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ZDF in ... Altenburg - Was bewegt die Menschen im Osten Thüringens?

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Vier Wochen leben ZDF-Reporter Mathias Kubitza und Kameramann Niklas Grunwald in Altenburg. Was bewegt die Menschen dort? Wo sehen sie ihre Stadt dreißig Jahre nach der Wende?

Obst und Gemüse sind hier Geschichte. In Altenburg werden leere Läden kreativ gestaltet.
Obst und Gemüse sind hier Geschichte. In Altenburg werden leere Läden kreativ gestaltet.
Quelle: ZDF

Die silbergrüne S-Bahn rauscht aus dem Tunnel ins Tageslicht. Draußen Gasometer-Gerippe und Graffiti. Vor vier Minuten bin ich in der Leipziger City zugestiegen, in die S5 Richtung Zwickau. In nur 33 Minuten werde ich ankommen in Altenburg. Von Frankfurt nach Mainz dauert's länger. Mein Ziel: Abgehängt im Nirgendwo? Schienentechnisch jedenfalls nicht. Altenburg könnte also profitieren von der umstrittenen, milliardenschweren Leipziger Untertunnelung, die den schnellen S-Bahnverkehr seit sechs Jahren möglich macht.

Doch so sieht es bei Ankunft erstmal gar nicht aus: Der Altenburger Bahnhof, ein Palast in Neorenaissance, ist innen tot. Und drum herum auch. Schräg gegenüber stehen Gründerzeithäuser so hoch und herrschaftlich wie am Prenzlauer Berg in Berlin. Doch geschätzt jeder dritte stuckverzierte Schatz gammelt vor sich hin: "Zu vermieten", "zu verkaufen". Warum tut das keiner, wenn nicht weit von hier, in Leipzig, die Mieten explodieren?

Viel zu viele Häuser

Dieses Viertel fasziniert sofort. Die Stadt war also mal viel größer. Jetzt gibt's viel zu viele Häuser für immer weniger Menschen. In den Achtzigern lebten 55.000 hier, heute sind es etwa 31.000. Die, die nach der Wende blieben, sind nun alt. Vor allem deshalb sank die Arbeitslosenquote im Altenburger Land auf nunmehr sieben Prozent. Viele der Dagebliebenen haben das Rentenalter erreicht. In ihren ersten Leben, vor 1989/90, bauten sie Uran bei der nahen Wismut ab, baggerten Braunkohle oder veredelten sie in den Chemiekombinaten südlich von Leipzig.

Karte: Altenburg - Thüringen
Quelle: ZDF

Altenburg, einst ernestinische Residenz, wandelte sich schon im 19. Jahrhundert zu einer typischen Industrie- und Arbeiterstadt. Chemnitz, Zwickau, Gera - alles um die Ecke. In der DDR die wichtigste Industrieregion. Die wirtschaftlichen Wendewirren trafen viele Altenburger hart. Wie ist die Stimmung in der Stadt, dreißig Jahre nach der "Friedlichen Revolution" und kurz vor der Thüringer Landtagswahl?

Eine erste Zufallsbegegnung, ein Bratwurstbrater am Markt. Der etwa Fünfzigjährige haut raus, wie er die Lage sieht. "Unter mir wohnt jetzt eine Negerfamilie. Wenn jemand meiner Frau was tut, dann bring‘ ich den um." Ein Stammgast ruft darauf: "Ich besorg‘ dir Benzin." Seinen Namen will der offen rechtsextreme Bratwurstbrater nicht verraten, weil die Polizei ihn auf dem Kieker habe, wegen seiner Aktivitäten bei Facebook.

"Eigentlich eine geile Stadt"

Ein paar Meter weiter leckt Dominik Lietz mit einem Kumpel Eis. Altenburg, meint der Zwanzigjährige, "ist eigentlich eine geile Stadt. Du hast viele Möglichkeiten, was draus zu machen, gerade für Leute in unserem Alter". Viele würden aber früh absacken. Warum? "Die Stadt ist ein großer Umschlagplatz für Drogen." Crystal Meth würde hier eine große Rolle spielen. Vom Markt um die Ecke sitzt Anja Fehre in einer noch leeren Ladenfläche am Laptop. Freudestrahlend erzählt sie von 700.000 Euro Fördermittel vom Bund, mit denen sie nun Projekte zur Wiederbelebung der Stadtgesellschaft auf die Beine stellen kann.

Altenburg, Thüringen
Der Altenburger Markt mit Rathaus und Brüderkirche
Quelle: ZDF

Die Dreißigjährige ist gebürtige Altenburgerin und will in ihrer Stadt bleiben. Sie sieht Potential und kennt so gut wie jeden, der sich hier engagiert. Aus ihr sprudeln ein Dutzend Namen, die für uns sicher nützlich sind. Auch der Theaterintendant hat mich inzwischen kontaktiert. Auf sein traditionsreiches Haus, das gerade vor einer riesigen Renovierung steht, soll das ZDF unbedingt schauen.

Worüber sollen wir in Altenburg außerdem berichten? Erzählen Sie's dem ZDF! Per Mail an zdfin@zdf.de.

Altenburg: Zahlen und Fakten

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