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Folgen des Brexit - "Ein Drittel Sprachschüler weniger"

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Auch wenn die Brexit-Verhandlungen zäh vor sich hinlaufen, seine Folgen zeichnen sich schon ab. Auch Kodwo Abban bekommt sie zu spüren – er führt eine Sprachschule in London.

Etwa 3,2 Millionen EU-Bürger leben in Großbritannien. Seit dem Brexit-Votum verlassen immer mehr die Insel. Das macht sich auch in den Sprachschulen bemerkbar, hier lernt ein Drittel weniger Englisch als vorher. Vor allem Spanier und Italiener besuchten …

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Kilburn, Nord-West-London. Ein geschäftiger, multikultureller Distrikt im Herzen der englischen Hauptstadt. Vor sieben Jahren hat Kodwo Abban hier seine Sprachschule "The Oxfield School" eröffnet. Vor allem Schüler aus Spanien und Italien kommen zu ihm, um  Englisch zu lernen. Seit dem Brexit-Votum aber laufen die Geschäfte schlechter, immer mehr Plätze im Klassenraum bleiben leer. "Ich kann sagen, dass ich ein Drittel weniger Sprachschüler habe als vorher", so der Schulleiter. "Einige meiner Schüler fühlten sich hier nicht mehr willkommen, haben das Land verlassen. Sie sagten, dass hier im täglichen Leben so ein Unterton mitschwingt, der ihnen sagt, dass Immigranten nicht mehr willkommen sind."

Die Abwanderung an EU-Sprachschülern an der Sprachschule in Kilburn steht stellvertretend für einen Trend in Großbritannien: Etwa 3,2 Millionen EU-Bürger leben derzeit im Land, doch seit dem Brexit-Votum packen immer mehr von ihnen ihre Koffer. Das belegen auch Zahlen der Statistikbehörde ONS: Im letzten Erhebungszeitraum von März 2016 bis März 2017 verließen 122.000 EU-Ausländer das Vereinigte Königreich. Das ist so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Gleichzeitig ließen sich im Land weniger EU-Bürger als im Vorjahr nieder.

Viele Fragen bleiben offen

Für die Entscheidung gegen Europa, für die im Juni 2016 mehr als die Hälfte der Briten stimmten, haben in der Sprachschule in Kilburn die wenigsten Verständnis. Sollte die Freizügigkeit abgeschafft werden, dann hat das schlimme Auswirkungen für das Land, da ist sich Luigi Nardoni sicher. Er ist Italiener, lernt in der Sprachschule in London gerade Englisch. "Klar, manche Immigranten kommen ohne viel Geld hierher. Aber irgendwann verdienen Sie alle Geld, das sie dann auch ausgeben", sagt er. "Das erzeugt Reichtum. Wenn das irgendwann aufhört, dann ist das Land in Schwierigkeiten." Dass seine Landsleute mit dem Brexit-Votum eine schlechte Wahl getroffen haben, meint auch Peter Dawson. Der Brite ist Lehrer an der Sprachschule: "Schon das Wort Brexit ist sehr unbeholfen und bescheuert. Es spiegelt sehr gut wieder, was die Menschen vor ihrer Stimmabgabe gedacht haben: Nichts!"

Die weiteren Folgen der Entscheidung sind schwer abzusehen, aber bereits jetzt wird Alarm geschlagen. Wer ersetzt die Erntehelfer, das Pflegepersonal und die Bauarbeiter, die hier in Großbritannien überwiegend aus dem europäischen Ausland kommen? Und wer schließt die Lücke, die durch die Abwanderung von europäischen Sprachschülern bereits jetzt in der Sprachschule von Kodwo Abban klafft? Wie es genau weitergehen soll, da ist sich der Schulleiter noch nicht sicher. Nur eines weiß er genau: Aufgeben ist keine Option. "Ich blicke nicht optimistisch in die Zukunft unseres Landes, wenn es Europa verlässt. Aber was unsere Sprachschule betrifft bin ich schon optimistisch. Wir werden einen anderen Weg finden, um weiter zu machen."

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