ZDFheute

Von der Leyen besucht Johnson in der Downing Street

Sie sind hier:

Gespräche über Brexit - Von der Leyen besucht Johnson in der Downing Street

Datum:

Zwischen Jean-Claude Juncker und Theresa May knirschte es. Gelingt Ursula von der Leyen und Boris Johnson ein besserer Start für Verhandlungen über Beziehungen nach dem Brexit?

Boris Johnson in der Downing Street.
Boris Johnson in der Downing Street (Archivbild).
Quelle: Kirsty Wigglesworth/AP/dpa

Drei Wochen vor dem geplanten Brexit reist EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch zum britischen Premierminister Boris Johnson nach London. Bei einem Gespräch in der Downing Street soll es um den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union am 31. Januar und die kommenden knapp zwölf Monate gehen. Bis Ende 2020 sollen die künftigen Beziehungen zwischen London und Brüssel geklärt sein.

In einer Mitteilung betonte Johnson in der Nacht zum Mittwoch erneut, dass er nicht zu einer Verlängerung bereit sei. Die Briten hätten bereits vor mehr als drei Jahren für den Brexit gestimmt. Ziel sei nun ein ambitioniertes Freihandelsabkommen. An dem Gespräch wird zeitweise auch Brexit-Minister Stephen Barclay teilnehmen.

Frostige Atmosphäre zwischen Juncker und May

Wie sich von der Leyen die künftige Partnerschaft vorstellt, will sie vor dem Treffen mit Johnson in einer Ansprache in der renommierten London School of Economics umreißen. Titel der Rede: "Alte Freunde, neue Anfänge - Aufbau einer neuen Zukunft für die Partnerschaft zwischen der EU und Großbritannien". Begleitet wird von der Leyen von EU-Chefunterhändler Michel Barnier. Der Franzose leitete bereits die Gespräche über den Austritt und soll nun im Auftrag der EU auch über das künftige Verhältnis verhandeln. Nötig ist dafür jedoch ein Mandat, das die EU-Staaten Ende Februar erteilen könnten. Erst danach können die Verhandlungen starten.

Mit Spannung wird erwartet, welche Stimmung bei dem Treffen herrschen wird. London-Besuche von von der Leyens Vorgänger Jean-Claude Juncker fanden teilweise in frostiger Atmosphäre statt. Damals war noch Theresa May Hausherrin in der Downing Street.

Ohne Abkommen drohen erhebliche Handelsbarrieren

Nach Johnsons Wahlsieg bei der britischen Parlamentswahl im Dezember steht dem Brexit nichts mehr im Wege. Besorgnis gibt es darüber, ob die bis Ende 2020 vorgesehene Übergangsphase ausreichen wird, um ein Handelsabkommen für die künftigen Beziehungen zwischen London und Brüssel unter Dach und Fach zu bringen. Während der Übergangsphase bleibt so gut wie alles beim Alten. Eine Verlängerung um bis zu zwei Jahre ist möglich, doch Johnson lehnt sie ab.

Das macht mir große Sorgen, denn die Zeit ist extrem kurz für die Masse der Fragen, die verhandelt werden müssen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen

Sollte kein Abkommen zustande kommen, drohen erhebliche Handelsbarrieren. In einem "Spiegel"-Interview kurz vor dem Jahreswechsel hatte sich von der Leyen skeptisch geäußert. "Das macht mir große Sorgen, denn die Zeit ist extrem kurz für die Masse der Fragen, die verhandelt werden müssen", sagte von der Leyen. Es gehe nicht nur um Handelspolitik, sondern auch um Sicherheitsfragen oder Fischereirechte. Vorrang bei den Verhandlungen hätten jene Aspekte, bei denen ohne Abkommen der größte Schaden drohe.

Johnson gegen enge Anbindung an EU-Produktstandards

Für Skepsis sorgt auch, dass sich Johnson gegen eine enge Anbindung Großbritanniens an EU-Produktstandards ausgesprochen hat. Das könnte Experten zufolge zu Handelshemmnissen im Warenverkehr zwischen der EU und Großbritannien führen. Zudem wird befürchtet, dass sich London unter anderem durch das Absenken von Standards bei Arbeitnehmerrechten und Umweltschutz Wettbewerbsvorteile verschafft. Der Premier will sich die Möglichkeit für ein weitreichendes Handelsabkommen mit den USA und anderen offenhalten und geht daher auf Abstand zur EU. Experten warnen aber, dass Großbritannien dabei nichts zu gewinnen habe, da der Handel mit der EU viel wichtiger sei.

Johnson ist durch seinen überwältigenden Wahlsieg nicht mehr von einzelnen Gruppierungen in seiner Partei abhängig. Manch einer hofft daher, dass er von seiner harten Linie abweichen wird und doch noch eine engere Anbindung an die EU sucht. Doch bislang macht er keine Anstalten, sich von den Dogmen der Brexit-Hardliner zu lösen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.