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Wahlanalyse - Warum Hessen so gewählt hat

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Die Bundespolitik wirft ihre Schatten: Welchen Einfluss das Ansehen der GroKo auf den Wahlausgang in Hessen hat und warum die Grünen punkten - die Wahlanalyse.

Mann mit Telefon und Statistiken auf Computerbildschirm
Quelle: dpa / ZDF / Forschungsgruppe Wahlen

Hinweis: Es handelt sich um eine Analyse, die auf einer telefonischen Vorwahl-Befragung der Forschungsgruppe Wahlen basiert.

Was war landespolitisch wichtig?

Für den Einbruch von CDU und SPD gibt es landes- und bundespolitische Gründe. Vor Ort können beide Parteien nur bedingt mit politischen Leistungen, Spitzenpersonal oder Sachkompetenzen überzeugen. Hinzu kommt jetzt auch in Hessen starke Konkurrenz durch die Grünen, für die sich zahlreiche Wähler kurzfristig entschieden haben: Mit klar positivem Image, einem zugkräftigen Kandidaten und gut bewerteter Regierungsarbeit stehen die Grünen für 69 Prozent aller Befragten "in Hessen für eine moderne, bürgerliche Politik".

Welchen Einfluss hat die Bundespolitik?

Bei einer Wahl mit erneut viel bundespolitischem Einfluss - 2013 war parallel zur Hessen-Wahl auch Bundestagswahl - gibt es aus Berlin für CDU und SPD diesmal starken Gegenwind: Die Arbeit der Bundesregierung wird erstmals seit Jahren bei einer Landtagswahl negativ bewertet: 60 Prozent meinen, die Große Koalition schade in Hessen der CDU und 55 Prozent meinen, sie schade hier der SPD. Speziell der CDU fehlt der Merkel-Bonus, den sie hier vor fünf Jahren hatte: Begleitet von rückläufigem Ansehen (+5/-5-Skala: 0,5; 2013: 1,8) meinen nur noch 14 Prozent (2013: 70 Prozent), dass die Kanzlerin für die Hessen-CDU bei der Landtagswahl hilfreich ist.

Blitzanalyse Infografik
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Womit punkten die Grünen?

Neben heftigen Reputationsverlusten für CDU und SPD als Bundespartei sinkt auch das Ansehen der Hessen-SPD (+5/-5-Skala: 0,8; 2013: 1,1). Die CDU (1,5; 2013: 1,0) kann sich als Landespartei zwar verbessern, wird aber beim Image von den Grünen (1,5; 2013: 0,5) eingeholt. Zudem bekommen die Grünen für ihre Arbeit in der schwarz-grünen Koalition bessere Noten als die CDU und stellen den beliebtesten Spitzenpolitiker Hessens: Mit viel Ansehen in fast allen politischen Lagern erreicht Tarek Al-Wazir auf der +5/-5-Skala 1,6 (2013: 0,8).

Infografik Blitzanalyse
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Wer wird als Ministerpräsident bevorzugt?

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) wird zwar etwas besser bewertet als vor der letzten Landtagswahl, bleibt aber mit 1,1 (+5/-5-Skala: 2013: 0,8) sichtbar unter dem Durchschnittsniveau aller Länder-Regierungschefs. Noch schwächer als Bouffier wird mit 0,8 (2013: 1,1) SPD-Kandidat Thorsten Schäfer-Gümbel eingestuft, der auch in der Frage nach dem bevorzugten Ministerpräsidenten das Nachsehen hat: 45 Prozent sind für Bouffier und nur 33 Prozent für Schäfer-Gümbel (keinen davon: elf Prozent, weiß nicht: elf Prozent).

Infografik Blitzanalyse
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Wem vertrauen die Hessen bei den Top-Themen?

Beim für die Bürger wichtigsten Thema, "Bildung und Schule", wird CDU und SPD weiterhin deutlich mehr zugetraut als den Grünen (29, 25 bzw. elf Prozent). Im Bereich "Wohnungsmarkt", in Hessen zweitwichtigstes Thema, setzen die Befragten am ehesten auf SPD-Politik und bei "Verkehrspolitik" auf die Grünen, die hier der CDU jetzt klar den Rang ablaufen. Bei "Flüchtlinge und Asyl" wird nach gewohnten Mustern auch die AfD stärker sichtbar, wobei das Thema weit weniger häufig als im Bund oder zuletzt in Bayern als Problem gesehen wird: Für 70 Prozent kann Hessen die vielen Flüchtlinge verkraften.

Infografik Blitzanalyse
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Welche Koalitionen werden jetzt (nicht) gewünscht?

Überlagert von hoher Unzufriedenheit mit der Großen Koalition im Bund ist die Hessen-Wahl letztlich auch ein Votum für schwarz-grüne Regierungskontinuität mit deutlich mehr grünem Anstrich: 2013 noch sehr kritisch betrachtet, fänden es jetzt 49 Prozent gut und 33 Prozent schlecht (egal: 16 Prozent), wenn CDU und Grüne in Hessen weiter regieren würden. Dagegen wird eine Große Koalition inzwischen sogar stärker abgelehnt als sämtliche denkbaren Drei-Parteien-Bündnisse, gegen die es in Hessen ebenfalls mehr oder weniger große Vorbehalte gibt.

Infografik Blitzanalyse
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen

Wo haben CDU, SPD und Grüne Stärken und Schwächen?

Für CDU und SPD bleiben die älteren Wähler zentrale Stütze, wobei beide selbst hier klar verlieren: In der beteiligungsstarken und großen Wählergruppe der ab 60-Jährigen kommt die CDU auf 35 Prozent (minus elf) und die SPD auf 27 Prozent (minus acht). Bei allen unter 60-jährigen Wählern liegen die Grünen (23 Prozent; plus zehn) mit der CDU (23 Prozent; minus zwölf) auf Augenhöhe, unter Wählern mit formal hohem Bildungsniveau werden die Grünen klar stärkste Partei.

Was fällt bei AfD, FDP und Linke auf?

Gewählt wird die AfD von 49 Prozent vorrangig wegen ihrer politischen Forderungen, aber von 47 Prozent als "Denkzettel" für die anderen Parteien. Beim Parteiansehen sackt die AfD (minus 3,2; 2013: minus 1,9) noch tiefer ab, Linke (+5/-5-Skala: minus 0,8; 2013: minus 2,0) und FDP (0,2; 2013: minus 1,1) schaffen dagegen eine Imagekorrektur. Während die FDP bei den unter 30-jährigen Männern mit elf Prozent und die Linke bei den unter 30-jährigen Frauen mit zehn Prozent relativ gut abschneiden, ist die AfD einmal mehr bei den 30- bis 44-jährigen Männern mit 20 Prozent sowie bei Männern im Alter zwischen 45 und 59 Jahren mit 19 Prozent besonders stark.

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