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Frankfurt und Koblenz - Fliegerbomben: Evakuierung in Frankfurt und Koblenz

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Millionen Bomben fielen im Zweiten Weltkrieg auf Deutschland. Noch heute liegen viele Blindgänger im Boden, sie müssen aufwändig entschärft werden. An diesem Wochenende trifft es Frankfurt am Main und - wieder - Koblenz. Mehr als 80.000 Menschen müssen in Sicherheit gebracht werden.

Es könnte die größte Evakuierungsaktion der Nachkriegszeit werden: Kommenden Sonntag wird im Frankfurter Westend eine Weltkriegsbombe entschärft. Ab sechs Uhr morgens müssen 70.000 Menschen das 1,5 km große Areal räumen.

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Nach dem Fund einer 1,8 Tonnen schweren Weltkriegsbombe laufen in Frankfurt am Main die Vorbereitungen für die größte Massenevakuierung der Nachkriegsgeschichte. Am Sonntag müssen für die Entschärfung mehr als 60.000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Auch 20 Altenheime, zwei Krankenhäuser - darunter das Bürgerhospital mit der größten Geburtsstation Hessens - und das Polizeipräsidium müssen geräumt werden. Tausende Einsatzkräfte sollen für einen sicheren Ablauf sorgen.

Bisher größte Evakuierungsmaßnahme

Es handle sich um die bundesweit bislang größte Evakuierungsmaßnahme, sagte der für Sicherheit zuständige Frankfurter Stadtrat Markus Frank (CDU). Für die Entschärfung muss ein Bereich im Radius von anderthalb Kilometern rund um den Fundort geräumt werden. Davon betroffen sind mehrere zentrumsnahe Stadtteile.

Die Bombe, die mit 1,4 Tonnen Sprengstoff eine enorme Kraft hat, war am Dienstag auf einer Baustelle nahe der Frankfurter Universität gefunden worden. Die Entschärfung sei eine "wahnsinnige Herausforderung", sagte der Leiter des Kampfmittelräumdiensts, Dieter Schwetzler. Die Bombe besitzt nach Angaben der Experten drei Zünder.

Die mehr als 60.000 von der Evakuierung betroffenen Bürger müssen am Sonntagmorgen ab 6 Uhr ihre Wohnungen verlassen, zunächst war sogar von 70.000 Menschen die Rede. Ab 8 Uhr will die Polizei das Räumungsgebiet sperren und mit Hunderten Beamten prüfen, ob sich niemand mehr dort aufhält. Auch ein Hubschrauber soll eingesetzt werden.

Tausende können in Hallen untergebracht werden

"Die Fläche muss menschenleer sein", betonte Frank. Die Verantwortlichen machten deutlich, dass keine Ausnahmen möglich sind. Für Menschen, die nicht woanders unterkommen können, öffnet die Stadt große Hallen, unter anderem auf dem Messegelände. Darin ist Platz für mehrere Tausend Menschen.

Erst nach der Überprüfung des Sperrgebiets durch die Polizei beginnt die eigentliche Entschärfung, damit wird ab Sonntagmittag gerechnet. Dafür werden etwa vier Stunden veranschlagt. Nach erfolgreicher Entschärfung sollen zunächst alte und kranke Menschen wieder zurückgebracht werden. Die Behörden rechnen damit, dass dann gegen 20 Uhr alle Bürger wieder nach Hause können.

Weiträumige Umleitungen

Den ganzen Tag wird es zudem zu weiträumigen Umleitungen im Straßenverkehr kommen. Auch im öffentlichen Nahverkehr wird es erhebliche Einschränkungen geben, weil in dem Sperrgebiet keine Busse und Bahnen fahren.

Der Flugverkehr könnte ebenfalls betroffen sein. Der Flughafen wird nach Angaben des Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill selbst entscheiden, ob angesichts der von der Wetterlage abhängigen Flugrouten alle Flüge stattfinden können oder nicht.

Koblenz am Samstag betroffen

Einen Tag zuvor trifft es 21.000 Einwohner der 113.000-Einwohner-Stadt Koblenz: Sie müssen bis 13 Uhr ihre Wohnungen verlassen haben. "Es wird ein Gebiet mit einem Radius von einem Kilometer evakuiert", sagte Stadtsprecher Heiko Breitbarth. Auch hier wird vor der Entschärfung kontrolliert, ob sich wirklich niemand mehr in dem Gebiet aufhält.

Betroffen sind vor allem drei Stadtteile. Geräumt werden müssen auch der Hauptbahnhof, ein Gefängnis, zwei Altenheime und ein Krankenhaus. Die B9 wird gesperrt. Feuerwehrsprecher Manfred Morschhäuser: "Die Züge können erst noch durch den Bahnhof fahren, ohne das jemand ein- oder aussteigen kann. Während der eigentlichen Entschärfung aber nicht mehr, dann stehen die Signale auf Rot." Die Häftlinge des Gefängnisse werden auf andere Justizvollzugsanstalten verteilt. Für die betroffenen Bürger werden mehrere Turnhallen geöffnet.

In Koblenz handelt es sich um eine 500-Kilogramm-Fliegerbombe. Der US-Blindgänger war am Montag bei Bauarbeiten für einen Kindergarten gefunden worden. Die Bombe steckt in der Grube senkrecht in der Erde, sie hat zwei Zünder - einen oben und einen unten. In Koblenz werden Bauprojekte oft von Bombenexperten begleitet, die genau hinschauen, was die Bagger ausbuddeln. Die Rhein-Mosel-Stadt war als Militärzentrum und Verkehrsknotenpunkt im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs weitgehend zerstört worden.

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