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Botsuana - Wie Phönix aus der Asche

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Botsuana gehörte einst zu den ärmsten Ländern der Welt. Heute reist Bundespräsident Steinmeier dorthin - in einen prosperierenden Staat. Wie hat Botsuana den Aufstieg geschafft?

Lokale Arbeiter stehen in der Nähe einer Baustelle des Central Business District in der Hauptstadt Gaborone
Moderne Hochhäuser hinter einfachen Hütten: Botsuana hat einen wirtschaftlichen Aufstieg hinter sich.
Quelle: Reuters

Keine Bürgerkriege. Keine Regierungsstürze. Keine ethnischen und politischen Unruhen. Botsuana gilt als Oase der Demokratie in Afrika. Die Staatsform ist eine Republik, in der die Präsidenten bis zu zehn Jahre amtieren. Die ehemals britische Kolonie hat sich zudem in den vergangenen Jahren von einem der ärmsten Länder der Welt ins solide wirtschaftliche Mittelfeld katapultiert. Zu gut, um wahr zu sein?

"Es ist schön, dass es solche guten Geschichten noch gibt. Die erzählen wir viel zu wenig, glaube ich", erklärt Malte Brosig, Professor für Internationale Beziehungen an der University of the Witwatersrand in Johannesburg. Dass Botsuana aus der Armut gekommen ist, liegt seiner Meinung nach an einer Reihe von Faktoren: "Einer der wichtigsten ist, dass es über einen langen Zeitraum eine stabile und demokratische Regierung gibt." Die gute Entwicklung lässt sich auch auf die Bodenschätze - Diamanten - zurückführen: "Viele afrikanische Länder sind ressourcenreich, und durch schlechte Regierungen kommt es dann zu vielen Konflikten und der Reichtum verpufft sehr schnell. Das ist in Botsuana nicht der Fall", fügt Brosig, der seit zehn Jahren in Südafrika lebt und arbeitet, an. Es gebe zwar Korruption, aber nicht im ausbeuterischen Maß, wie in anderen afrikanischen Ländern: "Das Politische und Wirtschaftliche hat sich gegenseitig so befruchtet, dass es zu einer Aufwärtsspirale kam."

Diamanten, Viehhaltung, Tourismus

Den Status als "reicheres Land" hat Botsuana schon länger inne. "Es war jahrzehntelang sogar das Land mit den höchsten Wachstumsraten weltweit", weiß Matthias Basedau, Direktor des Giga-Instituts für Afrika-Studien in Hamburg. Es gibt laut Basedau auch die Meinung, dass das wirtschaftliche Wachstum ein bisschen Glück war, "weil die Diamanten erst nach der Unabhängigkeit des Landes 1966 entdeckt wurden." So hatte die Kolonialmacht keinen Zugriff mehr darauf.

"Die botsuanische Wirtschaft beruht auf drei Pfeilern: Diamanten, Viehhaltung und hochpreisiger Tourismus", sagt Basedau. Der Tourismus findet vor allem im Okavango-Delta, das im Norden des Landes ist, sowie der Kalahari-Halbwüste, statt. Natürliche Ressourcen sind endlich. So auch die Diamanten, von denen die botsuanische Wirtschaft derzeit noch abhängig ist. "Ich weiß nicht, wie lange das noch anhält", erklärt Basedau. Das Land wird dadurch vor eine neue Herausforderung gestellt. "Botsuana hat immer mal wieder versucht, die Einnahmequellen zu diversifizieren, aber ist damit auch gescheitert", fügt Basedau an. Als Beispiel nennt er die Hyundai-Autofabrik in der Hauptstadt Gaborone, die nach einigen Jahren geschlossen wurde. "Es ist aus volkswirtschaftlicher Sicht schwierig, wenn man einmal von einer bestimmten Ressource abhängig ist, sich von dieser zu befreien", gibt Basedau zu bedenken. Für das Land spricht jedoch, dass es keine Schulden hat, sondern dem Internationalen Währungsfond (IWF) sogar Geld zuführt.

"Besser als manche europäischen Länder"

Beim weltweiten Korruptionsindex steht Botsuana auch ziemlich gut da - es belegte 2017 Platz 34, noch vor Spanien, Italien und Griechenland. "Besser als manche europäischen Länder, auch westeuropäische Länder", erklärt Basedau. Das ist sehr bemerkenswert und zeigt, dass die positiven Entwicklungen wirklich möglich sind.

Schwierig ist die anhaltende Aids-Problematik, auch wenn sie schon deutlich besser geworden ist. Rund 18 Prozent der Bevölkerung sind derzeit mit dem HI-Virus infiziert. Gerade im südlichen Afrika sind die Ansteckungsraten auch heute noch sehr hoch. "Wenn die Leute zwischen 25 und 50 am produktivsten sind und dann auf Medikamente angewiesen sind, ist es für die Wirtschaft problematisch", weiß Brosig. Die Lebenserwartung liegt deshalb auch im Vergleich zu Nordafrika noch bei rund 20 Jahren weniger. Der Hochschuldozent aus Johannesburg sieht aber einen positiven Trend. Denn die Versorgung mit Medikamenten wird besser und günstiger.

Große und kleine Flusspferde im Okavango-Delta
Flusspferd mit Nachwuchs im Okavango-Delta: Botusana lebt auch von hochpreisigem Tourismus.
Quelle: ZDF/Oliver Roetz

Was auch für das Land spricht: Es gibt so gut wie keine gewalttätigen Konflikte. Beim Weltfriedensindex belegt Botsuana mit 27 Punkten einen der vorderen Plätze. Deutschland zum Beispiel hat 16 Punkte. Der Weltfriedensindex ist der Versuch, die Friedfertigkeit von Nationen und Regionen anhand verschiedener Messmarken wie der Zahl der geführten Kriege im In- und Ausland, die Zahl der Mordopfer sowie die politische Stabilität festzustellen. Die friedlichsten Länder haben dabei eine niedrige Punktezahl.

Höhere Lebensstandards als in Südafrika

Auf dem Index der menschlichen Entwicklung der Vereinten Nationen, der ein Wohlstandsindikator für Staaten darstellt, liegt Botsuana (Stand 2017) auf Platz 101, was gleichzusetzen mit einer hohen menschlichen Entwicklung ist. Es ist damit deutlich vor den beiden afrikanischen Wirtschaftsmächten Südafrika (113) und Nigeria (157). "Das schaffen sehr wenige afrikanische Länder, den Ressourcen-Reichtum umzusetzen in höhere und bessere Lebensstandards für die allgemeine Bevölkerung", betont Brosig. Botsuana ist seiner Meinung nach da zumindest auf dem richtigen Weg. Doch er gibt jedoch zu bedenken, dass es keine Garantie für die Zukunft gibt: "Nur weil es jetzt sehr gut läuft, bedeutet es nicht, dass in naher Zukunft nicht auch irgendwelche Populisten oder andere radikale Gruppen geben könnte, die versuchen könnten, das Land zu destabilisieren." Stand jetzt zählt Botsuana zu den progressiveren Ländern und es bleibt abzuwarten, wie sich das Land weiterentwickelt. Vor allem in Bezug auf die wirtschaftliche Abhängigkeit von der Diamanten-Förderung.

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