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Wirtschaft - Brexit: Hängepartie für deutsche Unternehmen

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Die Brexit-Verhandlungen treten seit Monaten auf der Stelle. Eine Hängepartie - auch für die deutsche Wirtschaft, die nicht weiß, wie es mit dem Geschäft auf der Insel weitergehen wird.

Großbritannien will so schnell wie möglich über ein Handelsabkommen mit der EU für die Zeit nach dem Austritt sprechen. Eine Frage, an der Hunderttausende von Jobs hängen. Je länger die Verhandlungen dauern, umso nervöser reagiert die Wirtschaft.

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Strategiebesprechung bei der Firma Sortimo im bayrischen Zusmarshausen. Die Vertriebschefs aller europäischen Niederlassungen sind dazu an den Stammsitz des Mittelständlers gekommen. Es gibt Häppchen im gerade erst neugebauten Foyer, die Stimmung ist gut. Denn eigentlich brummt das Geschäft bei dem Unternehmen, das Inneneinrichtungen, vor allem für Handwerkerfahrzeuge, produziert und montiert. Und doch gibt es ein Sorgenkind, das die gute Stimmung trübt: Es ist der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU - von dem noch keiner weiß, wann er tatsächlich über die Bühne geht und vor allem, wie genau er dann aussehen wird.

20 Prozent seines Umsatzes macht Sortimo in Großbritannien. Damit ist das Vereinigte Königreich einer der wichtigsten Märkte für das Unternehmen. Und so steht das Thema Brexit hier im Moment auch ganz oben auf der Agenda: "Wir treffen alle Vorbereitungen und schließen alle Eventualitäten mit ein", sagt Reinhold Braun, Geschäftsführer von Sortimo. "Wir bereiten uns auf das vor, was in den nächsten zwei bis drei Jahren auf uns zukommt, damit wir verschiedene Optionen im Hintergrund haben, die wir dann bei Bedarf ziehen können." Es bleibt ihnen im Moment also nichts anderes übrig, als mehrgleisig zu fahren - um sich für die Zukunft in Großbritannien nichts zu verbauen.

Erste Brexit-Auswirkungen spürbar

Doch die Brexit-Folgen sind nicht etwa ausschließlich ein Zukunftsszenario. Bei Sortimo spüren sie schon jetzt erste Auswirkungen: Weil das Pfund nach dem britischen Brexit-Beschluss deutlich an Wert verloren hat, sie hier aber die Verträge mit britischen Kunden in Pfund abgeschlossen haben, verlieren sie inzwischen bei vielen Aufträgen 10 bis 20 Prozent der fest eingeplanten Umsätze. Es sind millionenschwere Einbußen - die Zeiten, in denen Großbritannien ein lukrativer Markt für den Mittelständler war, sind erst mal vorbei. "Es ist mittlerweile so, dass wir teilweise Geld mitbringen, um uns am englischen Markt alles aufrecht zu erhalten", gesteht Reinhold Braun.

Und doch nimmt man das hier in Kauf, zumindest vorübergehend, versucht gleichzeitig aber gegenzusteuern: "Wir verlagern im Moment die Vormontage-Dienste für den britischen Markt von Deutschland nach Großbritannien, um die Wertschöpfung dort im Markt zu haben. Je höher die Wertschöpfung im jeweiligen Land ist, desto geringer ist das Risiko von Währungsschwankungen", sagt Reinhold Braun.

Großbritannien-Ausfuhren gehen zurück

Nicht nur bei Sortimo spüren sie schon Auswirkungen des drohenden Brexits, auch in der deutschen Wirtschaft insgesamt: "Durch das schwache Pfund und den unsicheren Ausgang der Verhandlungen sind die deutschen Ausfuhren nach Großbritannien von Januar bis Juli um 2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen", konstatiert Thomas Renner vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Nicht der erste Dämpfer: Schon 2016 gingen die deutschen Exporte nach Großbritannien um 3,2 Prozent zurück. Und so blickt man beim DIHK angespannt auf die Zukunft der deutsch-britischen Handelsbeziehungen, an denen alleine in Deutschland 750.000 Arbeitsplätze hängen. Man warnt vor Zöllen, vor steigenden Verwaltungskosten und vor Einschränkungen in der Personenfreizügigkeit, kurz: vor den Folgen eines drohenden harten Brexits.

Der wäre das Worst-Case-Szenario für die deutsche Wirtschaft in Bezug auf Großbritannien. Und so hofft man darauf, dass sich die verhärteten Fronten bei den Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien in den kommenden Verhandlungsrunden doch noch aufweichen, dass Großbritannien am Ende weiter im europäischen Binnenmarkt bleiben wird. "Wir prognostizieren, dass die Handelnden so verantwortlich damit umgehen, dass es nicht zum Crash kommt", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages Martin Wansleben vergangene Woche. Und was, wenn das doch nicht gelingt? Dann, immerhin, seien die Konsequenzen nicht so gravierend, dass der wirtschaftliche Aufschwung in Deutschland abgewürgt würde - trotz der großen Bedeutung des britischen Marktes für die deutsche Wirtschaft. Doch einbremsen wird der Brexit das zukünftige Geschäft mit Großbritannien wohl allemal - und tut das auch jetzt schon.

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