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Machtwechsel bei Google - Brin und Page gehen - behalten aber das Sagen

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Nach 21 Jahren Google ziehen sich die Gründer zurück und überlassen ihrem Nachfolger den Mutterkonzern Alphabet im Umbruch. Gänzlich machtlos bleiben Brin und Page aber nicht.

Archiv: Sergey Brin und Larry Page am 10.02.2011 in Mountain View
Google-Chef Pichai übernimmt nach dem Rückzug der beiden Gründer aus dem Tagesgeschäft nun auch die Führung beim Mutterkonzern Alphabet.
Quelle: DPA

Google-Chef Sundar Pichai übernimmt nach dem Rückzug der beiden Gründer aus dem Tagesgeschäft nun auch die Führung beim Mutterkonzern Alphabet. Die Gründer-Ära bei dem Internet-Riesen ist damit aber noch nicht vorbei: Larry Page und Sergey Brin, die Google vor mehr als 20 Jahren gründeten, behalten im Hintergrund das Sagen durch besondere Aktien mit mehr Stimmrechten.

Pichai wird sich derweil unter anderem um Wettbewerbsverfahren und chronisch verlustreiche Alphabet-Töchter kümmern müssen. Zugleich zementiert seine Doppelrolle die Dominanz von Google im Alphabet-Firmengeflecht. Page war zuletzt Alphabet-Chef, Brin hielt im Management einen Posten als "President" mit einem nicht näher beschriebenen Aufgabenbereich. Sie bleiben im Verwaltungsrat, der dem Vorstand übergeordnet ist.

Eltern, die Ratschläge und Liebe bieten

"Wäre das Unternehmen ein Mensch, wäre er ein junger Erwachsener von 21 Jahren - und es wäre an der Zeit, das Nest zu verlassen", schrieben Brin und Page nun. "Wir glauben, dass es an der Zeit ist, die Rolle stolzer Eltern zu übernehmen, die Ratschläge und Liebe bieten, aber nicht täglich herumnörgeln!"

Branchenbeobachter spekulierten bereits seit einiger Zeit über die Zukunft von Page: Der 46-jährige ließ sich kaum in der Öffentlichkeit blicken, auch nicht bei der Google-Entwicklerkonferenz I/O oder den internen Mitarbeiterforen.

Er überließ Pichai die Telefonkonferenzen mit Analysten nach Vorlage von Quartalszahlen und auch unangenehme Anhörungen im US-Kongress. Gleichzeitig steckte Page Geld und Zeit in die Entwicklung von Flugmaschinen, aus denen eines Tages Flugtaxis werden sollen.

Alphabet war 2015 als Konzerndach über Google gesetzt worden. Die Idee war, diverse neue Bereiche als eigenständige Schwesterfirmen neben Google aufzubauen. Zum Dachkonzern gehören zum Beispiel auch die Roboterauto-Firma Waymo und der Lieferdrohnen-Entwickler Wing.

Neue Firmen mit geringen Umsätzen

Vier Jahre später kommen die Einnahmen allerdings nach wie vor hauptsächlich aus dem Werbegeschäft bei Google. Nur das Cloud-Geschäft und die Pixel-Smartphones tragen noch sichtbar zur Bilanz bei. Die anderen Alphabet-Firmen mit ihren neuen Technologien erzeugen vor allem hohe Kosten bei geringen Umsätzen.

So kamen die Google-Geschäftsbereiche im vergangenen Quartal auf Erlöse von gut 40,3 Milliarden Dollar (36,3 Mrd Euro) - alle restlichen Alphabet-Firmen brachten in dieser Zeit 155 Millionen Dollar Umsatz ein. Dafür sammelten sich bei ihnen operativ rote Zahlen von 941 Millionen Dollar an, während Google fast 10,9 Milliarden Dollar verdiente.

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58 min
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Pichai muss Google und Alphabet durch eine schwierige Zeit navigieren. Der Internet-Riese steht - wie auch andere amerikanische Tech-Firmen - unter verstärktem politischen Druck. Inzwischen nehmen auch die lange wohlwollenden US-Wettbewerbshüter Google ins Visier. In Europa verhängte die ehemalige EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager bereits Strafen von mehr als acht Milliarden Euro gegen Google.

Sexismus-Vorwürfe bei Google

In jüngster Zeit geriet Google aber auch mehrfach auf Kollisionskurs mit seinen Mitarbeitern. So lösten Medienberichte, wonach Andy Rubin, der führende Entwickler des dominierenden Mobil-Betriebssystems Android, trotz Vorwürfen sexueller Nötigung mit einer Abfindung von 90 Millionen Euro aus der Firma ausgeschieden sei, vor gut einem Jahr Proteste an diversen Google-Standorten aus. Rubin bestritt die Vorwürfe. Viele Mitarbeiter prangerten dennoch Sexismus im Unternehmen an, Page entschuldigte sich.

Wir gehörten nie zu denen, die sich an Management-Positionen klammern.
Larry Page und Sergey Brin

Die Alphabet-Mitteilung machte nun deutlich, dass die beiden Gründer keine Ambitionen haben, irgendwann noch einmal ins Management zurückzukommen. "Wir gehörten nie zu denen, die sich an Management-Positionen klammern, wenn wir denken, dass es einen besseren Weg gibt, das Unternehmen zu führen", heißt es darin von Brin und Page.

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