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Brunei führt Todesstrafe ein - Steinigung von Homosexuellen: Weltweit Empörung

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Ab nächster Woche sollen Homosexuelle in Brunei mit dem Tod durch Steinigung bestraft werden können. Die Pläne des Sultanats rufen weltweit Bestürzung und massive Kritik hervor.

Mehr verfolgte Homosexuelle können Entschädigung beantragen (Symbolbild)
Homosexuelle können in Brunei künftig mit der Todesstrafe belangt werden (Symbolbild)
Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa

Im Sultanat Brunei droht Homosexuellen künftig die Todesstrafe, und zwar auf besonders grausame Art: Wer sich beim Geschlechtsverkehr erwischen lässt, muss damit rechnen, zu Tode gesteinigt zu werden. Die mittelalterliche Strafe kann von nächster Woche an verhängt werden. Grundlage dafür ist die Scharia, die islamische Rechtsprechung. International gibt es massive Kritik. Auch Ausländer müssen aufpassen. Das Auswärtige Amt mahnte, sich vor einer Reise nach Brunei genau zu informieren.

Bei gleichgeschlechtlichem Sex droht die Todesstrafe

In dem Kleinstaat auf der südostasiatischen Insel Borneo ist die große Mehrheit der Einwohner muslimischen Glaubens. Seit einiger Zeit sind dort konservative islamische Kräfte auf dem Vormarsch. Der autoritär regierende Sultan Hassanal Bolkiah - mit einem Vermögen von vielen Milliarden Euro einer der reichsten Monarchen der Welt - begann schon 2014 damit, die Scharia einzuführen. Am kommenden Mittwoch werden die Gesetze verschärft.

Hassanal Bolkiah, Sultan von Brunei, droht Homosexuellen.
Hassanal Bolkiah, Sultan von Brunei, droht Homosexuellen mit der Todesstrafe.
Quelle: VNA/XinHua/dpa

Schwule und Lesben werden in der ehemaligen britischen Kolonie seit Langem unterdrückt. Bislang steht auf homosexuelle Beziehungen bis zu zehn Jahre Haft. Homosexualität war auch schon zu Kolonialzeiten offiziell verboten. Vom 3. April an kann Sex zwischen Männern oder Sex zwischen Frauen nun mit öffentlichen Züchtigungen durch den Stock bestraft werden - oder auch, wenn das Gericht der Meinung ist, besonders hart urteilen zu müssen, mit der Todesstrafe. Diese Drohung richtet sich vor allem gegen homosexuelle Männer.

Massive Kritik weltweit

Menschenrechtler reagieren bestürzt auf die bevorstehenden Gesetzesänderungen. "Das ist eine schreckliche Entscheidung", sagte Wolfgang Büttner von Human Rights Watch an diesem Donnerstag in Berlin. Die Todesstrafe an sich sei schon grausam und menschenverachtend. "Dass sie in Brunei jetzt auch gegen Homosexuelle verhängt werden soll, ist völlig absurd und ein schwerer Rückschlag im Kampf für die Rechte von Homosexuellen weltweit."

Büttner rief die internationale Gemeinschaft auf, klare Worte gegenüber Brunei zu finden, "so dass der Beschluss wieder rückgängig gemacht wird". Die Erfahrung zeige, dass internationaler Druck etwas bewirken könne. Auch in afrikanischen Ländern wie Uganda oder Kenia werde die Todesstrafe bei gleichgeschlechtlichem Sexualverkehr immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Doch wenn die Länder merkten, welche Proteste das auslöse, zögen sie das Vorhaben wieder zurück. Die FDP-Fraktion im Bundestag forderte auf Twitter derweil individuelle Sanktionen für Politiker, die Steinigungen zulassen.

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Amputationen bei Diebstahl

Verschärft werden auch die Strafen für Diebstahl: Künftig müssen Diebe damit rechnen, dass ihnen Hände und Beine amputiert werden. Amnesty International appellierte an Brunei, auf solch "grausame und unmenschliche Strafen" zu verzichten - ohne große Aussicht auf Erfolg. Auch Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz protestierte und forderte das Sultanat auf Twitter auf, die Todesstrafe für Homosexuelle zurückzuziehen. In Brunei gab es in jüngerer Zeit mehrfach Todesurteile. Hingerichtet wurde aber schon seit Jahren niemand mehr.

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Im Unterschied zu anderen südostasiatischen Ländern spielt Tourismus in dem Sultanat keine große Rolle - also auch Sex-Tourismus nicht. Trotzdem können auch Ausländer nach Scharia-Recht verurteilt werden. Die Bundesregierung empfiehlt in den Reisehinweisen des Auswärtigen Amts allen Brunei-Besuchern, sich mit den neuen Vorschriften vertraut zu machen und warnt: "Einzelne Straftatbestände im Scharia-Recht betreffen auch Nicht-Muslime - insbesondere, wenn ein beteiligter Teil Muslim ist."

Brunei bei Menschenrechtlern schon lange in Kritik

Das frühere britische Protektorat Brunei ist etwa so groß wie Zypern und hat rund 430.000 Einwohner, von denen sich 80 Prozent zum Islam bekennen. Wegen reicher Öl- und Gasvorkommen ist das Pro-Kopf-Einkommen etwa so hoch wie in Spanien. Brunei verfügt über ein Bildungs- und Gesundheitssystem, das als beispielhaft gewertet wird. Amnesty International beklagt aber unter anderem die Einschränkung der Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit und die Diskriminierung von Frauen.

Der Sultan von Brunei hat mit drei verschiedenen Frauen insgesamt zwölf Kinder. Der 72-Jährige, der bereits seit 1967 regiert, lebt in einem riesigen Palast mit mehr als 1.700 Zimmern. Die konservative Auslegung des Korans steht in einem gewissen Gegensatz zum eigenen, sehr luxuriösen Lebensstil. Die "New York Times" schrieb kürzlich, der Sultan habe einen "Ruf der Extravaganz, mit einer Vorliebe für Autos, Häuser, Mätressen und erotische Statuen".

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