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"Besorgt" über Chaos - Cameron bereut Brexit-Referendum nicht

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Es ist das erste Interview seit seinem Rücktritt 2016: Ex-Premier Cameron bereut nicht, das Brexit-Referendum veranlasst zu haben. Angesichts des Brexit-Chaos' sei er aber besorgt.

Ex-Premierminister David Cameron. Archivbild
Ex-Premier David Cameron: Denke jeden Tag an die Konsequenzen
Quelle: Facundo Arrizabalaga/EPA FILE/dpa

Der ehemalige britische Premierminister David Cameron bereut nach eigenen Angaben nicht, das Referendum über den EU-Austritt Großbritanniens angesetzt zu haben. Er denke jedoch "jeden Tag" an die Konsequenzen und mache sich "verzweifelt Sorgen" über die Zukunft, sagte er der Zeitung "The Times". Es ist sein erstes Interview nach seinem Rücktritt vor drei Jahren.

Cameron sagte, es sei "schmerzhaft", die Verhandlungen über ein mögliches Brexit-Abkommen mitzuverfolgen. Ein chaotischer Brexit ohne Abkommen wäre "schlecht". "Ich hoffe wirklich, dass es nicht dazu kommt", sagte der frühere Regierungschef.

Ex-Premier hält zweites Referendum für möglich

Er hält es jedoch für möglich, dass ein zweites Referendum abgehalten wird. "Ich glaube, man kann es nicht ausschließen, weil wir in der Klemme stecken", sagte der konservative Politiker in einem Interview der "Times".

Cameron hatte das Referendum unter dem Druck des europaskeptischen Flügels seiner konservativen Partei zugesagt, sich selbst aber in einer Kampagne vehement für den Verbleib seines Landes in der EU ausgesprochen. Nach dem knappen Votum für den Brexit im Juni 2016 trat Cameron als Regierungschef zurück.

Cameron kritisiert Johnsons Vorgehen

Der Ex-Premier kritisierte im Interview das Vorgehen des aktuellen Regierungschefs Boris Johnson: Er unterstütze weder die von Johnson auferlegte Zwangspause des Parlaments noch den Fraktions-Rauswurf von 21 Tory-Abgeordneten, die gegen die Regierung gestimmt hatten. Beides sei "nach hinten losgegangen", so Cameron.

Die beiden Männer verbindet eine langjährige, von starker Konkurrenz geprägte Beziehung. Sie kennen sich bereits aus Schultagen im Elite-Internat Eton - und die Rivalität scheint noch immer nachzuwirken. Erst vor Kurzem war ein aktuelles Regierungsdokument an die Öffentlichkeit gelangt, in dem Johnson seinen Vor-Vorgänger als "mädchenhaften Streber" bezeichnet.

"Ich dachte, das Referendum kommt sowieso"

In der kommenden Woche will Cameron seine Memoiren mit dem Titel "For the Record" (Fürs Protokoll) veröffentlichen. Cameron verteidigt darin nach eigenen Angaben seine Entscheidung, das Volk über die britische EU-Mitgliedschaft abstimmen zu lassen. "Die Frage musste geklärt werden, und ich dachte, das Referendum kommt (sowieso)."

Er habe sich die Entscheidung jedoch nicht leicht gemacht, betonte Cameron. Er räumte ein, dass er unter "enormem politischem Druck" gestanden habe. Nach seinem Rücktritt sei er "zutiefst deprimiert" gewesen.

"Einige Leute werden mir niemals vergeben, dass ich ein Referendum organisiert habe, andere, dass ich es organisiert und verloren habe", sagte Cameron. Doch es gebe auch "all die Menschen, die ein Referendum wollten und (aus der EU) austreten wollten, die froh sind, dass ein Versprechen gemacht und gehalten wurde".

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