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Ein Popstar als Staatsfeind

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Ugandas Musiker Bobi Wine - Ein Popstar als Staatsfeind

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Präsident Yoweri Museveni regiert Uganda mit eiserner Faust, unterdrückt Proteste. Doch ein Ragga-Musiker namens Bobi Wine könnte ihm gefährlich werden.

Robert Kyagulanyi Ssentamu ist ein hagerer Mann mit schmalen Schultern, als Abgeordneter wirkt er fast unscheinbar. Unter seinem Künstlernamen Bobi Wine ist er jedoch schärfster Widersacher des ugandischen Präsidenten Yoweri Museveni - und bringt sich damit in Gefahr.

Im August 2018 ist der Parlamentsabgeordnete auf Wahlkampftour, als sein Fahrer erschossen wird. Auf Twitter bezichtigt Wine den Staatsapparat. Wenig später stürmen Polizisten sein Hotelzimmer, schlagen laut Wine mit Eisenstangen auf ihn ein. Er wird verhaftet, gefoltert, wegen Hochverrats angeklagt und wieder freigelassen. Schwer verletzt darf er zur medizinischen Behandlung in die USA ausreisen.

Bevor ihr Soldaten wurdet, wart ihr doch gewöhnliche Bürger.
Robert Kyagulanyi Ssentamu, ugandischer Abgeordneter

Die Repressionen des Staates haben Wine’s Popularität nicht geschadet, im Gegenteil. In seinem jüngsten Song Afande spricht der heute 37-Jährige seine Unterdücker direkt an. "Warum schlagt ihr mich", fragt er. "Bevor ihr Soldaten wurdet, wart ihr doch gewöhnliche Bürger." Und: "Ich bekämpfe euch nicht, ich kämpfe für euch." Das Musikvideo ist unterlegt mit Bildern von Soldaten, die mit Stöcken auf blutende, wehrlose Bürger eindreschen. Auf Youtube hat es eine halbe Millionen Aufrufe.

Aus dem Bad Boy wird ein politischer Aktivist  

Ragga nennt man Wines Genre, Reggae mit Einflüssen aus dem Hip-Hop. Heute ist seine Musik politisch und seine wohl schärfste Waffe gegen Museveni. Das war nicht immer so. Aufgewachsen in den Slums der Hauptstadt Kampala, pflegte Wine lange sein Image als erfolgreicher Bad Boy, seine Texte handelten hauptsächlich vom ausschweifenden Nachtleben. 2014 musste er Konzerte in Großbritannien absagen - ihm wurde die Einreise verwehrt, eine Petition gegen homophobe Textpassagen Wines war erfolgreich.

Bobi Wine in seinem Haus in Kampala
"Wir bringen den Anstand und die Disziplin mit, diese schönen Ideen umzusetzen, über die nur geredet wurde und die dann in der Schublade verschwunden sind", sagt Bobi Wine im ZDF-Interview.
Quelle: Stanley Orario

Aus den Feiersongs wurden immer ausdrücklichere Protestsongs gegen Musevenis Regime. Doch erst die Wahl 2016 habe Wine zu einem wirklich politischen Akteur gemacht. "Die ganze Welt hat gesehen, wie unsere Wahlen völlig offensichtlich manipuliert wurden.

Das Militär war auf den Straßen, dem Volk wurde buchstäblich ins Gesicht geschlagen und die Ugander haben gemerkt, dass sie keine Rechte haben", erzählt er im ZDF-Interview. "Also sagte ich mir: Jetzt ist die Zeit einzugreifen und nicht länger nur Zuschauer zu sein." Präsident Museveni hatte die Wahl mit 61 Prozent der Stimmen gewonnen, Beobachter berichteten von Unregelmäßigkeiten, Oppositionsführer Kizza Besigye saß im Hausarrest, als das Ergebnis verkündet wurde.

Präsident Museveni klammert sich an die Macht

Yoweri Museveni, Präsident von Uganda, aufgenommen am 22.05.2019
Robert Kyagulanyi Ssentamu erhebt schwere Vorwürfe gegen Yoweri Museveni, den Präsidenten von Uganda.
Quelle: dpa

Museveni war einer der Rebellenführer, die 1986 Ugandas Hauptstadt Kampala eroberten und dem Terror im Land ein Ende setzten. Als er sich zum Präsidenten ausrief, galt er als Hoffnungsträger und versprach seine Amtsgeschäfte rechtzeitig zu übergeben. Das war vor 33 Jahren. Der mittlerweile 74-jährige Museveni ließ die Verfassung ändern, sodass er theoretisch bis an sein Lebensende regieren darf. Bobi Wine bringt all das in Gefahr.

Seit 2017 sitzt er als Abgeordneter im Parlament, in zwei Jahren sind Präsidentschaftswahlen. Die jüngsten Umfragen sehen Präsident Moseveni bei 32 Prozent der Stimmen, den möglichen Herausforderer Wine bei 22 Prozent. Das zeige, dass 68 Prozent der Ugander genug hätten von der Unterdrückung, sagt dieser. "Ich glaube, dass Museveni vor 2021 gestürzt werden kann - je früher er geht, desto besser für Uganda."

Wine will alte Ideen wiederbeleben

Doch was käme nach Museveni, der mit seiner autoritären Herrschaft zwar Unterdrückung, aber auch Stabilität gebracht hat? Inhaltlich würde Wine nicht viel anders machen. "Ich würde nicht sagen, dass wir neue Ideen mitbringen. Wir bringen den Anstand und die Disziplin mit, diese schönen Ideen umzusetzen, über die nur geredet wurde und die dann in der Schublade verschwunden sind."

Mit dem alten Regime sei das unmöglich. "Hier funktioniert keine einzige Institution, nicht die Legislative, nicht die Judikative", klagt Wine. "Und warum? Weil die Herrscher keine Rechenschaft vor dem Volk ablegen müssen. So wird weder die grassierende Korruption, noch die Polizeigewalt hinterfragt."

Hier funktioniert keine einzige Institution, nicht die Legislative, nicht die Judikative.
Robert Kyagulanyi Ssentamu, ugandischer Abgeordneter

Museveni weiß, dass dies keine leeren Phrasen mehr sind. Immer wieder lässt er Wines Konzerte absagen, im April wurde dieser erneut festgenommen. Hunderte seiner Anhänger protestierten, die Polizei setzte Tränengas und scharfe Munition ein. Drei Tage nach seiner Festnahme wurde der Sänger gegen eine Kaution freigelassen. Bis zur Wahl 2021 wird sich zeigen, was mächtiger ist, die Musik als politisches Sprachrohr oder die eiserne Faust des Staates.  

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