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Auftakt in Leipzig - Streit um rechte Verlage auf der Buchmesse

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Heute beginnt die Leipziger Buchmesse – schon jetzt wird vor allem über rechte Verlage diskutiert. Für die Messeleitung ist klar: Einen Ausschluss wird es nicht geben.

Unter großem Publikumsinteresse ist am Donnerstag die Leipziger Buchmesse gestartet. Doch die Branche steht unter Druck – immer weniger Menschen kaufen Bücher.

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Die Aufregung war groß vergangenen Herbst. Mitten in der sonst eher ruhigen Atmosphäre auf der Frankfurter Buchmesse standen sich plötzlich Linke und Rechte gegenüber und stritten - nicht auf der Straße, sondern nur unweit der Verlagsstände. Die Situation eskalierte so weit, dass der Verleger Achim Bergmann von einem Publikumsgast am Stand des rechten Verlages Junge Freiheit niedergeschlagen wurde, sogar die Polizei musste einschreiten. Dass solche Szenen sich nicht wiederholen ist nun die große Hoffnung für die Leipziger Buchmesse.

Große Diversität

Denn auch, wenn diese mit ihrem breiten Angebot zwischen Belletristik, Sachbüchern und Comics eine große Diversität an Inhalten bietet, dominiert schon jetzt vor allem eine Debatte, die um rechte Verlage auf der Buchmesse. Erneut gibt es vehementen Protest gegen ihre Präsenz in Leipzig. Die Kampagne "Verlage gegen Rechts" hat sich deshalb als ein Zusammenschluss diverser unabhängiger Kleinstverlage gegründet.

Mehr als 80 Verlage und über 200 Einzelpersonen haben sich ihr angeschlossen, bislang jedoch keiner der großen Verlage. Die Initiatoren haben es sich für die Leipziger Buchmesse zur Aufgabe gemacht, "über die Inhalte der Verlage zu reden und die rechte Ideologieproduktion zu analysieren", wie die Sprecherin Lisa Mangold erklärt. Mit einer Veranstaltungsreihe unter dem Motto "Die Gedanken sind bunt" sollen Lesungen und Vorträge dazu beitragen, dem Buchmessenpublikum die Kritik an den Verlagen nahezubringen.

Junge Freiheit zieht Stand zurück

Zuvor gab es seitens der Gegner der rechten Verlage Versuche, diese auf der Messe ganz zu verbieten. Ein entsprechender Antrag der Linksfraktion im Stadtrat wurde abgelehnt. Auch Oliver Zille, Direktor der Leipziger Messe, sieht für diese Maßnahme keine Grundlage. "Wir haben ein Neutralitätsgebot. Das heißt, dass wir nicht nach politischen Meinungen, sondern nach Gesetzeslage beurteilen." Entscheidend sei, was auf der Messe selbst passiert. "Es gibt eine klare rote Linie: Wenn zur Gewalt aufgerufen oder rassistisch gehetzt wird, dann wird die Veranstaltung abgebrochen, die Publikationen eingezogen, der Stand geschlossen und die Leute des Hauses verwiesen."

Dennoch ist der "Junge Freiheit"-Verlag mit der Begründung, es sei "rufschädigend", dass ihr Stand im "rechtsextremen Block" stehe, kürzlich von seiner Teilnahme zurückgetreten. Tatsächlich hat die Messeleitung Verlage wie die "Junge Freiheit" nebst der NPD-nahen "Deutsche Stimme" oder "Antaios", dem Verlag des neurechten Ideologen Götz Kubitschek, räumlich nah beieinander platziert. Um Tumulte zu vermeiden, hat die Messe nun in Kooperation mit Polizei und Staatsschutz ein mehrstufiges Sicherheitskonzept erarbeitet. So will man garantieren, dass alle Veranstaltungen durchgeführt werden können.

Viele weitere Themen

Auch wenn das Thema viel Aufmerksamkeit zieht, sind es im Vergleich zur Gesamtdichte an Ausstellern vergleichsweise wenige Verlage, die rechte Inhalte publizieren. Nicht zuletzt deshalb verdeutlicht Oliver Zille, sei es zwar nötig, dass politische Debatten auf der Buchmesse geführt würden, er aber dennoch darauf hoffe, dass nicht alles in der einen Debatte untergehe. Für Verlage gegen Rechts bleibt klar: "Kultur und Literatur sind politisch", wie Mangold sagt.

Auch deshalb gibt es zum Auftakt der Buchmesse neben den Veranstaltungen eine Kundgebung mit dem Thema "Meinungsfreiheit nutzen. Rechten widersprechen". Für die Messeleitung hingegen ist wichtig, dass das Augenmerk auch auf die zahlreichen anderen Aussteller gelegt wird. Gastland ist in diesem Jahr Rumänien. Außerdem findet als Rahmenprogramm zur Buchmesse das Lesefest Leipzig liest mit rund 3.000 Veranstaltungen statt.

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