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Vor dem G20-Gipfel - Buenos Aires wird zur Hochsicherheitszone

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Die Bilder der Ausschreitungen beim G20-Gipfel in Hamburg sind noch in Erinnerung: Ein großes Sicherheitsaufgebot soll so etwas in der argentinischen Hauptstadt verhindern.

Absperrungen in Buenos Aires, Argentinien, aufgenommen am 28.11.2018
Absperrungen in Buenos Aires, Argentinien.
Quelle: Reuters

Einen kleinen Vorgeschmack auf das, was Buenos Aires noch bevorsteht, gab es bereits in dieser Woche. Die Sicherheitsbehörden schotteten die argentinische Hauptstadt schon mal probeweise ab, die Stadtverwaltung der riesigen Metropole empfahl ihren Bewohnern, das Haus besser nicht zu verlassen.

Proteste angekündigt

Am Freitag beginnt in Argentinien der G20-Gipfel, seit Tagen befindet sich die Stadt bereits in einem Ausnahmezustand. Die Behörden haben ein Konzept entwickelt, das verhindern soll, dass es zu ähnlichen Ausschreitungen wie im vergangenen Jahr in Hamburg kommt. Damals war das Entsetzen groß, als es in der Innenstadt zu schweren Verwüstungen kam. Deshalb haben die Sicherheitskräfte die Stadt in drei Gefährdungszonen eingeteilt: eine Region der maximalen Sicherheit, eine mit einer Region mit besonderen Vorkehrungen und eine Zone mit eingeschränkten Verkehrsmöglichkeiten.

Kritiker des G20-Gipfels haben Proteste angekündigt. Gewerkschaften und soziale Bewegungen wollen für eine gerechtere Weltordnung demonstrieren. Obendrein befindet sich Argentinien seit Jahren in einer tiefen Krise. Argentiniens Staatspräsident Mauricio Macri, der Ende kommenden Jahres wiedergewählt werden will, hat bislang die Armut im Land nicht entscheidend reduzieren können, wie er nach seinem Wahlsieg Ende 2015 nach zwölf Jahren Nestor und Cristina Kirchner an der Macht angekündigt hatte. Rund elf Millionen Argentinier leben in Armut.

Fußballfinale wegen Krawallen abgesagt

"Wer gewalttätig wird, muss die juristischen Konsequenzen tragen", sagte die für die Sicherheit zuständige Ministerin Patricia Bullrich. Die Vorfälle rund um das abgesagte Finale der südamerikanischen Champions League, der Copa Libertadores, zwischen den beiden Stadtrivalen River Plate und Boca Juniors, haben die Nerven der Beteiligten zusätzlich strapaziert. Das erste Stadtderby zwischen den beiden populärsten Klubs aus Buenos Aires im Endspiel des wichtigsten südamerikanischen Wettbewerbs endete im Chaos, nachdem am Wochenende vor dem Rückspiel Anhänger von River Plate den Bus der Boca Juniors attackierten – trotz großer Sicherheitsmaßnamen.

Argentiniens Präsident Mauricio Macri, selbst einmal Präsident der Boca Juniors, nannte es "verrückt", dass praktisch die ganze Stadt militarisiert werden müsse, um ein Sportereignis austragen zu können. Die Vorfälle um das Fußballspiel forderte personelle Konsequenzen: Buenos Aires Minister für Sicherheit, Martin Ocampo, trat zurück.

Demonstration vor dem G20-Gipfel in Buenos Aires, Argentinien, aufgenommen am 28.11.2018
Demonstration vor dem G20-Gipfel in Buenos Aires, Argentinien.
Quelle: Reuters

Bewegungsfreiheit in Innenstadt stark eingeschränkt

Nun soll eine große Armada von 22.000 Polizisten für Sicherheit sorgen. Vor allem der Uferabschnitt um die Costa Salguero und den Hafen sind eine Hochsicherheitszone. Die bei Touristen wie bei Einheimischen beliebten Ausgehviertel Palermo und Recoleta sind wenn überhaupt nur eingeschränkt erreichbar. Überall haben die Sicherheitskräfte Sperren aus Metallgittern aufgebaut. Die Mobilität ist somit stark eingeschränkt.

Buenos Aires' Prachtstraße, die Avenida des 9. Juli, ist nur noch zu bestimmten Zeiten frei erreichbar. Gleiches gilt für das Museum der lateinamerikanischen Kunst in Buenos Aires. Das 2001 eröffnete Kunstmuseum an der Avenida Figueroa Alcorta im Stadtteil Palermo wird Schauplatz des Treffens der First Ladys. Auch rund um das Theater Colon, wo ein Gala-Dinner für die Staats- und Regierungschefs stattfinden wird, ist dann praktisch nicht mehr erreichbar.

Sicherheitskräfte beim Aufbau von Absperrungen in Buenos Aires, Argentinien, aufgenommen am 28.11.2018
Sicherheitskräfte beim Aufbau von Absperrungen in Buenos Aires, Argentinien.
Quelle: AP

Inlandsflughafen für Staatschefs reserviert

Für die Einwohner der Hauptstadt wird es am Freitag besonders schwer von A nach B zu kommen. Die beliebten Kleinbusse, die Metrobusse, der Zug, die U-Bahn, sie alle werden zum Teil die wichtigen Ziele in der Hauptstadt nicht anfahren oder nur weiträumig umfahren können. Der Inlandsflughafen ist von Freitag bis Samstag ausschließlich für die Staats- und Regierungschefs reserviert, ein Teil der Fährverbindungen ins benachbarte Uruguay sind eingestellt.

Am Mittwoch sorgte bereits die Ankunft des wegen des Mordfalles Jamal Khashoggi umstrittenen saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman für ein kleines Verkehrschaos. Der Zugang zum Flughafen Ezeiza war eingeschränkt, Zufahrtsstraßen wurden überraschenderweise bereits kurzfristig gesperrt und sorgten für Ärger bei den Autofahrern.

Kein Arbeitstag für die Einwohner

Informiert haben sich die G20-Organisatoren auch bei der Stadt Hamburg. Und sind unter anderem einem Rat von Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) gefolgt. Argentinien erklärt den ersten Tag des Gipfeltreffens für die Bewohner der argentinischen Hauptstadt zu einem Feiertag. Dies solle die Organisation und Logistik der politischen Großveranstaltung erleichtern, hieß es vor wenigen Wochen aus Buenos Aires.

"Ich kann mir vorstellen, dass diesem Modell in Zukunft auch andere G20-Gastgeberstädte folgen", sagte Grote jüngst. In Hamburg habe es solche Überlegungen nicht gegeben, um nicht das "Gefühl des totalen Ausnahmezustandes" zu vermitteln.

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