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Bitcoin wird teurer - Schlechtes Image, hohe Kurse

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Wieder mal wurde sie dieser Tage für einen Betrug genutzt. Doch auch wenn das Image schlecht ist, der Kurs der Internetwährung Bitcoin steigt. Ökonomen sehen das mit Grausen.

Bildschirme der Kryptobörse in Moskau
Quelle: epa

"Bad Rabbit", schlimmes Kaninchen, war das Virus getauft worden, das am Dienstag die Rechner einiger russischer Medien erfasst hatte. Etwa die Nachrichtenagentur Interfax. Solle der Rechner nicht unbrauchbar werden, so die erpresserische Forderung, seien 300 Dollar fällig - zu zahlen in Bitcoin.

Bitcoin ist eine digitale Rechnungseinheit oder Währung. Sie existiert nur im Internet. Man kann sie nicht "ausdrucken" und damit "bar" bezahlen. Erfunden hat sie 2008 ein Programmierer unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Er setzte sie Anfang 2009 im Internet in Umlauf: Die Währung lebte davon, dass immer mehr Menschen sie akzeptierten - vor allem als Spekulationsobjekt.

Mit Bitcoin zum Pizzabäcker

Bitcoin im Schaufenster
Bitcoin im Schaufenster Quelle: reuters

Denn bezahlen kann man damit in der Wirklichkeit kaum. In Frankfurt am Main gibt es, so Zahlen aus dem Sommer, vier, in Hamburg 13, in Berlin 44 und in Stuttgart und Düsseldorf jeweils zwei Akzeptanzstellen. In Hamburg sei es etwa ein Pizzabäcker, erzählt Jörn Quitzau, Volkswirt der Berenberg Bank: "Man kann sich also mit Bitcoin ernähren, aber nur von Pizza", sagt er.

Aber im Internet machten Bitcoin Karriere. Man sieht das vor allem am Kurs. Wurde ein Bitcoin im Oktober 2014 noch für gut 300 Dollar gehandelt, waren es zum vorläufigen Allzeithoch am 22. Oktober dieses Jahres 6.018,76 Dollar. Erst Anfang August dieses Jahres war die Marke von 4.000 Dollar übersprungen worden, erreichte Anfang September knapp 5.000 Dollar, um dann binnen Tagen wieder auf weniger als 3.500 Dollar zu fallen. Danach ging es wieder steil nach oben. Das hing schon mit Gerüchten zusammen, der Internethändler Amazon werde Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren. Auf Anfrage von heute.de teilte Amazon aber mit, dazu habe das Unternehmen "keine Ankündigung gemacht".

"Schlimmer als das Tulpenfieber"

Henning Vöpel vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) wird bei solchen Schwankungen skeptisch: "Die Glaubwürdigkeit ist nicht gegeben, die Unabhängigkeit nicht", urteilt er über den Bitcoin. Er sei eben keine Währung, sondern ein "Anlageobjekt", freilich ein sehr spekulatives.

Und ein hohles. Jamie Dimon, der Chef der amerikanischen Großbank JP Morgan, hat den Bitcoin kürzlich als "Betrug" bezeichnet, der bald auffliegen werde. Er werde jeden Händler feuern, der Bitcoin kaufe oder verkaufe. Die Preisblase dort sei schlimmer als bei der Tulpenkrise Anfang des 17. Jahrhunderts, deren Geschichte der Kinofilm "Tulpenfieber" erzählt.

Ohne Zentralbank im Rücken

Auch ist der Bitcoin nicht zentral von einer Zentralbank geschaffen worden. Er ist deshalb auch kein gesetzliches Zahlungsmittel, ist also nicht mit einer gesetzlichen Annahmepflicht versehen, so wie etwa beim Euro: Jeder Händler muss Euro nehmen, wenn er im Euroland Waren verkauft. Damit fehlt dem Bitcoin auch die Unterstützung einer Zentralbank und ihrer Funktion eines "lender of last resort": In dieser Rolle als "Kreditgeber der letzten Zuflucht" geben Zentralbanken Kredit, wenn niemand anderes mehr dazu bereit ist. Es ist die Rolle eines "ultimativen Bereitstellers von Liquidität". Die brauche man gerade in Finanzkrisen, "um solche Krisen zu lösen", sagt der HWWI-Ökonom Vöpel.

Die Welt des Bitcoin

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