BMW und Daimler gegen Google und Co.

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Autonomes Fahren - BMW und Daimler gegen Google und Co.

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BMW und Daimler haben eine weitere Kooperation angekündigt. Damit wollen sie in Zukunft beim autonomen Fahren die Nase vorn haben. Kann das gelingen? Wichtige Fragen und Antworten.

Die Zusammenarbeit von BMW und Daimler soll am Ende selbstfahrende Autos auf die Straßen bringen. Anfang des kommenden Jahrzehnts wollen sie zusammen die nächste technologische Generation des autonomen Fahrens realisieren.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu dieser neuen Kooperation.

Warum kommt es zum Schulterschluss der beiden Erzrivalen im Premium-Autobereich?

Die Logos von BMW und Daimler
BMW und Daimler wollen gegenüber neuen Konkurrenten Boden gut machen.
Quelle: picture alliance/Ulrich Baumgarten

Mit solchen Kooperationen wollen die Autobauer ihre Kräfte bündeln. Es gilt vor allem, gegenüber neuen Konkurrenten Boden gut zu machen. Die finden sich mittlerweile auch außerhalb der klassischen Autobranche. So ist die Google-Tochter Waymo etwa sehr weit im Bereich Roboter-Taxi und autonomes Fahren. VW-Chef Herbert Diess zum Beispiel hat eingestanden, dass Waymo etwa ein bis zwei Jahre Vorsprung gegenüber den traditionellen Autobauern habe.

"Die Kooperationen zwischen Automobilindustrie und IT- und Internetfirmen nehmen zu", sagt Peter Fuß, Autoexperte bei der Unternehmensberatung EY. So hatten BMW und Daimler wenige Tage zuvor erst bekannt gegeben, ihre Car-Sharing-Plattformen DriveNow und Car2Go zu verzahnen. Daimler kooperiert bereits seit 2017 mit dem Zulieferer Bosch beim autonomen Fahren. BMW arbeitet mit dem Chiphersteller Intel und dem Konkurrenten Fiat Chrysler zusammen. Volkswagen und Ford wollen ebenfalls gemeinsam Roboterautos entwickeln.

Ist der Vorsprung von Waymo durch die neue Allianz BMW/Daimler noch aufzuholen?

Archiv: Selbstfahrendes Auto von Google-Schwester Waymo
Selbstfahrendes Auto von Google-Schwester Waymo
Quelle: dpa

Chancen gibt es nach Meinung der meisten Experten noch. Allerdings ist dafür ein großer Kraftakt notwendig. "Es wird viel Geld kosten bei einem relativ hohen Risiko, dass man es am Ende nicht schafft", meint Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch-Gladbach. Auch das ist übrigens ein guter Grund, sich zusammenzuschließen. Denn angesichts von Milliardeninvestitionen, die für zukünftige Technologien aufgebracht werden müssen, verteilt sich bei solchen Kooperationen das finanzielle Risiko auf mehrere Schultern. Auch aus diesem Grund sind die beiden Konzerne offen für weitere Partner aus dem Automobil- oder Technologiebereich, die sich der Allianz anschließen wollen.

Wie kommt es, dass Google und seine Tochter Waymo die Nase so weit vorn haben?

Archiv: Selbstfahrendes Auto von Google-Schwester Waymo mit Testfahrer
Selbstfahrendes Auto mit Testfahrer
Quelle: reuters

Google ist ein Konzern, der in viel mehr Bereichen aktiv ist als allein in seinem angestammten Bereich der Internet-Suchmaschinen. So hat der Konzern schon sehr früh Roboterautos entwickelt, die teilweise oder ganz autonom Fahren konnten. Im Dezember 2011 kam heraus, dass Google nach mehreren Jahren Entwicklung in den USA ein US-Patent für die Technik zum Betrieb von autonomen Fahrzeugen bekommen hat. Zu diesem Zeitpunkt hatte Googles Testflotte nach eigener Aussage schon über 250.000 Kilometer unter wenig Einwirkung des Fahrers hinter sich - und mehr als 1.600 Kilometer ganz ohne Fahrerbeteiligung. Auch der Beförderungs-Dienstleister Uber forscht in diesem Bereich. Beide Unternehmen aber wollen am Ende keine Autos bauen, sondern die Betriebssysteme für die Roboterfahrzeuge liefern.

Wie wichtig wird in Zukunft die Software von Autos sein?

Archiv: Selbstfahrendes Auto von Google-Schwester Waymo: Display
Display eines selbstfahrenden Autos der Google-Schwester Waymo
Quelle: reuters

Sehr wichtig, meinen die meisten Beobachter. Autos werden zunehmend zu mobilen Kommunikationszentren, die nicht nur den Insassen mit Daten und Informationen versorgen, sondern über Sensoren und Datenverbindungen permanent mit der Außenwelt im Straßenverkehr kommunizieren. Entsprechend wird sich die Wertschöpfung in der Autobranche verlagern. "Wenn man eine Formel dazu ansetzen würde, würde ich sagen: Mobilität der Zukunft ist Software mal Dienstleistung hoch zwei", sagt Stefan Bratzel. Deswegen spielen in Zukunft auch für Autobauer Themen wie die Verarbeitung großer Datenmengen und künstliche Intelligenz eine zunehmende Rolle. "Das sind nun leider nicht die Kernkompetenzen der bisherigen Automobilhersteller, da müssen sie wesentlich dazu lernen".

Wie kommt es, dass die Autokonzerne erst vergleichsweise spät reagieren?

Die Branche ist vor allem hierzulande erfolgsverwöhnt. Denn im Bereich der klassischen Verbrennungsmotoren mit herkömmlicher Technik standen deutsche Autobauer jahrzehntelang an der Weltspitze. Die Zukunft aber lautet vernetztes Fahren mit alternativen Antrieben - und darauf müssen sich die Autobauer nun radikal einstellen. Möglicherweise hat man den Trend zu autonomem Fahren in der Branche zu lange unterschätzt.  "Man hatte immer noch den Fahrer am Lenkrad vor Augen, der sich ab und zu entspannen kann durch technische Assistenten", meint Stefan Bratzel. "Der Ansatz von Waymo war von vornherein ein anderer. Man hat gleich daran geforscht, ein Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale zu schaffen. Das haben die Autohersteller erst in den letzten drei oder vier Jahren in den Blick genommen - und jetzt muss man entsprechend aufholen".

Alle Infos zu den Plänen von BMW und Daimler finden Sie auch hier:

Ein autonom fahrendes Auto von BMW. Archivbild

Autonomes Fahren -
Daimler und BMW ziehen an einem Strang
 

BMW und Daimler wollen gemeinsam selbstfahrende Autos entwickeln. Der Grund ist existenziell: Alleine lassen sich die milliardenschweren Entwicklungskosten kaum stemmen.

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