadens für eine unabhängige Aufarbeitung der Missbrauchsproblematik habe er bereits ein Gespräch mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Johannes Rörig, gehabt, sagte Ackermann. Ein weiteres Treffen solle es bis Ende Mai geben, in dem Kriterien und Standards ausgearbeitet werden.

Nachdem bislang die Suche nach Tätern im Fokus stand, gehe es künftig auch um das mögliche Benennen von Verantwortlichen in den Bistümern und die Frage, ob eine Form von Versöhnung und Erinnerungskultur gefunden werden kann, sagte Ackermann. Für die Bistümer könne dies in das Einrichten sogenannter Wahrheitskommissionen münden. Kriterien und Standards dazu sollten ab Mai erarbeitet werden.

Enttäuschung bei Kirchenkritikern

Die kirchenkritische Organisation "Wir sind Kirche" zeigte sich enttäuscht von den Aussagen Ackermanns. Fast ein halbes Jahr nach Veröffentlichung der von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Missbrauchs-Studie habe er in keinem wesentlichen Punkt wirklich konkrete Fortschritte vorgestellt, kritisierte sie. Ackermanns Stellungnahme bleibe deutlich hinter den Ankündigungen zurück, die der Vorsitzende der Bischofskonferenz Kardinal Reinhard Marx zu Beginn der Tagung in Lingen gemacht habe.

Marx will sich allerdings zum Abschluss der Bischofstagung am Donnerstag noch einmal zum Thema Missbrauch äußern, und da vor allem auf Grundsatzfragen eingehen, wie etwa der Zukunft des Zölibats. Wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern, Jugendlichen und auch Ordensfrauen steht die katholische Kirche weltweit unter Druck.

Auch Matthias Katsch, Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tisch", zu dem sich Missbrauchsopfer aus von Jesuiten geführten Schulen zusammengeschlossen haben, erklärte unterdessen, er sei mit den bislang vorgelegten Ergebnissen nicht zufrieden. Er erwarte, dass die Bischöfe endlich einen verbindlichen Fahrplan vorlegten. Vage Ankündigungen seien "einfach nicht genug". Zudem müsse es konkrete Angaben zu den Entschädigungszahlungen geben. Der Eindruck sei falsch, dass die meisten Opfer keine Entschädigung wollten. "Sie wollen und brauchen die Entschädigung, weil sie durch den Missbrauch in ihren Lebenschancen beeinträchtigt sind".

Erste Konsequenzen gegen hochrangige Würdenträger

Am Mittwoch wurde der australische Kardinal George Pell, ehemaliger Vertrauter von Papst Franziskus, in Melbourne wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er streitet alle Vorwürfe bis heute ab und will in Berufung gehen. Erst vergangene Woche war Frankreichs höchster katholischer Würdenträger, Kardinal Philippe Barbarin aus Lyon, wegen Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Nach Überzeugung des Gerichts hatte er Fälle sexueller Übergriffe auf Minderjährige nicht angezeigt. Im Februar hatte Papst Franziskus die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus aller Welt zu einem Krisengipfel nach Rom geladen.

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