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Weniger Spender in der Zukunft

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Weltblutspendetag - Weniger Spender in der Zukunft

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Noch gibt es in Deutschland genügend Menschen, die Blut spenden. Doch angesichts des demografischen Wandels warnen Experten zum Weltblutspendetag vor künftigen Engpässen.

Blutspenden
Noch gibt es genügend Blutspender - doch sie werden immer älter und ihre Zahl wird weniger.
Quelle: dpa

Fünf bis sechs Liter Blut durchströmen den Körper jedes erwachsenen Menschen und versorgen ihn mit Nährstoffen und Sauerstoff. In Deutschland ist jeder Dritte mindestens einmal im Leben auf das gespendete Blut seiner Mitmenschen angewiesen. Zum Weltblutspendetag am Freitag werben deshalb das Deutsche Rote Kreuz (DRK) und Ärzteorganisationen für mehr Bereitschaft zur Blutspende.

"Grundsätzlich kann man sagen, dass die Blutspendedienste in Deutschland den Bedarf an Fremdblut zu 100 Prozent decken", sagt Erhard Seifried, Lehrstuhlinhaber für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie am Klinikum der Uni Frankfurt. "Es ist meines Wissens noch kein einziger Patient wegen fehlender Fremdblut-Vorräte zu Schaden gekommen." Allerdings gibt es Phasen, in denen es zu Engpässen kommen kann: in Ferienzeiten etwa, rund um die Feiertage oder in Hitzeperioden. Außerdem gibt es regionale Engpässe: Ostdeutsche Krankenhäuser sind auf Blutkonserven aus dem Westen angewiesen.

Immer mehr Ältere benötigen Blutspenden

Bundesweit werden täglich laut DRK 15.000 Blutspenden benötigt. Neben Unfallopfern und Patienten mit Organtransplantationen sind vor allem Krebspatienten auf Blutpräparate angewiesen. Jährlich spenden die Deutschen rund zwei Millionen Liter Blut. Drei bis vier Prozent der erwachsenen Bundesbürger gehen zur Blutspende - eine im internationalen Vergleich hohe Spendenbereitschaft.

Dennoch zeigen sich Ärzte mit Blick auf die Zukunft besorgt. "Die ausreichende Versorgung mit Blutprodukten in Deutschland wird aufgrund des demografischen Wandels zu einer immer größeren Herausforderung", warnt die Deutsche Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI). Die Zahl der möglichen Blutspender nimmt konstant ab. Jährlich scheiden deutschlandweit rund 100.000 aktive Blutspender durch das Erreichen der Altersbegrenzung oder eine Krankheit aus, rechnet das DRK vor. Aus gesundheitlichen Gründen gibt es eine Altersgrenze von derzeit 72 Jahren für Spender.

Wir beobachten seit einigen Jahren eine Zunahme der Patienten höheren Alters, die mehr Blut brauchen.
Hermann Eichler, Vorsitzender DGTI

Gleichzeitig gibt es immer mehr ältere und mehrfach erkrankte Menschen. "Wir beobachten seit einigen Jahren eine Zunahme der Patienten höheren Alters, die mehr Blut brauchen", erläutert Professor Hermann Eichler, der Vorsitzende der DGTI. "Stellt diese Altersgruppe mehr als 40 Prozent der Patienten in einer Klinik, verbraucht diese Altersgruppe bis zu 65 Prozent der gesamten Blutprodukte eines Krankenhauses."

Demografische Prognosen zeigen eine Fortsetzung dieses Trends: 2030 müssen durchschnittlich 2,1 Blutspender zwischen 18 und 65 Jahren einen Menschen der Gruppe der über 65-Jährigen versorgen. 2005 lag das Verhältnis bei 3,6 zu 1. Der stärkste Rückgang wird ab 2020 erwartet.

Infografik: Blutspende
Infografik: Blutspende
Quelle: ZDF

Politiker fordern mehr Anreize

Angesichts des drohenden Rückgangs von Blutspenden haben sich CDU, SPD und Grüne im nordrhein-westfälischen Landtag für Anreize zum Blutspenden nach tschechischem Vorbild ausgesprochen. Dort erhalten Spender etwa Gutscheine für Erholungsaktivitäten wie Schwimmen oder Massagen. "Eine Aufwandsentschädigung in Form von Schwimmbadgutscheinen oder Kinogutscheinen sind für uns durchaus vorstellbar", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Peter Preuß.

Auch Grünen-Gesundheitsexperte Mehrdad Mostofizadeh erklärte, kleine Geschenke als Dankeschön für die gute Tat könnten helfen, die Blutspende attraktiver zu machen. "Ob es sich dabei um ein besonders leckeres Stück Kuchen oder einen Gutschein für den Schwimmbadbesuch handelt, ist zweitrangig", betonte er. Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Josef Neumann, nannte das System in Tschechien "ein gutes Modell".

Ersatzstoffe sollen bei Engpass helfen

Blutersatzstoffe zu entwickeln, die in beliebiger Menge billig zu erzeugen und beliebig lange lagerbar sind, zählt heute zu den größten Herausforderungen der Transfusionsmedizin. Noch gibt es kein Kunstblut. Allerdings haben Wissenschaftler kürzlich bekannt gegeben, dass sie im Labor ein Verfahren entwickelt haben, mit dem mittel- oder langfristig mehr geeignetes Spenderblut zur Verfügung stehen könnte: Danach kann ein im Darm vorkommendes Enzympaar Blut der Gruppe A in Gruppe Null umwandeln. Das Besondere: Die Blutgruppe Null wird von Menschen aller anderen Blutgruppen akzeptiert. Blut mit diesen Merkmalen gilt daher als universell einsetzbares Spenderblut.

Grafik: Ablauf einer Blutspende
Grafik: Ablauf einer Blutspende
Quelle: ZDF
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