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Amazonas-Regenwald brennt - Bolsonaro will Armee gegen Brände einsetzen

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Die Welt blickt besorgt auf die verheerenden Brände in Brasilien. Der internationale Druck auf Präsident Bolsonaro wächst. Er will nun die Armee zur Bekämpfung der Feuer einsetzen.

Die verheerenden Brände im Amazonas sollen Thema beim anstehenden G7-Gipfel werden, so Frankreichs Präsident Macron. Für Brasiliens Präsident Bolsonaro ein Affront.

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International sorgen sich Politiker angesichts der verheerenden Brände um die Zukunft des brasilianischen Regenwaldes. Frankreichs Präsident Macron will das Thema beim G7-Gipfel auf die Agenda heben. Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro verbittet sich jedoch jegliche Einmischung von außen. Der Druck auf den Regierungschef steigt allerdings.

Nun will er die Flammen mit Hilfe der Armee unter Kontrolle bringen. Eine Entscheidung dazu werde es bald geben, kündigte Bolsonaro in Brasilia vor Journalisten an. Zudem verpflichtete er nach einer Krisensitzung alle Ministerien dazu, Maßnahmen zur Bekämpfung der Waldbrände zu ergreifen. Ziel sei die "Erhaltung und Verteidigung des Regenwaldes im Amazonasgebiet, unseres nationalen Erbes", hieß es in der Anordnung.

Infografik: Die Karte zeigt die Konzentration von Aerosolen in der Atmosphäre über dem von Waldbränden betroffenen Gebiet im Amazonas, aufgenommen  am 20.08.2019
Waldbrände im Amazonasgebiet
Quelle: dpa/atmosphere monitoring service

Bolsonaro kritisiert Macron: "Koloniales Gehabe"

Zugleich verurteilte Bolsonaro den Vorstoß der französischen Regierung, die Brände beim G7-Gipfel ab Samstag in Biarritz zu diskutieren, als "koloniales Gehabe". "Unser Haus brennt", hatte Macron auf Twitter geschrieben. Bei den Bränden in Brasilien handele sich um eine "internationale Krise", denn der Amazonas-Regenwald produziere 20 Prozent des weltweiten Sauerstoffs. Bolsonaro sagte, es sei "schamlos", wenn ein ausländischer Staatschef von "unserem Amazonas" spreche.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar wurden bereits rund 75.000 Brandherde im Amazonas-Gebiet gezählt, etwa 84 Prozent mehr als im Vorjahr; dies hat weltweite Besorgnis ausgelöst.

Brasiliens Agrarlobby befürchtet angesichts der Brände Sanktionen. So würden Handelspartner Brasiliens Umweltprobleme als Vorwand nehmen, um die Konkurrenz aus Südamerika vom Weltmarkt auszuschließen. Agrarverbände zeigen sich zudem unzufrieden mit dem aggressiven Ton, mit dem Präsident Bolsonaro auf Kritik aus dem Ausland reagiert. Man müsse den Handelspartnern die Situation erklären, anstatt auf Konfrontation zu gehen.

EU-Länder drohen mit Blockade von Handelsabkommen

Irland droht unterdessen mit einer Blockade des EU-Handelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten, wenn Brasilien den Regenwald am Amazonas nicht besser schützt. Ministerpräsident Leo Varadkar sei sehr besorgt über das rekordträchtige Ausmaß der Regenwald-Zerstörung, berichtete der "Irish Independent" unter Berufung auf Aussagen des Regierungschefs.

Auch Frankreich droht mit einer Blockade des EU-Handelsabkommens mit den Mercosur-Staaten. Finnland brachte ein Einfuhrverbot für brasilianisches Rindfleisch in die EU ins Gespräch.

Kanzlerin Angela Merkel unterstützt Macrons Plan, die Brände beim G7-Gipfel auf die Agenda zu setzen. Das Ausmaß der Brände sei mittlerweile "erschreckend und bedrohlich", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Das Feuer habe nicht nur Folgen für die betroffenen Länder, sondern den gesamten Globus. Es sei nicht übertrieben, das Amazonas-Gebiet mit Blick auf das Klima und den Artenschutz als "Grüne Lunge der Welt" zu bezeichnen.

Brasiliens Umweltminister: Rettungsaufrufe sind "Umweltheuchelei"

Brasiliens Außenminister Ernesto Araujo bezeichnete die weltweiten Aufrufe zur Rettung des Amazonas-Gebiet derweil als "Umwelt-Heuchelei". Angesichts der wachsenden Bedeutung seines Landes versuche das Ausland mit Fake-News-Kampagnen, Brasilien "klein zu halten", so der Diplomat. Araujo hatte mehrfach die Existenz des Klimawandels geleugnet. Dieser sei von Marxisten erfunden worden, um der Christenheit den Fleischkonsum zu verbieten und den Aufstieg Chinas zu fördern.

Karte: Waldbrände im Amazonas-Regenwald
Karte: Waldbrände im Amazonas-Regenwald
Quelle: ZDF
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