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Bund-Länder-Initiative - Fack ju Chancenlosigkeit

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Benachteiligte besuchen oft Brennpunktschulen - wo sich die Benachteiligung dann potenziert. Dieser Teufelskreis soll nun durchbrochen werden. Es gibt Anlass für Hoffnung.

Wer früher in Bremen die Oberschule Helgolander Straße besuchte, war gebrandmarkt. Gewalt und Drogen waren regelmäßiger Pauseninhalt, die Leistungen der Schülerinnen und Schüler rangierten im Bremer Vergleich ganz unten - und Bremen war bundesweit Schlusslicht.

Heute Morgen sitzen im Raum einer 8. Klasse 13- und 14-Jährige unterschiedlichster Herkunft in einem Stuhlkreis - und lassen einander geduldig ausreden. In der wöchentlichen Runde loben und kritisieren sie einander, sprechen über Organisatorisches - zurzeit wird ein Herbstfest geplant -, und legen gemeinsame Ziele für die Klasse fest. Gelernt wird nach individuellen Wochenplänen, je nach Niveau.

Bremen - plötzlich Vorbild

Eine solche Wandlung hätten wohl allenfalls kühnste Optimisten für möglich gehalten - ehe Bremen  2005 ein umfangreiches Förderprogramm für Brennpunktschulen auflegte. Ingrid Brücker-Götz, die schon damals Lehrerin dabei war und nun seit sechs Jahren Schulleiterin ist, sagt, das wichtigste bei diesem Förderprogramm sei gewesen, "dass wir uns über die Landesgrenze hinweg informieren konnten, uns bei anderen Schulen bestimmte Konzepte anschauen konnten - und dass das finanziert wurde durch Mittel, die wir nicht selber aufbringen mussten".

Exakt dieses Modell, dass Brennpunktschulen beim Problemumgang voneinander lernen und in der Folge ähnliche Bilderbuch-Wandlungen vollziehen wie die Bremer, ist Ziel der nun gestarteten Bund-Länder-Initiative "Schule macht stark". Wissenschaftler sollen hierzu mit Praktikern gemeinsam Konzepte erarbeiten, die am Ende als Blaupausen von allen bundesweit interessierten Schulen genutzt werden können. In einer ersten Phase werden zunächst 200 Schulen beteiligt, 125 Millionen Euro stehen insgesamt bereit - über eine Laufzeit von zehn Jahren.

Hilfe bei Integration und Sprachförderung

"Wir wollen damit die Weichen stellen, dass unser Bildungssystem in den nächsten Jahren ein Stück besser und vor allem gerechter wird", so Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU), gute Bildung müsse es überall im Land geben - "auch an Orten, an denen es Familien nicht so gut geht". Ziel sei es, den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg weiter zu reduzieren.

Hervorzuheben ist die - im Vergleich zu anderen Projekten - harmonische Zusammenarbeit von Bund und Ländern, die jeweils die Hälfte der Kosten tragen, wie auch Alexander Lorz betonte. Zur Bildungsgerechtigkeit gehöre auch, so der Präsident der Kultusministerkonferenz weiter, den Schulen in sozial schwierigen Lagen bei Integration und Sprachförderung zu helfen: "An diesen Schulen bündeln sich die Problemlagen, sodass Unterstützung besonders nötig ist." Auch hier müsse es darum gehen, "Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung zu eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeiten zu unterstützen."

Berater, Elternlotsen und Frühstück

Hamburgs Schulsenator Ties Rabe erhofft sich insbesondere durch die "wissenschaftliche Begleitung klare Hinweise darauf, welche konkreten Fördermaßnahmen sinnvoll und erfolgreich sind." In Hamburg etwa wurden folgende Maßnahmen erprobt: Entlastung für Klassenlehrer, damit die sich stärker um Persönliches der Schüler kümmern können; Beratungsteams, die in den Unterricht gehen und Lehrern Tipps geben; sowie Elternlotsen, die die oft passive Elternschaft enger an die Schule binden. Zudem sollte Schule "Heimat" werden - durch bauliche Veränderungen wie auch bessere Versorgung, inklusive Frühstück.

In Bremen war es seinerzeit ebenfalls ein ganzes Bündel an Maßnahmen, das Erfolg brachte. Notwendige Voraussetzung zudem: eine große Bereitschaft im Lehrerkollegium, sich auf Neues einzulassen. Es hat sich gelohnt. Letztes Jahr konnten 42 Prozent der Zehntklässler an ein Gymnasium wechseln. Nach der 4. Klasse hatten gerade mal drei Prozent eine Gymnasial-Empfehlung erhalten.

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