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Einsturz in Genua - Italien setzt Brückenbetreiber Frist

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Wer ist für die Katastrophe in Genua verantwortlich? Die Regierung überprüft nun den Autobahnbetreiber: Binnen 15 Tagen soll er nachweisen, dass alle Vorschriften beachtet wurden.

Beseitigung der Trümmer in Genua
An der Unglücksstelle wird immer noch gesucht. Hoffnung auf Überlebende gibt es kaum noch.
Quelle: dpa

Das Verkehrsministerium richtete eine Kommission ein, die technische Überprüfungen und Analysen an der eingestürzten Brücke in Genua durchführen soll. Binnen 15 Tagen soll der private Autobahnbetreiber Autostrade per l'Italia nachweisen, dass er alle vertraglichen Verpflichtungen zur Wartung der Brücke erfüllt habe, so das Ministerium. Die Ergebnisse der Arbeit seien dann die Grundlage, um über eine mögliche Entziehung der Lizenz zu entscheiden.

Die Muttergesellschaft Atlantia - der größte Betreiber mautpflichtiger Straßen - wurde aufgefordert, sofort den Wiederaufbau der Brücke auf eigene Kosten anzugehen. Auch für die unter der Brücke zerstörten Gebäude müsse Atlantia aufkommen. Das Unternehmen wird von der Familie Benetton kontrolliert, die 88 Prozent besitzt.

Während eines Unwetters am Dienstag war ein etwa 180 Meter langer Abschnitt des wichtigen Polcevera-Viadukts in der italienischen Hafenstadt in die Tiefe gestürzt und hatte zahlreiche Fahrzeuge mitgerissen.

Hunderte Rettungskräfte suchen weiter nach Vermissten

Auch in der Nacht waren noch Hunderte Helfer an der Unglücksstelle im Einsatz und suchten nach Vermissten. Die Chancen, Überlebende zu finden, sind fast drei Tage nach der Tragödie aber schwindend gering. Am Samstag um 11.30 Uhr soll ein Staatsbegräbnis für die Opfer stattfinden. Die Behörden haben bislang 38 Tote bestätigt. Elf Verletzte werden noch in Krankenhäusern behandelt.

Regierungsmitglieder hatten bereits am Mittwoch die Verantwortung für das Unglück dem Betreiber Autostrade per l'Italia zugewiesen. Auch Regierungschef Giuseppe Conte hatte erklärt, dass bereits erste Schritte für den Entzug der Konzession eingeleitet worden seien. Dass jetzt eine Untersuchungskommission eingerichtet wurde, werteten italienische Medien als Zurückrudern.

13 Wohnhäuser evakuiert

Aus Sicherheitsgründen waren insgesamt 13 Wohnhäuser evakuiert worden. 558 Menschen verloren der Präfektur zufolge ihr Zuhause.

Der mehr als 40 Meter hohe Polcevera-Viadukt, der auch Morandi-Brücke genannt wird, spannt sich nicht nur über Wohnhäuser, sondern auch über Gleisanlagen und Fabriken und ist seit langem umstritten. Die Brücke ist Teil der Autobahn 10 und verbindet den Osten mit dem Westen der Stadt. Sie ist als Urlaubsroute "Autostrada dei Fiori" bekannt und eine wichtige Fernstraße nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei.

Hintergrund: Autostrade per l'Italia

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