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William und Kate in Deutschland - Königshaus als diplomatische Geheimwaffe

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Wenn einer eine Reise tut, will er was erleben. Wenn Familie Windsor ins Ausland reist, will die britische Politik etwas erreichen. Seit dem Brexit ist bei den englischen Royals die Reiselust nach Europa ausgebrochen. Die Mission: eine Charmeoffensive in politisch turbulenten Zeiten.

Das spanische Königspaar ist auf Einladung der Queen zum Staatsbesuch nach Großbritannien gereist. Wegen des Brexit gibt es viel Brisantes zu besprechen. Was zum Beispiel wird aus Gibraltar? Außerdem leben viele britische Rentner leben im sonnigen …

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Ein spitzbübischer dreijähriger Thronfolger, traditionell in kurzen Hosen. Im Schlepptau seine zweijährige Schwester. Zuckersüß. Zusammen mit den ungekrönten Herrschern des internationalen royalen Boulevard, ihren Eltern: Kate und William. Unschlagbar. Zumindest was die mediale Berichterstattung angeht. Menschen klettern auf Bänke und Bäume, nur um einen Blick zu erhaschen auf die Nummer Zwei der Thronfolge und seine junge Familie. Blitzlichtgewitter, Handy-Bilderflut in den sozialen Netzwerken. So wie die vergangenen Tage in Polen dürfte es auch in Berlin, Heidelberg und Hamburg sein, den Stationen ihrer Deutschland-Reise.

"Kate, William und die Kinder - das ist der Kassenschlager"

"Ganz klar ist ein Staatsbesuch durch die Queen die höchste Ehre", erklärt Roya Nikkhah, Königshaus-Korrespondentin der "Sunday Times". "Doch Elisabeth II. macht aufgrund ihres Alters keine Auslandsreisen mehr. Laut Protokoll ist nun Thronfolger Charles der Wichtigste. Aber alle wissen: Kate, William und dazu die Kinder - das ist der Kassenschlager. Wo sie auftreten, da ist richtig was los."

Aufmerksamkeit, positive Schlagzeilen. Tradition, Moderne, Weltmachtglanz von einst, alles in einer Familie. Großbritannien zeigt sich von seiner besten Seite. Genau das will die britische Regierung. Die offiziellen Reisen der Königsfamilie werden von langer Hand geplant, im "Royal Visits Committee". Hier entscheiden maßgeblich Beamte aus dem Umfeld der Premierministerin und des Außenministeriums mit. Wo hin, wer geht, und was wollen wir erreichen, das sind inoffizielle Leitlinien für royale Reisen. Diplomatische "Softpower" oder wie es der Staatssekretär im Außenministerium, Sir Alan Duncan, beschreibt: "Das Königshaus auf Reisen ist die beste Werbung für Großbritannien in aller Welt."

Und am besten funktionieren eben William und Kate. "Sie ist wunderschön und elegant. Er der künftige König. Die Kinder einfach zum Knuddeln. Eine quasi perfekte Mischung", so Roya Nikkhah.

Jedes Detail der Charmeoffensive sitzt

In diesem Jahr sind die Royals kreuz und quer durch Europa unterwegs. Charles und Camilla waren in Rumänien und Italien. William und Kate in Frankreich und diese Woche nun erst Polen, jetzt Deutschland. Der spanische König war gerade zum Staatsbesuch in London - die wichtigsten europäischen Länder werden im wahrsten Wortsinn hofiert.

Dabei sitzt jedes Details, eine Charmeoffensive muss gut vorbereitet sein. Wenn Kate in Paris den französischen Staatspräsidenten trifft, trägt sie Chanel. In Polen erscheint sie ganz in weiß, auf dem Arm Tochter Charlotte im rot gemusterten Blumenkleid. Abgestimmt auf die polnischen Nationalfarben. Dazu formuliert William ein paar Sätze auf Polnisch. Das kommt gut an in einem Land, dessen Sprache und seine Staatlichkeit durch die Geschichte häufig von den Nachbarn in Frage gestellt wurden, und darüber hinaus.

Auch für die Deutschland-Reise wird es solche Momente geben, ganz sicher. Denn in der Aufgabenbeschreibung der Reise steht klar, urteilt die britische Presse fast unisono: Royale Reisen sind wichtiger Bestandteil bei der Fortschreibung der Freundschaft mit den europäischen Nachbarn. Es soll ein positives Umfeld geschaffen werden in Zeiten, in denen Großbritannien seinen Austritt aus der EU verhandelt.

Zeitpunkt zufällig oder Verzweiflungstat?

Doch wie funktioniert es? Ein wenig Hände schütteln, Lächeln, was soll das bringen? "Zum einen erhöht es die Popularität Großbritanniens in der öffentlichen Meinung der besuchten Länder", so Roya Nikkhah. "Zum anderen treffen ihre königliche Hoheiten ja auch immer die wichtigsten Politiker, Wirtschaftsführer und so weiter in diesen Ländern. Sehr viel Redezeit in mal mehr, mal weniger ungezwungener Atmosphäre, da lässt sich die Politik beeinflussen, vielleicht sogar ein wenig mitgestalten."

Dass die Reise parallel zur ersten ordentlichen Brexit-Verhandlungsrunde in Brüssel stattfindet, mag Zufall sein. Die Stimmung in den Gesprächen zwischen EU und Großbritannien ist alles andere als gut - nie war eine Charmeoffensive nötiger denn je. Doch leider gilt wohl auch: Nie war es schwieriger für die Royals, wirklich was zu erreichen. Denn die Wolken am europäisch-britischen Himmel sind tiefdunkel, da dürfte auch die Strahlkraft des royalen Star-Ensembles mit Kind und Kegel nur schwer gegen ankommen. Es werde Licht, und es wurde nicht. Eine Charmeoffensive, die man auch als Verzweiflungstat deuten könnte.

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