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Vor Bürgerschaftswahl - Das sollten Sie über Bremen wissen

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Am Sonntag wird in Bremen gewählt. Wie gut kennen Sie das kleinste Bundesland? Es bietet weit mehr als Werder und die Stadtmusikanten. Ein kleiner Städtetrip mit neun Haltestellen.

Marktplatz in Bremen
Der Bremer Marktplatz zwischen Rathaus, Dom und Bürgerschaft.
Quelle: dpa

1. Ein Land - zwei Städte

Bremen ist nicht nur das kleinste Bundesland, sondern auch das einzige, das aus zwei Städten besteht. Dazwischen liegen knapp 40 Kilometer plattes Niedersachsen-Land. Die Landeshauptstadt Bremen ist mit etwa 595.000 Einwohnern die zehntgrößte Stadt Deutschlands und damit knapp fünfmal größer als ihre Exklave, die Seestadt Bremerhaven. Insgesamt fasst das Bundesland die Fläche von 60.000 Fußballfeldern. Die gesellschaftlichen Machtzentren gruppieren sich nur wenige Meter voneinander entfernt um den Marktplatz: Bürgerschaft, Dom, Baumwollbörse, Handelskammer, Arbeitnehmerkammer und Landgericht. Ein Grund, warum man Bremen auch die Stadt der kurzen Wege nennt.

2. Die Seestadt

Bremerhaven, das 1947 noch unter dem Namen Wesermünde in das Land Bremen eingegliedert wurde, war Mitte des 19. Jahrhunderts der größte Auswandererhafen Europas. Im ursprünglich benachbarten Geestemünde wurde mit dem Fischereihafen Ende des 19. Jahrhunderts die deutsche Fischfangflotte begründet. Mit dem Bau des Containerterminals stieg Bremerhaven Ende der 1960er-Jahre zum viertgrößten Hafen in Europa auf. Sogar Nummer zwei auf dem Kontinent ist Bremerhaven mit 2,2 Millionen Fahrzeugen beim Automobilumschlag. Für das berühmteste Bild der Hafengeschichte sorgte aber am 1. Oktober 1958 ein menschlicher Passagier: Elvis Presley betrat erstmals europäischen Boden, um in Hessen seinen Militärdienst anzutreten.

3. Geben und Nehmen

Bis 1970 zählte Bremen mit seinen Häfen, Werften und der Stahlindustrie zu den Geberländern des Länder-Finanzausgleichs. Der Strukturwandel brachte die drei Schlüsselbranchen in die Krise – mit dem Höhepunkt der Werftenschließungen Mitte der 1980er Jahre. Hafenwirtschaft und Logistik sind mit ca. 1.800 maritimen Unternehmen, 41.000 direkt dort Beschäftigten und einem Jahresumsatz von acht Milliarden immer noch die stärkste Branche. Dennoch drücken die zweithöchsten Sozialausgaben, die mit 9,7 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegende Arbeitslosenquote sowie ein Schuldenstand von 21, 6 Milliarden Euro. Durch den neugeordneten Finanzausgleich erhält Bremen ab 2020 487 Millionen Euro jährlich zusätzlich.

4. Schlechte Noten

Die einst als "rote Kaderschmiede" bezeichnete Universität ist längst zu einer "ambitionierten und agilen" Ausbildungs- und Forschungsstätte geworden. Insgesamt studieren an vier staatlichen Hochschulen und Universitäten knapp 38.000 Studenten. Das Alfred-Wegener-Institut mit Hauptsitz in Bremerhaven ist ein Leuchtturm der Klima- und Polarforschung. Ein weniger gutes Image tragen die Bremer Schulen mit sich, die zweigliedrig organisiert sind und inklusiv arbeiten. Im INSM-Bildungsmonitor des Instituts der Deutschen Wirtschaft bilden sie das Schlusslicht. Wenig berücksichtigt werden in den meisten Studien die aufgrund der Sozialstruktur eines Stadtstaates mit hohem Ausländeranteil schwierigeren Ausgangsbedingungen.

5. Holland in Deutschland

Laut Fahrradklima-Test des ADFC ist Bremen die fahrradfreundlichste Stadt unter den Städten ab 500.000 Einwohnern in Deutschland.  Laut bremen.de sollen 25 Prozent der Verkehrsteilnehmer Radfahrer sein, womit Bremen, das 821 Kilometer Radwege besitzt, hinter Amsterdam und Kopenhagen auf Platz drei in Europa liegt. Auch im Wahlkampf spielt der Verkehr eine große Rolle: von der Forderung nach einer autofreien Innenstadt bis hin zum Versprechen, erfolgreich gegen Staus vorgehen zu wollen. Besonders heftig diskutiert werden Pläne, das boomende Hafenquartier "Überseestadt" mit einer Seilbahn anzubinden. Also doch eher Alpen als Amsterdam?

6. Wetten, spucken, feiern

Schatten der Statue der Bremer Stadtmusikanten
Schatten der Statue der Bremer Stadtmusikanten
Quelle: dpa

Die Bremer Innenstadt ist mit Sagen und Legenden gepflastert. Der Bremer Roland, die größte freistehende Statue des Mittelalters, formuliert seit 1404 den Anspruch der bremischen Patrizier auf die Selbstständigkeit der Stadt. Wenige Meter davon entfernt feiern die Bremer Stadtmusikanten gerade ihren 200. Geburtstag und am Gesche Gottfried-Spuckstein können Bremer auch heute noch ihre feuchte Verachtung für die 1831 hingerichtete Giftmischerin kundtun. In aktuelle Debatten verwickelt sind die mit glamourösen Banketten verbundenen Bräuche der Eiswette und des Schaffermahls, weil sich Frauen nicht länger aus diesen anachronistischen Männerbünden ausschließen lassen wollen.

7. Rio am Deich

Die bekannteste Sportmarke Bremens ist sicher Werder Bremen. Während die Fußballer seit einiger Zeit aber nur noch nationalen Glanz verbreiten, ist Bremen in einer anderen Disziplin Serienweltmeister: Die TSG Bremerhaven und der Grün-Gold-Club Bremen errangen zwischen 1977 und 2018 insgesamt 22 Weltmeistertitel im lateinamerikanischen Formationstanz. Und noch für eine andere Sportart ist Bremen Kultstätte. In der Stadthalle findet jeden Winter das – neben dem in Berlin – letzte verbliebene Sechstage-Rennen Deutschlands statt.

8. It’s showtime

Ein ausgesprochen gutes Pflaster ist Bremen auch für Showlegenden. Hans-Joachim Kulenkampff und James Last wurden hier geboren — Rudi Carrell, Loriot und Hape Kerkeling zu Stars gemacht.  Die Radio Bremen-Sendung Beat Club brachte den Pop nach Deutschland und die Toten Hosen feierten hier 1982 ihren allerersten Auftritt in einem kleinen Punk-Keller. Heute beherbergt Bremen mit der Jazzahead jedes Frühjahr de größte Jazz-Fachmesse der Welt.

9. Kohl und Kaffee

Wer Bremen kulinarisch erleben will, kommt im Winter nicht um Kohl und Pinkel herum. Grünkohl in verschiedensten Variationen wird mit Kochwurst, Bauchspeck und der körnig-grützigen Pinkelwurst serviert – der Weg zur Gaststätte erfolgt traditionsgemäß zu Fuß mit jeder Menge flüssiger Wegzehrung. Wer es gediegener mag, kann sich zu jeder Jahreszeit stilvoll in einem der zahlreichen Cafés niederlassen – immerhin war Bremen die erste deutsche Stadt, die im Jahr 1673 eine Konzession zum Ausschank von Kaffee erhielt.

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