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Frankfurter Buchmesse - Sieben Fakten zum deutschen Buchmarkt

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Käuferschwund auf dem Buchmarkt: Junge Menschen schauen lieber Serien als in Bücher. Doch die nachlassende Kauf- und Lesefreude ist nicht das einzige Problem der Branche.

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Archiv: Buchmesse Frankfurt 2017 Quelle: imago stock&people

Bücher entdecken, Autoren treffen: Am 10. Oktober öffnet die Frankfurter Buchmesse für fünf Tage ihre Tore. 2017 lockte die Messe knapp 290.000 Besucher an – so viele wie noch nie. Auch in diesem Jahr scheint das Interesse ungebrochen, obwohl die Buchbranche mit einer Reihe von Problemen kämpft.

1. Drastischer Käuferschwund

Kino trifft Netflix
Boom bei den 20- bis 49-Jährigen: Plattformen wie YouTube und Netflix sind beliebt. Quelle: ap

Immer weniger Bundesbürger kaufen Bücher. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren drastisch zurückgegangen. Nach Erhebungen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels sank die Zahl der Buchkäufer zwischen 2013 und 2017 um 6,4 Millionen. Das entspricht einem Rückgang von satten 17,8 Prozent.

Die höchste Abwanderung ist bei den 20- bis 49-Jährigen zu beobachten. Das Buch habe in dieser Altersgruppe stark an Bedeutung verloren, heißt es in einer Studie des Börsenvereins. Gewinner im Kampf um Aufmerksamkeit und Zeit seien die digitalen Medienangebote. Plattformen wie YouTube und Streamingdienste wie Netflix würden in dieser Altersgruppe boomen. Lesen werde immer öfter durch das Schauen von Serien ersetzt.

2. Umsätze bleiben stabil

Trotz des drastischen Käuferrückgangs sind die Umsätze der Buchbranche in den letzten Jahren insgesamt stabil geblieben. 2017 setzte die Branche 9,13 Milliarden Euro um, 145 Millionen Euro oder 1,6 Prozent weniger als 2016. Nimmt man als Basis das Jahr 2002, ergibt sich ein Umsatzrückgang von gerade einmal einem Prozent.

Die Gründe sind zum einen gestiegene Buchpreise und zum anderen, dass die Käufer im Schnitt mehr Titel erwerben und dafür auch mehr Geld ausgeben. Laut Börsenverein lag das "durchschnittliche Kaufpensum" im letzten Jahr bei 12,4 Titeln, 2013 waren es erst elf. Zugleich stiegen die Ausgaben pro Buchkäufer von 116,70 Euro im Jahr 2013 auf 137,40 Euro im vergangenen Jahr.

3. Internetbuchhandel legt weiter zu

Jeder zweite Umsatz-Euro geht noch immer über die Ladentheken des stationären Buchhandels. Hier wurden 2017 rund 4,3 Milliarden Euro umgesetzt – zwei Prozent weniger als 2016. Der Internethandel machte fast 20 Prozent des Umsatzes aus. Er legte auch 2017 zu – zu Lasten der inhabergeführten Buchhandlungen. Deren Zahl geht weiter zurück – um 80 bis 90 Läden pro Jahr. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2016 bundesweit noch knapp 3.700 Buchläden.

4. Hören statt lesen

Immer mehr Menschen wollen Bücher nicht mehr selber lesen, sondern sich vorlesen lassen. Einer Umfrage der Hörbuchplattform Audible zufolge haben in den letzten zwölf Monaten 18 Millionen Deutsche ein Hörbuch gehört – zwei Millionen mehr als 2017. Fast jeder Zweite nutze dafür bereits sein Smartphone, sagt Audible. Die Amazon-Tochter ist Marktführer auf dem mobilen Hörbuchmarkt. Das Unternehmen bietet nicht nur die Hörbücher der Verlage zum Download an, sondern macht ihnen auch mit selbst produzierten Inhalten Konkurrenz.

5. Self-Publishing boomt

Immer mehr Autoren veröffentlichen ihre Werke in Eigenregie. Sie bieten ihre Bücher über Plattformen wie Amazons Kindle Direct Publishing als E-Books an oder setzen auf Dienstleister wie Books on Demand, die Bücher auf Bestellung drucken. Die traditionellen Buchverlage bleiben außen vor.

Laut Books on Demand war 2017 bereits jede dritte Neuerscheinung ein Werk in Eigenregie, 2016 erst jedes vierte neue Buch. Mit der Zahl der Bücher steigt auch der Umsatz, der insgesamt mit Self-Publishing-Titeln erzielt wird. Doch konkrete Zahlen gibt es nicht. Insbesondere Marktführer Amazon macht keine Angaben über seine Umsätze im Self-Publishing-Bereich.

6. E-Book-Markt stagniert

E-Books haben sich durchgesetzt, verdrängen aber nicht das gedruckte Buch, so das Ergebnis einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom. Danach liest jeder vierte Bundesbürger zumindest hin und wieder ein elektronisches Buch – genauso viele wie 2014. Der Markt stagniert also. Laut Börsenverein ist die Zahl der E-Book-Käufer sogar leicht rückläufig – von 3,8 Millionen im Jahr 2016 auf 3,5 Millionen im vergangenen Jahr.

7. Mehrwertsteuer soll sinken

"E-Books würden sicherlich mehr Leser finden, wenn sie deutlich günstiger als gedruckte Bücher angeboten werden dürften", meint Bitkom-Präsident Achim Berg. Dies aber werde vor allem durch die Mehrwertsteuer auf E-Books verhindert, die derzeit bei 19 Prozent liege. Für gedruckte Bücher gilt dagegen der ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent.

Die Finanzminister der EU-Staaten haben sich kürzlich für eine steuerliche Gleichbehandlung von Büchern und E-Books ausgesprochen. Der Steuersatz für E-Books würde hierzulande dann auf sieben Prozent sinken. "Die Entscheidung kann der Weiterentwicklung digitaler Buchangebote neuen Schwung verleihen", meint Alexander Skipis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

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