Sie sind hier:

Digitaler Handel - Die Blockchain-Revolution

Datum:

Bitcoin könnte man als Modephänomen abtun. Die Technologie dahinter nicht: Blockchain. Firmen werden sie einsetzen. Denn sie bietet Sicherheit und schaltet Mittler wie Banken aus.

"Welt ohne Banken? - Die Blockchain-Revolution": Lichtreklame mit Bitcoin-Logo.
Berlin-Kreuzberg ist Deutschlands Bitcoin-Kiez. In einigen Bars und Restaurants kann mit Bitcoin bezahlt werden. Quelle: ZDF/Anthony Miller

Mittlerweile hat wohl jeder einmal etwas von Bitcoins und anderen Digitalwährungen gehört. Das sind jene neuartigen Gebilde im Internet, vor denen Zentralbanken, Regulierer und Verbraucherschützer warnen. Man könnte es dabei belassen – ein neues Spielzeug für Spekulanten und Zocker an verrückten Kapitalmärkten. Doch das Phänomen ist mehr, weit mehr sogar.

Was ist die Blockchain?

Die Blockchain könnte Branchen massiv verändern

"Die Technologie hat durchaus die Möglichkeit, viele Wirtschaftsbranchen grundlegend zu verändern", glaubt Philipp Sandner. Sandner ist kein Computer-Nerd mit Kapuzenpulli. Sandner ist Wirtschaftsprofessor. Und er leitet das Blockchain-Center an der Frankfurt School of Finance and Management. "Überall dort kann das Branchen umwälzen, wo man Plattformen hat, wo Angebot und Nachfrage sich treffen: Das sind Angebote wie Carsharing, wo eine Mobilitäts-Anfrage auf Autos trifft, das sind Musikplattformen wo es um Lizenzrechte geht wie Spotify. Und am Anzeigenmarkt sind wir ganz schnell bei Google oder Facebook."

Deswegen versuchen mittlerweile fast alle großen Unternehmen, die Blockchain-Technologie für eigene Zwecke nutzbar zu machen – etwa für Geschäftsprozesse und den Kontakt mit Kunden. Fabian Vogelsteller ist Programmierer und Entwickler bei der weltweit zweitgrößten Digitalwährung Ethereum. Er arbeitet derzeit aber auch daran, eine Blockchain-Lösung für die Modeindustrie zu entwickeln. "Man kann auf der einen Seite Produkte registrieren und damit jederzeit die Echtheit überprüfen. Für die Modeindustrie versuche ich mit meinem Projekt, eine Plattform zu bauen, auf der dann alle Beteiligten handeln können." Auf der anderen Seite können über die Blockchain aber auch vertraglich Dinge den Besitzer wechseln. So kann man beispielsweise programmieren oder definieren: Sobald eine bestellte Ware – wie ein Kleidungsstück – beim Käufer eingetroffen ist, erfolgt automatisch die Zahlung.

Original oder Fälschung - die Blockchain weiß es

Dass automatisierte Verträge und das Kontrollieren der Echtheit von Waren über Blockchain keine Utopie von Computerspezialisten sind, beweist der Pharma- und Chemiekonzern Merck gerade. Merck arbeitet an einer Blockchain-Lösung, um unter anderem seine Medikamente fälschungssicher zu machen. Denn wenn ein Hersteller auf seiner Blockchain verewigt, dass das Produkt aus der eigenen Produktion stammt, kann der Kunde einfach überprüfen, ob es sich wirklich um ein Medikament von Merck oder eine Fälschung handelt.

Am Ende soll jedes Krankenhaus oder jede Apotheke mit einfachen Mitteln in der Lage sein, Unregelmäßigkeiten beispielsweise in der Lieferkette zu erkennen und entsprechend zu reagieren.  "Gerade bei Medikamenten ist das ein sehr großes Problem. Denn da können ja auch Menschen sterben oder Gesundheitsprobleme bekommen, wenn es sich um Fälschungen handelt. Die Technologie macht möglich, in Zukunft Betrügern das Handwerk zu legen", ist Philipp Sandner überzeugt.

Beschwerdeanruf überflüssig

Auch in der Versicherungsbranche bahnt sich der verstärkte Einsatz von Blockchain an. So hat die AXA-Versicherung als erste eine auf Blockchain basierte Versicherung für Flugverspätungen auf den Weg gebracht. Möglich ist das, weil auf der Blochain auch Verträge definiert werden können. Kunden können die Versicherung abschließen. Das System checkt dann automatisch die offiziellen Verspätungstafeln für Flüge.

Wenn ein Flug mehr als zwei Stunden Verspätung hat, tritt automatisch der Versicherungsfall ein. Nach Angaben von AXA haben die Kunden sieben Tage später dann die Entschädigung auf dem Konto, ohne auch nur einen Beschwerdeanruf gemacht haben zu müssen.

Brauchen wir dann keine Banken mehr?

Ein anderes Beispiel, wo die Blockchain derzeit – und in Zukunft wohl noch mehr – für Wirbel sorgt, ist die Finanzindustrie. Hier nahm die Entwicklung übrigens in Form des Bitcoin ihren Anfang. Das revolutionäre an dieser und anderen Digitalwährungen: Zahlungen wickeln Nutzer des Netzwerkes direkt untereinander ab – über das Blockchain-Netzwerk. Ein Bitcoin wandert für eine Zahlung also direkt vom Nutzer A zu Nutzer B – und das gesamte Netzwerk sieht und bestätigt die Transaktion. Damit sind innerhalb des Netzwerkes Überweisungen überflüssig – ein traditionelles Geschäftsfeld für Banken. "Hatten wir früher bei vielen Prozessen Mittler nötig, die zwischen zwei Parteien standen und ein gutes Stück des Umsatzkuchens abbekamen, wird das in Zukunft viel weniger der Fall sein", meint Philipp Sandner. Und diese Vorhersage dürfte zumindest in Teilen für fast alle Wirtschaftsbranchen zutreffen. Noch steckt die digitale Blockchain-Revolution in den Kinderschuhen. Doch voraussichtlich schon bald wird sie erwachsen und in unseren Alltag Einzug erhalten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.