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2020 kommt "das große Seitwärts"

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Börsen-Ausblick - 2020 kommt "das große Seitwärts"

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Es war ein gutes Börsenjahr 2019 mit neuen Höchstständen für viele Aktien. Für das neue Jahr sind die Experten nur verhalten optimistisch.

Archiv: Der Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse am 28.12.2018
Der Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse
Quelle: DPA

Für Gertrud Traud ist die Finanzwelt ein Melodram. Die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) stellt ihre Ausblicke stets unter ein Motto und liegt damit oft richtig. Für 2019 hatte sie das Szenario eines Fitness-Studios entworfen. Tatsächlich gelang mit einiger Kraftanstrengung ein deutlicher Zuwachs fast aller Anlageklassen.

Die Politik mischt weiter mit

Die Geldpolitik bleibt locker, verliert aber an Wirkung.
Jens Wilhelm, Vorstand bei Union Investment

Und 2020? "Ist das Ertragspotenzial überschaubar", sagt Traud. Handelskrieg und Brexit bleiben dabei beherrschende Faktoren. Die Politik mischt also in dem Melodram immer noch gehörig mit. Außerdem nutzen sich andere Faktoren ab. "Die Geldpolitik bleibt locker, verliert aber an Wirkung", erklärt Jens Wilhelm, Vorstand bei der Fondsgesellschaft Union Investment.

Generell erwarten Ökonomen "das große Seitwärts", also eine stagnierende Konjunktur, allenfalls "unaufgeregtes Wachstum", wie Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank, es nennt.

Wir können uns keine Rezession leisten.
Ulrich Kater

Für Sparer bleibt das Dilemma. Seit zehn Jahren müssen sie mit negativen realen Zinsen leben, das ist der Zins, der übrig bleibt, wenn man von den Sparzinsen die Inflationsrate abzieht.

Konjunkturpakete könnten Wachstum schüren

Kein amtierender US-Präsident wurde in einem Rezessionsjahr wiedergewählt.
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka-Bank

Angesichts der Konjunkturlage gehen Beobachter davon aus, dass die Politik versuchen wird, die Wirtschaft zu stimulieren. Japan hat Anfang Dezember 2019 ein milliardenschweres Konjunkturpaket auf den Weg gebracht. Von den USA könnte ein ebensolches kommen. Denn eine Rezession können sich auch die USA nicht leisten. "Kein amtierender US-Präsident wurde in einem Rezessionsjahr wiedergewählt", erklärt Ulrich Kater. Donald Trump sollte an einer gesunden Wirtschaft gelegen sein.

Den Dax sehen die Experten in etwa auf dem Niveau, auf dem er jetzt schon steht. Wobei ein heftiges Auf und Ab nicht ausgeschlossen ist. Die höchsten Kurse sollten - wenn denn die Einschätzungen stimmen - Mitte des Jahres zu sehen sein, vielleicht sogar oberhalb der Marke von 14.000 Punkten.

Deutschland bleibt exportabhängig

"Dabei kommt es vor allen Dingen darauf an, dass der Vormarsch des Protektionismus gestoppt wird", sagt Gertrud Traud. Die deutsche Wirtschaft ist nun einmal stark vom Export abhängig und damit abhängig von der Weltwirtschaft. So gehen drei von vier in Deutschland produzierten Autos ins Ausland.

Auch wenn die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) weniger stark wirkt, weist ihr Gertrud Traud eine zentrale Rolle im Melodram zu: "Christine Lagarde schwingt den Taktstock." Am Anfang sind kaum geldpolitische Maßnahmen der neuen EZB-Chefin zu erwarten. Lagardes Vorgänger Mario Draghi hat sein Feld bestellt und den Takt weitgehend vorgegeben.

So war das Börsenjahr 2019

Auf die Auswahl kommt es an

Selektion und Aktivität sind Schlüsselfaktoren für den Anlageerfolg 2020.
Jens Wilhelm, Vorstand von Union Investment

Eine stagnierende Wirtschaft, gepaart mit stagnierenden Aktien- und Anleihekursen deuten darauf hin, dass es für Anleger noch schwerer wird, die richtige Wahl zu treffen. "Selektion und Aktivität sind Schlüsselfaktoren für den Anlageerfolg 2020", resümiert Jens Wilhelm. Der Vorstand von Union Investment sieht dabei vor allem große Namen vorn.

Und wenn das Melodram nicht gut ausgeht, wird es nach Gertrud Trauds Szenario zur Tragödie, in der die Wirtschaft in eine Rezession rutscht und Aktien ins Trudeln geraten. Doch dafür sieht Traud nur eine Eintrittswahrscheinlichkeit von zehn Prozent. Anders als viele Untergangspropheten, die den großen Crash vorhersehen. "Extreme Prognosen sind immer interessant", sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer dazu. "Aber mit Blick auf das kommende Jahr liegt die Wahrheit eher in der Mitte."

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