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Oktoberfest - Brave Trachtenpracht auf der Wiesn

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Außerhalb Bayerns mag man es spießig finden. Doch rund um das Oktoberfest ist die Tracht eben Pracht. Edel, traditionell - und manchmal auch ein bisschen schräg.

Bürgermeister Dieter Reiter hat das 184. Oktoberfest in München eröffnet. Im Vordergrund steht dabei neben Bier, Brezn und Brathändl auch das Thema Sicherheit.

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Blumen im Haar. Zopf auf dem Kopf. Hochgeschlossen bis zum Hals. Das Madel im Dirndl und der Bua in der Lederhosen sind auf dem Oktoberfest in München auch weiter angesagt. Doch statt kurz und knallig geht es in diesem Jahr konservativer zur Sache. Traditionelle Schnitte und gedeckte Farben liegen im Trend. Ist die Wiesn brav geworden?

Was in den 1970er und 1980er Jahren als vollends spießig galt, ist heute en vogue. Junge Leute lieben Brauchtum, Volkstanz, Tracht. Die globalisierte Welt, so glauben viele, sorge für Sehnsucht nach Heimat. "Wer Dirndl und Lederhose trägt, zeigt, dass er dazu gehören will", sagt Manfred Newrzella, Geschäftsführer beim Festring München, der alljährlich den Trachtenumzug zur Wiesn organisiert.

Alles "Landpomeranzen", aber immerhin nostalgisch

Minidirndl mit Glitzerschürzen sind laut Newrzella und anderen Trachtenexperten out. Man trage eher gedeckte Farben. Taube sei sehr angesagt - und züchtig: Unten das Knie bedeckt, oben wenig Dekolleté.

"Der tiefe Ausschnitt ist derzeit eher out", schreibt das "Handelsblatt" und zitiert Axel Munz, Chef von Trachten Angermaier in München, der von einem "Vintage-Trend" spricht. Zu erkennen sei dieser neben den hochgeschlossenen Dirndl auch an Elementen wie Schößchen am Rücken und Schließen an den Miedern. Manches erinnert eher schon an bürgerliche Trachten. Aber immerhin: Nostalgisch.

Die passende Frisur mit geflochtenem Haar, das sich kunstvoll um den Kopf windet, stammt auch aus diesen früheren Zeiten. Der Frida-Kahlo-Gedächtnis-Blumenkranz im Haar - ein Streitfall. Lästerte die "Süddeutsche Zeitung" über "Landpomeranzen", so sieht der Bayerische Trachtenverband darin im weitesten Sinne ein Trachtenelement. "Der Trend geht auf jeden Fall zu mehr modischer Kopfbedeckung. Es ist doch schön, wenn sich die Mädels mit Blumen in den Haaren schmücken", sagt Erich Tahedl, Geschäftsführer des Bayerischen Trachtenverbandes.

Maßkrug auf dem Kopf - warum auch nicht

Der Blumentrend passe auch zu den bunten Hüten, die in den vergangenen Jahren zu sehen waren, sagt Tahedl. "Früher ist keine Frau ohne Kopfbedeckung aus dem Haus gegangen." Jedenfalls freue sich der Trachtenverband darüber, dass die Dirndl wieder traditioneller sind. "Ob das die Länge ist, die Farben, die geschlossenere Kleidung. Es muss nicht alles offen gelegt werden."

Auch Herren greifen zu Traditionsreich-Edlem. Wiesnchef Josef Schmid (CSU) erschien zum Anstich in seiner neuen Lederhose mit blauer, handgestickter Verzierung. Blau sei die Farbe, die früher den Königen vorbehalten gewesen sei, berichtete er. Als Nachfolger von König Max I., dem allerersten Wiesnchef im Jahr 1810, gebührt dem heutigen Festleiter ganz automatisch Blau.

Mann greift auch in dieser Saison gerne wieder zum Karo-Hemd - in rot, blau und sogar grün. Auch wenn Trachtler darüber die Nase rümpfen. Denn zum Oktoberfest gehört ihrer Meinung nach natürlich ein weißes Leinenhemd mit Hirschhornknöpfen. Auch ein Trend, dem eher Männer folgen: Der Hut, zum Beispiel in Form von Hendln oder Maßkrügen.

Bunt wird's, wenn die Dragqueens kommen

Gewagte Outfits wie im Vorjahr, als ein Besucher aus Wisconsin im weiß-blauen Rautenanzug erschien, sind aber eher die Ausnahme. Gewagter wird es traditionell am Gay-Sonntag, an dem Dragqueens in fantastischen Travestie-Kostümen unterwegs sind. Der Discounter, der als "Oidi" mit günstigen Trachten warb und damit von einem Shitstorm heimgesucht wurde, hatte eben doch nicht ganz unrecht, als er warb "Des Scheene an der Wiesn: Ma hod oan Grund mehr, si zua vakleidlen."

Und die Schuhe? Neben dem traditionellen Haferlschuh sind in diesem Jahr - sehr dominant - die Damen und Herren in weißen Turnschuhen unterwegs, die gemeinhin in Krankenhäusern und Heileinrichtungen getragen werden. Heißt aber nicht gleich, dass wirklich alle feiern, bis der Arzt kommt.

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