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Kassenbonpflicht - Den Bon, bitte!

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Seit Beginn des Jahres müssen Geschäfte einen Kassenbon ausstellen. Handwerk, Einzelhandel und auch Kunden nervt die neue Regel. Aber es gibt gute Gründe dafür.

Kassenbons (Symbolbild).
Allem Unmut zum Trotz: Seit Neujahr gilt in Deutschland die "Belegausgabepflicht".
Quelle: Andrea Warnecke/dpa-tmn/dpa

Beim Bäcker, Friseur oder Metzger gibt es seit Neujahr bei jedem Einkauf einen Kassenbon. Seitdem gilt die "Belegausgabepflicht", die Teil des "Kassengesetzes" ist. Es besagt, dass Geschäfte des Einzelhandels, die ein elektronisches Kassensystem haben, verpflichtet sind, einen Beleg zu drucken.

Händler kritisieren die neue Regel, weil sie für sie mehr Aufwand bedeutet, und auch Kunden sind genervt. Allem Unmut zum Trotz: Die Bonpflicht gilt. Aber was spricht eigentlich dafür?

1. Eine Maßnahme im Kampf gegen Steuerbetrug

Die Bonpflicht ist Teil einer Maßnahme gegen Steuerbetrug, die Ende 2016 verabschiedet wurde. Der Staat verliert jährlich hohe Summen, weil Händler ihre Umsätze mit manipulierten Kassen, Schummelsoftware oder fingierten Rechnungen nicht oder falsch erfassen - vor allem in der Gastronomie und in anderen Branchen mit hohem Bargeldanteil. Nach Schätzungen der Steuergewerkschaft gehen dem Fiskus pro Jahr durch Steuerbetrug mindestens zehn Milliarden Euro verloren.

Dem entgegenzuwirken, indem nur die Kassensysteme die Beträge erfassen, reicht laut Finanzministerium nicht aus. Mit den gedruckten Bons sind Einkäufe nachvollziehbar. Sie können mit den Aufzeichnungen des Kassensystems verglichen und so eine mögliche Manipulation festgestellt werden.

2. Die Bonpflicht wirkt

Im Kampf gegen Steuerbetrug ist eine Bonpflicht bereits in anderen europäischen Ländern eine bewährte Methode. Unter anderen in Österreich, Italien, Portugal, Schweden, Slowenien und der Tschechischen Republik sollen sie Transparenz schaffen und sicherstellen, dass Mehrwertsteuer gezahlt wird.

Und sie wirkt, sagt Christoph Schalast, Professor an der Frankfurt School of Finance. "Mit der Einführung der Kassenbonpflicht hat sich die Steuergerechtigkeit in Ländern wie Italien seit 1987 verbessert", so Schalast. Dort waren Kunden zu Beginn sogar gezwungen, ihren Beleg mitzunehmen. In Deutschland ist das nicht der Fall. Der Händler ist zwar verpflichtet einen Beleg auszuhändigen, der Kunde aber nicht, ihn auch mitzunehmen.

3. Der Kunde kann selbst prüfen

Aus Sicht der Kunden bedeuten die Bons häufig vor allem Müll, der erstmal zerknüllt in den Hosentaschen oder im Geldbeutel verschwindet. Aber sie bedeuten auch mehr Transparenz.

"Steuerhinterziehung ist kein Kavaliersdelikt", sagt Roland Ketel vom Fachverband für Kassen- und Abrechnungssystemtechnik. Und so könne auch der Kunde sofort prüfen, ob die von ihm gezahlten Beträge vom Händler ordentlich verbucht wurden. Das ginge alle Bürger etwas an, so Ketel.

4. Es gibt praktische Alternativen

Nicht zwingend muss der Kassenbon gedruckt werden. Es ist nur eine Möglichkeit, wie ein Beleg an den Kunden ausgehändigt werden kann. Er kann auch per Mail oder auf das Smartphone geschickt wird. Das vermeidet Müll.

Zudem hat der digitale Kassenbon den Vorteil, dass bei größeren Beträgen und Einkäufen mit Garantiezusage der Beleg nicht mehr abgeheftet werden muss. Die digitale Version kann bequem auf dem Smartphone, Computer oder in der Cloud gespeichert werden.

5. Doch kein so großes Umweltproblem

Bei der Diskussion um die Bonpflicht ist vor allem der Müll und die damit verbundene Umweltbelastung Thema. Umweltverbände kritisieren, dass die Bons in der Regel auf umweltschädliches Thermopapier gedruckt werden. Laut BUND schaden diese auch der Gesundheit. Ab diesem Jahr darf solches Papier, das mit dem hormonell wirksamen Bisphenol A beschichtet ist, aber nicht mehr verwendet werden. Händler müssen auf alternatives Papier drucken.

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