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Nach Wahl in Brasilien - Bolsonaros Abschied vom Klimaschutz

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Brasiliens künftiger Präsident Bolsonaro macht ernst: Er will die Ressorts Umwelt und Landwirtschaft bündeln. Ein erster Schritt beim Ausstieg aus dem Klimaschutz, sagen Kritiker.

Brandrodung im Amazonas Regenwald

Quelle: AP

Für Naturschützer ist nämlich allein schon die Symbolik fatal: Verschmelzen beide Ressorts, würde das für sie nichts anderes heißen, als dass der Umweltschutz den Interessen der Agarlobby geopfert wird. Denn dass Jair Bolsonaro für deren Anliegen ein offenes Ohr hat, daraus hatte er im Wahlkampf nie einen Hehl gemacht. Es geht um neue Anbau- und Weideflächen und damit um die weitere Abholzung von Regenwald. Der angehende Präsident, der im Januar sein Amt antritt, will das erlauben und neue Schutzgebiete unbedingt verhindern.

"Das wäre eine Tragödie", warnt Klaus Milke von der Umweltorganisation Germanwatch. "Die globale Klimakrise würde beschleunigt. Der wichtigste globale Schatz an Artenvielfalt würde geplündert." Und auch Greenpeace empfindet die jetzt angekündigte Zusammenlegung der Ministerien als einen "großen Fehler". Und als Kampfansage: "Die  Bewegung zum Schutz des Amazonas wird noch größer und stärker - sowohl in Brasilien als auch international", so Marcio Astrini von Greenpeace Brasilien. Umweltschutz als Bremse für die wirtschaftliche Entwicklung - so und nicht anders sieht das aber der Populist Bolsonaro, der gerne auch "Tropen-Trump" genannt wird.

Holzfäller sägt Urwaldriesen im Amazonas

Quelle: dpa

Filter für das Klima

Die Abholzung des Amazonas ist dabei bei Weitem nicht nur eine brasilianische Angelegenheit, sondern eine globale. Tropische Regenwälder nehmen in großen Mengen das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) aus der Luft auf und geben dafür Sauerstoff wieder ab. Sie sind sozusagen ein Filter für das weltweite Klima und binden dabei Milliarden Tonnen CO2. Das Amazonasbecken umfasst rund 7,5 Millionen Quadratkilometer und ist damit fast so groß wie Australien. Mehr Regenwald am Stück gibt es sonst nirgendwo auf dem Planeten.

In den letzten Jahrzehnten sind in Brasilien etwa 20 Prozent des Regenwaldes abgeholzt worden. Umweltschützer und Forscher warnen, dass dadurch große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt werden. Das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung wies 2017 in einer Studie außerdem auf einen möglichen Teufelskreis hin: Das Abholzen bringe den Wasserkreislauf im Regenwald durcheinander. Es gebe dadurch weniger Niederschlag, was zu Dürren führe und zum Absterben weiterer Waldflächen. Und das wiederum reduziere wieder den Niederschlag. Das Fazit der Forscher: "Der Regenwald des Amazonas ist eines der Kipp-Elemente im Erdsystem."

Illegal geschlagene Baumstämme aus dem Amazonas Regenwald werden abtransportiert.
Illegal geschlagene Baumstämme werden abtransportiert
Quelle: Reuters

Und er ist Lebensraum von über 40.000 Pflanzen-, 420 Säugetier- und rund 1.300 Vogelarten, schätzt der World Wildlife Fund (WWF). Daneben für etwa 20 Millionen Menschen, viele davon Ureinwohner. "Die Menschenrechte der mit und vom Amazonas lebenden indigenen Völker stehen auf dem Spiel", so Klaus Milke von Germanwatch.

Austritt aus Klimavertrag?

Die Hoffnungen der Klimaschützer auf Kompromissbereitschaft beim Schutz des Amazonas werden durch die Zusammenlegung der Ministerien nicht gerade größer. Bolsonaro hatte im Wahlkampf außerdem den Austritt aus dem Klimaschutzabkommen von Paris angekündigt. Inzwischen hat er seine Aussage wieder relativiert, nachdem unter anderem Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die künftige wirtschaftliche Zusammenarbeit davon abhängig gemacht hat, ob er sich zu den Zielen des Abkommens bekennt. Der Pariser Klimaschutzvertrag will die Erderwärmung unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter halten, möglichst sogar bei 1,5 Grad.

Zu landwirtschaftlichen Zwecken gerodete Gebiete im Amazonas-Regenwald, aufgenommen am 16.01.2014 in Santarem (Brasilien)

Quelle: Reuters

Auch deutsche Industrielle wie BDI-Präsident Dieter Kempf sind in diesem Punkt unmissverständlich. Neben einem Bekenntnis zum Freihandel fordert er: "Die Einhaltung von internationalen Abkommen wie dem Pariser Klimaschutzvertrag muss dabei selbstverständlich sein." Ob sich Bolsonaro als Staatschef eines Schwellenlandes in ähnlich harscher Form gegen die Weltgemeinschaft stellen kann wie sein Vorbild Donald Trump, wird sich noch zeigen. Die Bunderegierung will erklärtermaßen erst einmal abwarten, welche Taten den harten Worten folgen werden.

Auch Deutschland gefordert

Klaus Milke von Germanwatch reicht das allerdings nicht: "Auch Deutschland und die EU sind nun gefordert. Sie müssen Bolsonaro mit einer klugen Strategie und neuen Allianzen begegnen." Dabei blickt er vor allem auf den Weltklimagipfel im polnischen Katowice im Dezember. Der habe durch die Wahl Bolsonaros jedenfalls an Gewicht gewonnen, so Milke.

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