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Manipulationsvorwürfe - BMW: Bilanz im Schatten eines Verdachts

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Bei der Bilanzpressekonferenz musste der BMW-Konzernsprecher zur Razzia der Staatsanwaltschaft Stellung nehmen. Die verdächtigt BMW, Manipulationssoftware verwendet zu haben.

Einen Tag nach der Razzia in der Konzernzentrale lädt BMW zur Bilanzpressekonferenz. Im Fokus steht die Diesel-Affäre um manipulierte Abgas-Werte.

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Das Thema soll so schnell wie möglich vom Tisch: Noch bevor BMW-Chef Harald Krüger sein Eröffnungsstatement beginnt, liest sein Sprecher, Maximilian Schöberl, ein vorbereitetes Statement ab. Ja, es habe am gestrigen Tag eine Durchsuchung von BMW-Geschäftsräumen durch die Staatsanwaltschaft München gegeben. Man nehme den Fall sehr ernst, aber: "Es handelt sich um einen Softwarefehler und um keine gezielte Manipulation der Abgasreinigung", so Schöberl. Im Übrigen werde man sich weiterführend zu diesem Thema nicht äußern - Punkt.

Für BMW kommt die Razzia zur Unzeit. Mal wieder wollte der Autobauer aus München Rekordzahlen vermelden, mal wieder hohe Investitionen in die Elektromobilität und das autonome Fahren. Dazwischen kommt gestern der Verdacht, dass BMW bei Modellen der 5er und 7er Reihe eine Software installiert hat, die die Abgaswerte auf dem Prüfstand zugunsten von BMW manipuliert. Die Staatsanwaltschaft nennt das "prüfstandsbezogene Abschalteinrichtung." BMW nennt das: Blödsinn.

In der Tat hat die Software die Abgaswerte der betroffenen Modelle nicht verbessert (wie bei VW), sondern massiv verschlechtert. Ein Programm, das eigentlich für eine neue Modellreihe gedacht war, bekamen auch all jene Autos aufgespielt, die älteren Datums waren. Die BMW-Vorstände, die jahrelang behauptet hatten, BMW sei "sauber geblieben" waren am Rande der Pressekonferenz peinlich berührt. Es ist anzunehmen, dass sie in jede Tischkante gebissen haben, die sie zu fassen bekamen.

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Was würden wir ohne Freihandel tun?

Für Unruhe sorgen in München unter anderem die eingeführten US-Zölle auf Aluminium und Stahl. Nicht, weil man deswegen riesige Einbußen erwartet, sondern, weil niemand so richtig weiß, woran man ist. Ein BMW-Insider formuliert es so: "Keiner kann uns sagen, was der nächste Tweet aus Amerika sein wird, was für eine Laune den US-Präsidenten morgen befällt." Man müsse eine Vielzahl von Szenarien durchkalkulieren, ohne zu wissen, welches am Ende eintritt.

Vorstandschef Krüger zählt in seiner Rede erstmal auf, was die USA BMW alles verdanken. "Insgesamt sorgt die BMW Group in Amerika für fast 70.000 Arbeitsplätze", so Krüger. Außerdem werde man in den kommenden drei Jahren weitere 600 Millionen Euro in das Werk in Spartanburg investieren. "BMW ist der größte Autoexporteur der USA", sagt er dann noch, nicht ohne den Hinweis, diese Zahlen kämen aus dem US-Handelsministerium. Letzteres hätte süffisant klingen können, tat es aber nicht. Erstens ist Harald Krüger kein begnadeter Redner, und zweitens überlässt man Gefühlsregungen wohl doch lieber US-Präsidenten.

Klar ist, dass eine globale Unternehmensstruktur, wie sie etwa BMW hat, nur mit Freihandel möglich ist. Die gegenseitigen Abhängigkeiten sind enorm. So bezog das BMW-Werk in Amerika letztes Jahr 40.000 Tonnen Stahl aus der EU. Andererseits kaufte die BMW-Group aus den USA Teile und Software im Wert von fast sieben Milliarden Euro. Amerika sei, so Krüger, der "zweitwichtigste Einkaufsmarkt der BMW Group."

Rekordgewinn trotz hoher Investitionen

Handelsstreit, Dieselkrise – die Umstände könnten kaum schwieriger sein. Und doch will BMW am Rekordgewinn des vergangenen Geschäftsjahres von über zehn Milliarden Euro festhalten. "Das wird kein Sonntagsspaziergang", sagte Finanzvorstand Nicolas Peter. Und dennoch wird der Autobauer seine Investitionen in Forschung und Entwicklung um eine Milliarde auf dann sieben Milliarden Euro erhöhen. Im Fokus stehen dabei die E-Mobilität und das autonome Fahren.

Am Dieselmotor will BMW übrigens festhalten. "Wir bauen den modernsten Diesel der Welt", sagt Vorstandschef Krüger im ZDF-Interview. Zwar spüre man in der Tat eine Verunsicherung der Verbraucher bei diesem Thema, aber: "Der Diesel ist wichtig, weil er weniger CO2 ausstößt. Wer die Klimaziele der EU einhalten wolle, könne sich nicht einfach davon verabschieden."

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