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Bürgerschaftswahl - Bremens junge Wähler

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Bei der Bremen-Wahl sind mehr als 10.000 Jugendliche unter 18 wahlberechtigt. Auch auf sie kommt es am Sonntag an. Viele von ihnen sind hochpolitisch - und bestens informiert.

Junge Wähler im Briefwahlzentrum in Bremen
Junge Wähler im Briefwahlzentrum in Bremen
Quelle: dpa

Bremen war das erste Bundesland, in dem Jugendliche ab 16 Jahren an einer Landtagswahl teilnehmen durften. Mehr als jeder zweite Jugendliche nutzte vor acht Jahren diese Chance. Vier Jahre später erlebte Bremen dann die geringste Wahlbeteiligung seit dem Zweiten Weltkrieg. Damals gab es auch ein Minus bei den Erstwählern: Nur noch 45,8 Prozent von ihnen gingen wählen.

Bei der Bürgerschaftswahl am kommenden Sonntag soll sich das ändern. Auch diesmal sind mehr als 10.000 Jugendliche unter 18 Jahren wahlberechtigt. Heye Hamadmad, Mitglied der "Gesamtschüler*innenvertretung Bremen", findet das sinnvoll und notwendig: "Je früher man sich an Politik beteiligt, desto weniger rutscht man in die 'Ich kann das ja nicht ändern'-Haltung", sagt der 16-jährige Gymnasiast. In Zeiten des Klimawandels und eines Rechtsrucks in der Gesellschaft, den er wahrnimmt, sei das sehr wichtig.

Wählen bereits mit 14 Jahren umstritten

"Junge Wähler müssen eine Chance haben mitzuentscheiden, denn mit dem demografischen Wandel wird der Anteil der Älteren immer größer", meint auch der Wahlen- und Parteienforscher Lothar Probst. Trotzdem dürfe der Erwartungshorizont nicht zu hoch gehängt werden. "Viele junge Menschen schwanken noch sehr, welche Partei sie wählen sollen", sagt Probst.

Das Wählen mit bereits 14 Jahren, wie es die Bremer Grünen in ihrem Wahlprogramm fordern, bleibt vorerst umstritten. Nach Ansicht von Andreas Klee, Direktor des Zentrums für Arbeit und Politik der Universität Bremen, ist die erneute Absenkung des Wahlalters nur sinnvoll, wenn Schule, Familien und Vereine stärker über Politik sprechen als bisher. "Noch haben wir eine entpolitisierte Gesellschaft - trotz der 'Fridays For Future'-Bewegung", sagt Klee.

Wahl-O-Mat und Speed-Dating

Der Wahl-O-Mat Bremen 2019, ein Frage- und Antwort-Tool im Internet, ist vier Wochen vor der Bürgerschaftswahl online gegangen. Wer dort 38 Fragen beantwortet, erhält vom Programm eine Übersicht, zu welcher Partei die eigene Meinung am besten passt. Dabei geht es auch um Themen, die besonders Erstwähler interessieren dürften, wie "Noten ab der 3. Klasse", "Erhalt des Gymnasiums" und "Freiluftpartys". Die Landeszentrale für politische Bildung rechnet mit 200.000 Nutzern und hat darüber hinaus für Schüler ein Speed-Dating mit Bremer Politikern veranstaltet.

Auch Schulen engagieren sich, um junge Menschen zu Demokraten zu erziehen und Politikverdrossenheit vorzeugen. Auf Podiumsdiskussionen vor Ort beantworten Politiker Fragen der Jugendlichen. An 78 Schulen in Bremen und Bremerhaven findet zudem die Juniorwahl statt, eine Simulationswahl. Im Vorfeld hatten sich dort Schüler ab Jahrgangsstufe 7 intensiv mit den Themen Wahl und Demokratie auseinandergesetzt.

Follower, Klicks und Likes im Bremer Wahlkampf

Während einer 'Friday-for-Future'-Demonstration in Bremen berichten Jugendliche im ZDF-Interview, wie sie sich auf die Wahl vorbereiten. Viele nutzen Instagram, Twitter und Podcasts. "Ich folge bei Twitter Greenpeace und vielen anderen Aktivisten, die ihre Meinung posten", berichtet die 17-jährige Lisa. Früher habe sie "fluter" gelesen, das kostenfreie Jugendmagazin der Bundeszentrale für politische Bildung. Freundin Isabelle orientiert sich eher an ihren Eltern und Freunden.

Dennoch gibt es auch einige Jugendliche, die sich von der Politik unverstanden fühlen. Ein Gegenbeispiel ist Leonard Geßner. Der Schüler hat sogar seinen eigenen YouTube-Kanal "Politik der Generation Z" gegründet und bereits Politgrößen wie Jens Spahn, CDU-Bundesminister für Gesundheit, und den FDP-Vorsitzenden Christian Lindner interviewt. "Ich bin Polit-Fanatiker. Ich stelle die Fragen. Ich bestimme, worüber gesprochen wird", sagt der 14-Jährige, der selbst in die Politik will. Zentrale Fragen seien für ihn, wie sich Politiker für die Jugend und deren spätere Rente einsetzen. "Viele Jugendliche denken an so was noch nicht, dabei ist das ein wichtiges Thema", betont Geßner.

"Fridays For Future"-Bewegung kann junge Generation mobilisieren

Auch in Bremen nehmen Tausende an den Großdemonstrationen der "Fridays for Future"- Bewegung teil. "Make the planet green!", steht auf einem Transparent. Dazu Sprechchöre: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut".

"Viele der Demonstranten dürfen noch nicht wählen, weil sie zu jung sind. Hier werden sie trotzdem gehört", sagt Sofia. Die 17-jährige Fridays-Aktivistin findet das gut. Politisch würden hier einige zu den Grünen tendieren, andere zur V-Partei³ – Partei für Veränderung, Vegetarier und Veganer. Generell sei es superwichtig, sagt sie, am Sonntag zur Wahl zu gehen.

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