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Brände, Schäden, Unfälle - Müssen Windräder besser kontrolliert werden?

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Unfälle und Schäden an Windrädern will der TÜV in Zukunft verhindern - und fordert deshalb bessere Sicherheitskontrollen. Der Bundesverband Windenergie sieht jedoch keine Gefahr.

Ein riesiges Rotorblatt eines Windrades ist in Rheinland-Pfalz auf ein Feld gestürzt, die Ursache ist noch unklar. Zwar soll es regelmäßige Kontrollen gegeben haben, doch bundesweit einheitliche Prüfungsstandards für Windkraftanlagen gibt es bisher nicht.

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"Ich denke immer, das sieht so traurig aus", sagt eine Frau mit Blick auf das Windrad, das nur noch zwei Rotorblätter hat und still im Windpark Gau-Bickelheim steht. Es fällt auf, weil es ein anderes Bild in die Luft zeichnet als die vielen anderen Windräder im rheinhessischen Hügelland. Die zwei Rotorblätter hängen nach unten. Das dritte Rotorblatt ist am 10. Dezember letzten Jahres abgerissen und 145 Meter tief auf den Boden gestürzt. Mit großer Wucht krachte es knapp neben einem Wirtschaftsweg auf den Acker.

Ein mulmiges Gefühl

Friedrich Janz, der Bürgermeister von Gau-Bickelheim, war an diesem Morgen mit seinem Hund spazieren und hat schon von weitem gesehen, dass mit dem Windrad etwas nicht stimmt. "Zunächst war ich verwundert", erzählt er, "dann kam Erschrecken dazu, weil man nicht wusste: Ist jemandem was passiert?" Das abgestürzte 53 Meter lange und 10 Tonnen schwere Rotorblatt hätte Menschen schwer verletzen können. Das ist an diesem Tag zum Glück nicht passiert, das Risiko aber ist deutlich geworden.

Zuvor haben viele in Gau-Bickelheim sich einfach nur geärgert, dass ihnen der Windpark vor die Nase gesetzt worden ist, mitten in die Weinberge. "Das verschandelt unsere schöne rheinhessische Landschaft", meint der Bürgermeister. Seit dem Unfall komme noch ein Gefühl von Gefahr dazu: "Ich weiß von vielen Winzern und Landwirten, die in der Nähe der Windräder ihre Äcker und Weinberge bewirtschaften müssen, dass sie jetzt mit einem unguten oder mulmigen Gefühl in die Nähe dieser Anlagen gehen."

TÜV fordert bessere Kontrollen

30.000 Windräder stehen in Deutschland. Immer wieder kommt es zu Bränden, umgeknickten Masten oder abgerissenen Bauteilen, doch es gibt keine bundesweite Statistik darüber, wie viele Havarien es tatsächlich sind. Zwischen fünf und sechzehn größere Schäden pro Jahr zählt der Bundesverband Windenergie. Der TÜV-Verband kommt auf eine deutlich höhere Zahl, auf etwa fünfzig gravierende Zwischenfälle pro Jahr. Joachim Bühler, Geschäftsführer des TÜV-Verbandes, sieht darin "ein Risiko für Menschen und Umwelt".

Infografik: Anzahl der Windräder in Deutschland
Infografik: Anzahl der Windräder in Deutschland
Quelle: ZDF/Deutsche WindGuard

Der TÜV-Verband fordert nun eine bundesweit einheitliche Sicherheitsprüfung. Alle Windräder sollen alle zwei Jahre von einer zentralen, unabhängigen Organisation geprüft werden. Die derzeitige Regelung hält Joachim Bühler für unzureichend: "Von den 30.000 Windenergieanlagen in Deutschland ist circa die Hälfte vor 2004 errichtet worden und Regelungen von 2004 und davor sehen überhaupt keine bundeseinheitlichen Prüfvorschriften vor. Für die 15.000 Anlagen die nach 2004 errichtet worden sind, gibt es Prüfintervalle, die sind aber ausdehnbar bis zu vier Jahre und das ist aus unserer Sicht deutlich zu lang."

Windbranche sieht keine Gefahr

Der Bundesverband Windenergie hingegen lobt die bestehende "Prüfarchitektur" und weist die Forderung des TÜV zurück: "Die heutigen Prüfungen haben dazu beigetragen, dass wir 98 Prozent technische Verfügbarkeit der Anlagen haben. Das ist ein weltweiter Spitzenwert und darauf sollte man auch einmal stolz sein." Geschäftsführer Wolfram Axthelm unterstellt dem TÜV-Verband, vor allem aus Eigennutz neue Prüfungen zu fordern: "Wenn der Verband der TÜVs eine solche Forderung aufbaut, hat das etwas mit wirtschaftlichen Gründen zu tun. Er möchte nämlich selber für seine Mitgliedsverbände diese Prüfungen übernehmen."

Die Frage, was er den verunsicherten Bauern und Winzern in Gau-Bickelheim sagt, beantwortet Wolfram Axthelm technisch. Windkraftanlagen seien immer weit weg von Wohnbebauung und menschlichen Infrastrukturen platziert, "so dass die Gefahr, dass dort etwas passiert, vernachlässigungsfähig ist." Axthelm schließt gar aus, dass Menschen durch havarierte Windräder zu Schaden kommen: "Es hat noch nie einen Personenschaden gegeben - wir sind uns sicher, dass das auch in Zukunft nicht passieren wird."

Zum Unfall in Gau-Bickelheim ist ein Gutachten in Arbeit. Erstes Zwischenergebnis: Ein Blattlager war defekt. Bis zur Klärung, um was für einen Defekt es sich handelt, bleiben alle anderen baugleichen Anlagen im Windpark vorsorglich stillgelegt.

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