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"Ich hatte Mitleid mit dem Dombaumeister"

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Dombaumeisterin von Speyer - "Ich hatte Mitleid mit dem Dombaumeister"

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Nicht nur die architektonischen Schäden an der berühmten Kathedrale sind immens. Im heute.de-Interview spricht Dombaumeisterin Hedwig Drabik auch über den emotionalen Schmerz.

Notre-Dame in Flammen.
Dieser Anblick schockierte am Vorabend viele Pariser: Die Notre-Dame in Flammen.
Quelle: Christian Böhmer/dpa

heute.de: Auf den Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame reagierten weltweit viele Menschen schockiert und traurig. Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen, als Sie die ersten Bilder der brennenden Kirche gesehen haben?

Hedwig Drabik: Meine Schwester hat mich gestern benachrichtigt und ich konnte es anfangs gar nicht fassen, was da geschieht. Der lichterloh brennende Dachstuhl und der Turmeinsturz - da ging ein richtiger Aufschrei durch die Menge. Das alles hat mich auch erschüttert. Ich hatte Mitleid mit dem Dombaumeister von Notre-Dame: Wenn er sieht, wie sein Kind brennt, das muss furchtbar für ihn sein.

heute.de: Sein Kind?

Drabik: Naja, im übertragenen Sinn. Wenn man sich als Architekt um so eine Kirche kümmert, sie erhält und mitaufbaut, dann entwickelt sich schon eine tiefe emotionale Verbindung. Und das geht nicht nur ihm so. Schauen Sie, wie viele Franzosen weinend vor der Kirche standen und sich in den Armen hielten. Das ist für die Menschen nicht irgendein Gebäude, es hängen sehr viele Emotionen daran. Notre-Dame ist eben das Wahrzeichen der Stadt - mehr noch als der Eiffelturm. 

heute.de: Lässt sich der entstandene Schaden für Sie als Dombaumeisterin in etwa abschätzen?

Ich hatte Mitleid mit dem Dombaumeister von Notre-Dame: Wenn er sieht, wie sein Kind brennt, das muss furchtbar für ihn sein.
Hedwig Drabik, Dombaumeisterin Speyer

Drabik: Das ist schwer, aber wir haben ja gesehen, dass der gesamte Dachstuhl abgebrannt ist. Jetzt müssen Experten zunächst gründlich die Statik überprüfen. Die Frage lautet: Wie sehr ist das Gewölbe in Mitleidenschaft gezogen worden? Durch solch einen Brand entsteht eine sehr große Hitze, die auch die Steine beeinträchtigt. Die bekommen dann immense Spannung und platzen regelrecht auf.

heute.de: So etwas zu überprüfen, geht bestimmt nicht von heute auf morgen, oder?

Drabik: Nein, ganz bestimmt nicht. Als Sofortmaßnahme ist jetzt wichtig, das Dach zu sichern und zu versuchen, eine Art Notdach herzustellen, sodass zumindest der Innenbereich von Notre Dame geschützt werden kann.

heute.de: Vorausgesetzt, die Kathedrale bleibt stabil: Wie lange dauert voraussichtlich der Wiederaufbau von Notre Dame? Am Geld scheint es zumindest nicht zu scheitern.

Wir können nur hoffen, dass der Dachstuhl und die weiteren Konstruktionen sehr gut dokumentiert sind, sodass sie denkmalgerecht in historischer Technik wiederaufgebaut werden können.
Hedwig Drabik, Dombaumeisterin Speyer

Drabik: Erst müssen die genauen Schäden bekannt sein, dann lassen sich die Aufgaben in einen ungefähren Zeitrahmen fassen. Ich denke aber, dass eine komplette Rekonstruktion einige Jahre benötigen wird. Wir können nur hoffen, dass der Dachstuhl und die weiteren Konstruktionen sehr gut dokumentiert sind, sodass sie denkmalgerecht in historischer Technik wiederaufgebaut werden können.

heute.de: Sie sind erst seit kurzem Dombaumeisterin in Speyer. Wie gut sind Sie gewappnet gegen Brände am Weltkulturerbe Kaiserdom?

Drabik: Wir sind gut gerüstet und auf dem technisch aktuellsten Stand: Wir haben zum Beispiel diverse Brandschutzvorhänge, die auch in der vergangenen Woche erst wieder gewartet worden sind. Wir lassen die Brandmeldeanlage regelmäßig warten. Wir haben eine Trockensteigleitung am Dom, die es der Feuerwehr im Ernstfall erlaubt, von oben anzuzapfen. Das heißt: Die Feuerwehrleute könnten die Dächer im Brandfall gut löschen. Wir achten also sehr darauf, dass nichts anbrennt. Denn wie wir gestern gesehen haben: Ein Funke reicht aus, um einen immensen Schaden zu verursachen. Dagegen versuchen wir uns so gut wie möglich zu schützen.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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