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Blockchain - Vom Bitcoin-Boom zur Wirtschaftsrevolution

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Der kometenhafte Anstieg der Kryptowährung Bitcoin zeigt das Potenzial der Blockchain-Technologie, die eine Revolution der Wirtschaft bringt - mit Auswirkungen auf alles.

Archiv: Kryptowährung, Symbolbild
Quelle: colourbox.de

Die Kryptowährung Bitcoin hat einen schwindelerregenden Lauf. Und sie teilt die Welt in Gläubige und Ungläubige. Startete die Digitalwährung ins Jahr 2017 mit etwas weniger als 1.000 Dollar, ging es im Juni schon bis auf 3.000 Dollar hoch, im August dann auf 4.000. Am 20. Oktober knackte Bitcoin erstmals die 6.000-Dollar-Marke und steht gegenwärtig bei rund 6.500.

Nicht, dass es keinen Gegenwind gegeben hätte. Den gab es reichlich: Grabenkämpfe in der Bitcoin-Entwicklergemeinde über den künftigen Kurs - vorläufig geschlichtet -, den Versuch der chinesischen Regierung, durch das Schließen von Bitcoin-Handelsplattformen Kontrolle über das Krypto-Universum zu erlangen - vorläufig gescheitert - und zuletzt die Anti-Bitcoin-Tirade des mächtigen Wall-Street-Bankers Jamie Dimon.

Man will einfach wissen, was geht

Die Technologie, auf der Bitcoin basiert, ist die so genannte Blockchain. Und trotz aller Kritik stürzen sich fast alle Banken darauf. Es ist für die Finanzbranche "the next big thing". Die schweizerische UBS schätzt, die Blockchain könnte der Weltwirtschaft bis 2027 einen jährlichen Mehrwert von 300 bis 400 Milliarden Dollar bescheren.

Banken stürzen sich auch deswegen so eilfertig auf die Blockchain, weil die Technologie aus ihrer Sicht die Gefahr birgt, Banking ohne Banken zu ermöglichen, Banker mithin zu einer gefährdeten Spezies macht, vielleicht gar überflüssig. Man will nicht enden, wie der Eisbär auf der Scholle - einerseits. Andererseits ist das Potential der Blockchain für die Bankenwelt selbst riesig: Teure zentrale Kontrollinstanzen im Geldverkehr würden überflüssig.

makro: Welt ohne Banken?

Schalten die Banken ihre Mittelsmänner aus, lassen sich Milliarden sparen. Banking könnte einfacher, billiger und schneller werden. Patrik Pohl, der sich bei der Deutschen Bank mit dem Thema beschäftigt, sagt gegenüber makro, die Blockchain könne das Kreditgeschäft vereinfachen und auch im Handelsgeschäft eingesetzt werden. Auch die Deutsche Bank experimentiert. Man will einfach wissen, was geht.

Internet 3.0

Letztlich geht es um das Zünden der dritten Stufe des Internets. Treten wir mal ein paar Schritte zurück, so ist das Internet, wie der normale Nutzer es seit der Jahrtausendwende kennt, das Internet der Daten (Internet of Data). Seit ein paar Jahren nun entsteht das Internet der Dinge (Internet of things), in dem verschiedene Endgeräte miteinander kommunizieren, zum Beispiel fährt die Smartphone-App zuhause die Heizung hoch. Die Blockchain-Technologie, so beschreibt es Don Tapscott in seinem Buch "Blockchain Revolution", schaffe nun das Internet der Werte (Internet of Value).

Das Internet der Werte ermöglicht ökonomische Transfers aller Art. Dies geht weit über die Kryptowährung Bitcoin hinaus. Die gesamte Finanzbranche mit ihren Dienstleistungen wie Finanzierung, Überweisung und Wertpapierdepots ist nur die Spitze des Eisbergs. Eine Blockchain ermöglicht den Austausch von Werten - transparent, fälschungssicher, unbestechlich: Wildfremde Knoten im Blockchain-Netzwerk, sogenannte "Nodes", können jetzt direkt miteinander Geschäfte machen - Mensch zu Mensch, Mensch zu Maschine, Maschine zu Maschine. Die Blockchain macht da keinen Unterschied.

Ist mein Schnitzel wirklich bio?

Beispiel Lebensmittel: Der amerikanische IT-Riese IBM will die Blockchain in Supermärkte bringen. Die Blockchain macht nämlich auch die lange Reise von Lebensmitteln transparent, bis ins Detail. Von welchem Hof kommt das Fleisch? Wie ist die Lagertemperatur unterwegs? Ist alles richtig deklariert? Anhand der Datenkette lässt sich der Weg von Steak und Schnitzel Schritt für Schritt lückenlos von der Schlachtung bis in die Kühltheke zurückverfolgen. Zur Kontrolle braucht man bloß das Smartphone.

Beispiel Diamanten: Der Diamantenindustrie entstehen durch Fälschungen und Blutdiamanten jährlich Milliardenschäden. Echtheitszertifikate in Papierform sind leicht manipulierbar. Die Lösung: Ein unveränderbarer Fingerabdruck des Diamanten wird in einer Diamanten-Blockchain abgelegt. Die digitale Urkunde besteht aus Merkmalen, die den Stein eindeutig identifizieren.

Quasi ein elektronische Grundbuch

Beispiel Immobilien: Häuser und Grundstücke könnten via Blockchain eindeutig ihren Eigentümern zugeordnet werden. Diese könnten ihr Eigentum an andere übertragen. Eine solche Transaktion wäre technisch nichts anderes als das Bezahlen eines Kaffees per Bitcoin. Es bräuchte keinen Notar, was viel Geld spart, und kein gesondertes Grundbuch. Die Blockchain selbst ist ja quasi das elektronische Grundbuch.

Beispiel Energie: Auch Energieversorger experimentieren mit der Blockchain. Erzeugung, Handel, Speicherung und Verbrauch von Strom ließen sich über eine Blockchain transparent abwickeln. Dies ruft umgehend Pioniere auf den Plan: Das australische Startup "Power Ledger" überträgt die Idee auf Privathaushalte, die sich in einem Blockchain-basierten Netzwerk zusammenschließen und untereinander mit selbsterzeugtem Solarstrom oder selbstgespeichertem Batteriestrom handeln.

Smart Contracts: Vertraue dem Code

Das Geschäftsmodell könnte die klassischen, zentralen Energieversorger marginalisieren. Genau wie die Finanzbranche. Power Ledger, zum Beispiel, hat seine Finanzierung nicht per Bankkredit gesichert oder auf anderen traditionellen Finanzierungswegen. Man hat per "Initial Coin Offering", dem Blockchain-basierten Pendant zum herkömmlichen Börsengang ("Initial Public Offering"), umgerechnet 34 Millionen australische Dollar eingesammelt. Die Hälfte davon in den Kryptowährungen Ether, Bitcoin und Litecoin.

Power Ledger hat jetzt gut 13.000 Anteilseigner beziehungsweise Stakeholder. Abgewickelt wurde das gesamte Prozedere über die Ethereum-Blockchain. Die ist zwar noch sehr jung - sie ging erst 2015 an den Start - ermöglicht jedoch, anders als die Bitcoin-Blockchain, erstmals sogenannte "Smart Contracts". Das sind in Computer-Code gegossene Verträge zwischen verschiedenen Nodes im Blockchain-Netzwerk. Diese Funktionalität liefert die Initialzündung für tausende Geschäftsideen und bringt die Blockchain-Ökonomie richtig in Fahrt. Apps schießen wie Pilze aus dem Boden. Und man sieht: Ganz ohne Nerd-Speak kommt das Thema nicht aus.

Ethereum: Hier steppt der Bär

Ein Großteil der Entwicklergemeinde des Blockchain-Universums tummelt sich heute auf der Ethereum-Blockchain und ihren Ablegern. Sie ermöglicht praktisch Verträge aller Art, etwa: Person A bekommt von Person B zum Zeitpunkt C unter der Bedingung D den Wert E. Einer der Entwickler, Christoph Jentzsch, begründet sein Vertrauen in Mathematik und Kryptographie, die Basis der Smart Contracts, folgendermaßen: "Solange das System weiter so läuft wie programmiert, weiß ich genau, was passiert."

Im Kino folgt Neo dem weißen Hasen, schluckt die rote Pille und taucht ein in die Matrix. Die Wirtschaft, so scheint es, macht es genauso.

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