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Autobauer unter Strom - BMW setzt auf "Power of Choice"

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Was treibt das Auto von morgen an? Eine Batterie, der optimierte Verbrenner, oder Plug-in-Hybride? BMW hält sich alles offen, nennt das "Power of Choice". Andere nennen es planlos.

Archiv: BMW-Fertigung in Regensburg
BMW-Fertigung in Regensburg
Quelle: DPA

Die elektrische Zukunft von BMW liegt in einem schmucklosen Funktionsgebäude am Rande eines Münchner Industriegebiets. Über die Sicherheitsbestimmungen dort kursieren die abenteuerlichsten Geschichten.

"Kompetenzzentrum Batteriezelle" heißt das Gebäude von dieser Woche an etwas sperrig. Vorstandsvorsitzender Oliver Zipse, seit Mitte August im Amt, weiht es ein. Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat sich angekündigt. Hier soll die Batteriezelle der Zukunft konstruiert werden. Herstellen werden diese dann zwar andere, Samsung zum Beispiel, aber das Know-how soll im Hause bleiben. BMW will zeigen: Wir können auch elektrisch.

Kunde erwartet "immer einen echten BMW"

Archiv: Oliver Zipse am 21.03.2017 in München
BMW-Chef Oliver Zipse
Quelle: picture alliance / SvenSimon

Als BMW-Chef Zipse vergangene Woche die neuesten Quartalszahlen kommentiert, geht es viel um "Kernkompetenz beim Premiumautomobil", um die BMW Group als globales Unternehmen, und darum, dass der Kunde "immer einen echten BMW erwarte, unabhängig vom Antrieb". Um Elektromobilität geht es nur am Rande, ganz anders als bei Volkswagen oder Tesla - das Unternehmen hat eine neue Großfabrik in Deutschland ankündigt.

Man arbeite an den Batteriezellen der kommenden Jahrzehnte. Doch lieber spricht Zipse vom Luxussegment, von der neuen 7er- und 8er-Reihe, von den bulligen SUV X3 und X4, die sehr begehrt seien, von Autos, mit denen in einem globalen Markt das echte Geld verdient wird. Nach einem neuen Kapitel der E-Mobilität klingt das nicht: Diese ist teuer und für BMW nicht ohne Risiko.

BMW i3 – leicht, teuer und Batterie zu klein

Als der Autokonzern 2013 den vollelektrischen i3 auf den Markt brachte, konnten sich die Münchner als echte Pioniere der E-Mobilität fühlen. Ein Fahrzeug, von Grund auf neu gedacht. Doch die Carbon-Karosserie war zwar leicht, aber teuer, die Batterie zu klein. Zwar verkauft sich der i3 mittlerweile recht gut, doch Gewinn konnte BMW mit dem E-Fahrzeug nicht machen. 

Was man bei den Bayerischen Motorenwerken kann, ist der klassische Verbrenner - die "ultimative driving machine" eben. Noch immer fremdeln große Teile der BMW-Ingenieure mit der E-Mobilität, nennen sich selbst liebevoll "Blechbieger". Eine aktuelle Studie, wonach Start-up-Unternehmen für E-Autos in die Krise geraten, sieht man im markanten BMW-Vierzylinder-Gebäude mit einer gewissen Genugtuung.

Power of Choice" - Kenner sprechen von "Verzögerungsstrategie

Die Strategie der Münchner Autobauer, sich auf keine Antriebsart festzulegen, hält Markus Lienkamp von der Technischen Universität  München für eine "Verzögerungsstrategie". "Es ist ein deutsches Problem", sagt der Automobilexperte, "hierzulande seien Autobahnfahrten mit hoher Geschwindigkeit der Maßstab". Doch woanders auf der Welt spiele das keine Rolle. BMW steuere mit dieser Strategie in eine schwierige Zukunft.

Und innerhalb von BMW? Während der Veränderungsprozess einigen zu schnell geht, die lieber an den bewährten Verbrennern festhalten, garniert mit etwas Plug-in, ist anderen der Fortgang zu langsam. Der von der IG Metall dominierte Betriebsrat würde sich zwar mehr E-Auto wünschen, aber vernehmbare Kritik an der Konzern-Strategie ist nicht zu hören. Die kommt von außerhalb.

Ein führender IG-Metall-Funktionär nennt den eingeschlagenen Weg von BMW hinter vorgehaltener Hand schlicht "planlos". So wird die Eröffnung des "Batteriezellen Kompetenzzentrums" von BMW ein weiterer Schritt sein, jedoch ein Schritt ohne erkennbare Richtung.

Peter Aumeier ist Redakteur im ZDF-Landesstudio München.

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