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Boom in Städten - Fast überrollt vom Erfolg der Mieträder

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Der Leihrad-Markt floriert so sehr, dass es in deutschen Großstädten neue Konzepte braucht, um Ärger zu vermeiden. Denn: Der "Bike"-Boom beginnt erst richtig.

Leihfahrräder in Frankfurt
Leihfahrräder in Frankfurt
Quelle: dpa

Einige Tausend Leihräder von Call-a-Bike, Nextbike, Obike und Bike rollen längst durch Frankfurt - nun kommen noch circa 300 limettengrüne Mieträder des amerikanischen Anbieters LimeBike hinzu. Insgesamt hat sich die Zahl der Leihräder in der Main-Metropole binnen kurzer Zeit mehr als verdoppelt. Und auch in anderen Großstädten hält der Trend zur umweltfreundlichen Auto-Alternative an. Der Markt boomt.

Wenn Freude über Leihräder in Ärger umschlägt

Viele feinstaubgeplagte Städter sehen das mit Freude. Gleichzeitig sind die Verkehrsbeauftragten der Kommunen gefragt. Der Grund: Anders als bei den stationsbasierten Leihradsystemen etwa von Call-a-Bike können die Räder der Konkurrenz mit ihrem "Freefloating"-Modell überall im öffentlichen Raum abgestellt werden. Die Folge: Sie stehen mitunter auch auf Gehwegen, vor Zebrastreifen, in Parks oder auf Blindenleitstreifen.

In Frankfurt etwa kritisieren Bürger eine "ärgerliche Überflutung der Innenstadt mit Leihfahrrädern". In Foren heißt es: "Die Fahrräder stellen alle Wege und Plätze zu!" Ein User beklagt: "Um auf Bürgersteigen durch manche Engstellen zu kommen, musste ich teilweise ein halbes Dutzend Leihräder wegräumen." Und eine Lokalzeitung berichtete jüngst gar: "Frankfurts Innenstadt erstickt an Drahteseln."

Maßnahmenkatalog soll Konflikte künftig verhindern

Das mag übergespitzt formuliert sein, die Probleme haben die Stadt aber dazu veranlasst, in einem Merkblatt Regeln zu formulieren, um künftig "untragbare Zustände" zu vermeiden, die Verkehrsdezernent Klaus Oesterling zuletzt an manchen Stellen der Innenstadt beobachtet hat. So sollen falsch abgestellte Leihräder demnächst nach 24 Stunden kostenpflichtig abgeschleppt werden.

Oesterling will damit Konflikte vermeiden, wie es sie im vergangenen Jahr in München gegeben hat, als Obike aus Singapur mit einem Schlag fast 7.000 Mieträder in die Stadt brachte. Der Protest über wild abgestellte Leihräder schlug vielfach in Vandalismus um. Um ihr Geschäftsmodell nicht zu gefährden, bemühen sich die Leihrad-Anbieter aber inzwischen verstärkt um Kooperation mit den Städten.

Boni für Leihradfahrer

Den Service-Teams der Anbieter hilft mit dem so genannten "Geofencing"-System auch moderne GPS-Technik, um Räder zu orten. Sind die an unerlaubten Orten abgestellt, können sie von Mitarbeitern umgeparkt werden, etwa in  "Abstellzonen", die von den Anbietern in Absprache mit den Kommunen eingerichtet worden sind.

Um die Kontrollkosten gering zu halten, setzt man in Wien zudem auf positive Anreize: Radfahrer können dort mithilfe einer App Abstellplätze erkennen und erhalten einen Bonus, wenn sie ihr Rad dort parken.

"Enormes Wachstumspotenzial" im Mietrad-Markt

Neben solchen Anreizen braucht es dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) zufolge in allen deutschen Großstädten einen kräftigen Ausbau der Leihrad-Abstellzonen. Denn im Markt gebe es "enormes Wachstumspotenzial", sagt ADFC-Sprecherin Stephanie Krone.

Kommunale Verkehrsbeauftragte sehen das ähnlich und verweisen auf eine Studie des New Yorker "Institute for Transportation and Developement Policy" (ITDP), die für dicht besiedelte Städte pro Quadratkilometer circa zehn Leihräder empfiehlt. Für Berlin würde das etwa 100.000 solcher Räder bedeuten - aktuell sind es weniger als 10.000.

Leihräder fast an jeder Ecke: Vorbilder Paris und Niederlande

"Im Idealfall kommen die Leute aus dem Haus oder Bahnhof und sehen direkt ein Leihrad stehen, das sie einfach nutzen können", sagt Stephanie Krone. Dafür brauche es ein dichtes Netz von Leihradstationen und reservierten Abstellplätzen. "Die muss es im Prinzip an fast jeder Ecke geben", so Krone. Als großes Vorbild gilt Paris. Etwa 20.000 Leihräder gibt es in der französischen Hauptstadt und gut 1.250 Leihstationen. Dazu Räder für jeden Bedarf: neben Kinderrädern auch Lastenvelos.

Auch das niederländische Modell ist wegweisend: Dort sind landesweit Tickets für Leihräder mit dem Öffentlichen Nahverkehr kombiniert. "Wir wünschen uns das auch in Deutschland", so Krone. Insgesamt sieht sie auf dem hiesigen Markt "noch enorm viel Luft nach oben". Leihräder für Kinder wie in Paris etwa gebe es noch in keiner deutschen Stadt.

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