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Digitalwährungen - Goldgräber-Verstimmung bei Bitcoin und Co.

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Die Goldgräberstimmung bei Digitalwährungen hat abgenommen. Denn nach Höhenflügen im Dezember kennen die Kurse von Bitcoin und Co. seit Jahresbeginn nur eine Richtung: nach unten.

Gebrochene Darstellung der virtuellen Währung des Bitcoin, gesetzt auf einem Monitor, aufgenommen am 21.12.2017
Gebrochene Darstellung der virtuellen Währung des Bitcoin, gesetzt auf einem Monitor, aufgenommen am 21.12.2017 Quelle: reuters

Um rund 30 Prozent hat der Bitcoin allein im vergangenen Monat an Wert eingebüßt. Das ist bezeichnend - denn Bitcoin ist unter den Digitalwährungen noch immer die unangefochtene Nummer eins. Für rund 6.000 Euro ist eine dieser digitalen Münzen derzeit zu haben. Zum Vergleich: Im Dezember stand die Kryptowährung zeitweise dreimal so hoch. Einer der Hauptgründe für den Kursverfall: Gegenwind von Seiten der Regulierer aus vielen Ländern und Wirtschaftsregionen.

Asiatische Zentralbanken regulieren strenger

So will die chinesische Zentralbank den Markt der Kryptowährungen strenger regulieren. Sie sieht in den digitalen Währungen eine Gefahr für die Stabilität der eigenen Landeswährung, des Yuan. "Eines unserer Ziele ist die strenge Qualitätskontrolle des Yuan durch Korrekturmaßnahmen verschiedener Kryptowährungen", heißt es aus dem Hause der obersten Währungshüter im Reich der Mitte. Auch andere Länder wie Südkorea und Japan arbeiten an stärkeren Regulierungen der Digitalwährungen. Das hatte zeitweise zu heftigen Kursstürzen bei den neuen Währungen in den vergangenen Monaten geführt. Denn immer noch sind es junge Menschen vor allem in Asien, die begeisterte Anhänger von Kryptowährungen sind.

"Der aktuelle Kursverfall tut schon etwas weh", sagt Hendrik Leber vom Vermögensverwalter Acatis. Er hat persönlich und für seine Vermögensverwaltung in Digitalwährungen investiert, ist insofern also parteiisch. Trotz des Kursverfalls kann er der wachsenden Regulierung allerdings auch positive Seiten abgewinnen: "Je mehr Regulierung, desto stabiler die Währungen. Mittlerweile denken einige Finanzdienstleister und Banken darüber nach, Konten für Kryptowährungen anzubieten. Das alles kann dazu beitragen, Kryptowährungen aus ihrer Schmuddelecke heraus zu holen."

Noch kein sicheres Investment

Die Notwendigkeit hierzu sehen auch viele Zentralbanken mittlerweile. Denn sie und ihre jeweiligen Regierungen haben das Thema in den Fokus genommen - die Regierungen der G20-Staaten haben kürzlich bei ihrem Gipfel in Argentinien über das Thema gesprochen auf die Agenda gehoben - allerdings kam dabei kein verbindlicher Beschluss oder gar Plan heraus. Ohne Zweifel stehen Digitalwährungen aber verstärkt unter Beobachtung. Die US-Börsenaufsicht SEC hat beispielsweise ihre Gangart verschärft und will verstärkt Hedgefonds überprüfen, die das Geld ihrer Kunden in Kryptowährungen gesteckt haben.

Denn eines zumindest ist sicher: Als sichere Investments können digitale Währungen allein auf Grund ihrer enormen Kursschwankungen noch lange nicht gelten - wenn überhaupt jemals: Innerhalb weniger Monate sind die Kurse der vermeintlichen digitalen Heilsbringer im vergangenen Jahr explodiert, um nun wieder einzukrachen. "Zurzeit muss man vielleicht eher ein Auge darauf haben, dass die Erwartungen nicht ausgenutzt werden", sagt in diesem Zusammenhang auch Ulrich Kater, der Chefvolkswirt der Deka-Bank. "Es geht also darum, diejenigen zu schützen, die sich vielleicht nicht so gut auskennen in diesen Dingen." In erster Linie also geht es um Verbraucherschutz und Aufklärung.

Bundesbank gegen Kryptowährungen

Einer der zentralen Punkte der Kritik an Kryptowährungen ist die Frage, inwieweit es sich überhaupt um klassische Währungen handelt. Die Bundesbank beispielsweise spricht nicht von digitalen Währungen, weil hinter ihnen keine wertbürgende Instanz wie eine Zentralbank stehe. Das allerdings hat System, denn man kann die Erfindung digitaler Währung gerade als eine kritische Reaktion auf die Macht von Zentralbanken verstehen.

Interessant sind dabei auch neue Versuche, digitale Währungen an reale Güter zu koppeln. So hat Venezuela beispielsweise den Petro heraus gegeben – eine digitale Währung, die mit den Ölreserven des Landes gedeckt sein soll. Die Regierung in Caracas feiert das Projekt als Erfolg: Über drei Milliarden Dollar habe das Land durch die Einführung des Petro eingenommen. Der Wert des Petro richtet sich in diesem Fall nach dem Wert des in Venezuela geförderten Öles, der Petro-Kurs hängt also am Preis des flüssigen Goldes.

Bitcoin-Crash hat keine volkswirtschaftlichen Auswirkungen

Der allgemeine Kursverfall der Digitalwährungen jedenfalls wird dem ein oder anderen Fan, der im Goldrausch Ende vergangenen Jahres Geld investiert hat, Tränen in die Augen jagen. Volkswirtschaftlich immerhin stellen die Digitalwährungen nach Meinung der meisten Experten aber noch keine Gefahr dar. "Zurzeit ist dieses Segment des Finanzmarktes noch viel zu gering", meint Volkswirt Ulrich Kater. Deswegen sei aus seiner Sicht aktuell auch noch keine Eile bei der Regulierung angesagt.

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