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Stasi-Akten: Mission erfüllt

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Material kommt ins Bundesarchiv - Stasi-Akten: Mission erfüllt

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Der Zahn der Zeit nagt an Millionen vergilbter Stasi-Karteikarten, Observations- und Opferakten. Nun kommt das gesamte Stasi-Erbe ins Bundesarchiv.

Papier ist geduldig, heißt es. Doch tatsächlich nagt der Zahn der Zeit an Millionen vergilbten Karteikarten, Observations- und Opferakten. Der Verfall macht keinen Unterschied zwischen brisanten oder eher belanglosen Dokumenten. Nun kommt das gesamte Stasi-Erbe ins Bundesarchiv. In Wendezeiten vor der Vernichtung gerettet, sollen 111 Kilometer Akten und 1,8 Millionen Fotos an einem neuen und sicheren Ort aufbewahrt werden. Das Erbe des DDR-Geheimdienstes. Sicherzustellen ist, dass Bürger auch in Zukunft unkompliziert das Unterdrückungsmaterial des einst allmächtigen Ministeriums für Staatssicherheit einsehen können.

Wichtiges Mittel zur Aufarbeitung

"Freiheit für meine Akte": Das war 1989 eine der Kernforderungen der "Friedlichen Revolution" in der DDR. Tatsächlich war das Stasi-Unterlagengesetz ein Revolutionsgesetz, das bis heute weltweit einmalig ist. Es ermöglicht Bürgern den freien Zugang zu ihrer Geheimdienstakte. Über drei Millionen Deutsche aus Ost und West machten davon Gebrauch. Dieses Sondergesetz aus den frühen 1990er Jahren wurde eine Erfolgsgeschichte. Für den ersten Bundesbeauftragten und späteren Bundespräsidenten Joachim Gauck war die Offenlegung der Stasi-Giftschränke "ein Mittel gegen Legenden und Verklärung". Befürchtete Übergriffe seien ausgeblieben. Die Öffnung der Akten sei ein wichtiges Mittel gegen "Verdrängen, Verschweigen und Leugnen" gewesen.

Der derzeitige Stasi-Beauftragte Roland Jahn hat gemeinsam mit dem Leiter des Bundesarchivs, Michael Hollmann, ein Konzept zur "Zukunft der Stasi-Unterlagen" vorgelegt. Demnach soll die Verantwortung über das Stasi-Erbe dem Bundesarchiv übertragen werden. In der ehemaligen Stasi-Zentrale in Berlin-Lichtenberg soll ein "Archivzentrum zur SED-Diktatur" mit einem "Kompetenzzentrum" zur Restaurierung und Digitalisierung entstehen. Von den bisher zwölf Außenstellen sollen fünf übrig bleiben. Demnach gäbe es pro ostdeutsches Bundesland jeweils nur noch einen Archiv-Standort.

Neue Heimat gesucht

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben prüft mittlerweile passende Standorte. Gesucht werden klimatisierte Liegenschaften, um das anfällige Papiergut langfristig sichern zu können. Die Frage der Reduzierung der Archive aber ist umstritten. Wo soll beispielsweise in Sachsen künftig der Archivstandort sein? In Dresden, Leipzig oder Chemnitz? Da in Sachsen im Herbst gewählt wird, könnte es zu heftigen Debatten kommen. Vertreter der Stasi-Aufarbeitungsverbände sprechen bereits von einem "falschen Signal".

In zwei Jahren soll die "Überleitung des Stasi-Unterlagen-Archivs in das Bundesarchiv" abgeschlossen sein. So sieht es das neue, gemeinsame Konzept von Stasi-Unterlagen-Behörde und Bundesarchiv vor. Sicher ist: Der freie Zugang zu den Akten bleibt unverändert bestehen. Nun muss der Bundestag entscheiden, ob die Zeit des einstigen Revolutionsgesetzes zu Ende geht. Es wäre ein Stück "Normalisierung" dreißig Jahre nach dem Ende der DDR, die genau vierzig Jahre existierte.

Mission erfüllt. Roland Jahn könnte dann als letzter "Herr der Stasi-Akten" in die Geschichtsbücher eingehen. 2021 geht der einstige DDR-Bürgerrechtler in den Ruhestand.

Christhard Läpple ist Redakteur im ZDF-Landesstudio Berlin.

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