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Nach Pannenserie - Bund will neue Regierungsmaschinen kaufen

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Die Kanzlerin, ihre Minister und zuletzt der Bundespräsident: Immer wieder sind Politiker wegen Pannen an Regierungsfliegern gestrandet. Nun soll es drei neue Maschinen geben.

Archiv: Airbus A340 "Theodor Heuss", ein Regierungsflugzeug, aufgenommen am 13.03.2017 in Berlin
Erst am Mittwoch war Bundespräsident Steinmeier mit dem "Theodor Heuss" genannten Airbus A340 in Äthiopien gestrandet.
Quelle: epa


Die von technischen Ausfällen geplagte Flugbereitschaft der Bundeswehr soll drei neue Langstreckenmaschinen für die Reisen von Ministern und Regierungsvertretern bekommen. Nach einer Serie peinlicher Pannen bei internationalen Flügen will das Verteidigungsministerium dafür Geld in die Hand nehmen. Die Maschinen seien in Auftrag gegeben worden, verkündete Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Dresden, wo sie die Offiziersschule des Heeres besuchte. "Das ist auch nötig, ich glaube, dass merken alle."

"Konrad Adenauer" und "Theodor Heuss" in die Jahre gekommen

Irgendwann kommt der Punkt, wo man zwar so gute Pflege wie nur irgendmöglich machen kann, aber an die Grenze des Alters des Materials gerät.
Ursula von der Leyen begründet den Airbus-Kauf

Die beiden bisher eingesetzten Maschinen "Konrad Adenauer" und "Theodor Heuss" sind bald 20 Jahre alt - und haben zuletzt alle paar Monate als Pannenflieger Schlagzeilen gemacht. Am lautesten beschwerte sich Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU), der in Afrika gleich zweimal binnen weniger Tage mit der Flugbereitschaft liegengeblieben war, allerdings in der kleineren - und neueren - Bombardier Global 5000. Die Pannen seien ein Debakel für Deutschlands Ruf als High-Tech-Land, schimpfte er. Das schade der Marke "Made in Germany". Wegen eines weiteren Defekts an der "Theodor Heuss" war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erst am Mittwoch in Äthiopien kurzzeitig gestrandet.

"Irgendwann kommt der Punkt, wo man zwar so gute Pflege wie nur irgendmöglich machen kann, aber an die Grenze des Alters des Materials gerät", sagte von der Leyen an diesem Freitag. "Es ist die allgemeine Bereitschaft im Kabinett hergestellt, und wir arbeiten jetzt mit Hochdruck daran, diese neuen Flieger zu bekommen."

Umbau würde Zeit in Anspruch nehmen

Nach "Spiegel"-Informationen plant das Verteidigungsministerium den Kauf von insgesamt drei neuen Airbus A350 direkt vom Hersteller, einen davon bereits in diesem Jahr. Ein solche Maschine kostet, wenn sie nicht umgebaut wird, nach Angaben von Experten bis zu 180 Millionen Euro.

Ein bei Regierungsfliegern aber typischer Umbau auf die Ausstattung als Regierungsmaschine mit Schlaf- und Konferenzraum inklusive eines Sicherheitspakets und Kommunikationsanlagen kostet etwa weitere 100 Millionen Euro. Je nach Zeitplan könnte es dann bis ins Jahr 2022 dauern, bis die erste Maschine in dieser Form einsatzbereit wäre.

Reichweite von 15.000 Kilometern

Nach Angaben der Luftwaffe gehören derzeit 14 Flugzeuge der Hersteller Airbus und Bombardier zur Flugbereitschaft der Bundeswehr. Die Flotte soll unter anderem Regierungsmitglieder auf Kurz-, Mittel- und Langstrecken befördern.

Der A350 ist eines der modernsten Verkehrsflugzeuge; der zweistrahlige Jet hat eine durchschnittliche Reichweite von 15.000 Kilometern. Die Bundeswehr hofft durch den Kauf der neuen A350-Modelle, dass diese weniger anfällig für Pannen sind. In einem vertraulichen Statusbericht aus diesem Monat heißt es laut "Spiegel", die Flugbereitschaft sei mit den aktuellen Politiker-Flügen "ausgelastet", die Aufträge könnten "aktuell noch knapp bedient werden".

Bundeswehr versteht den Ärger

Ein Luftwaffensprecher hatte jüngst gesagt, Verärgerung über Pannen sei verständlich. Statistisch gesehen fielen aber nur wenige Flüge aus: "In den vergangenen zwei Jahren 18 ausgefallene Flüge von 1600 im politisch-parlamentarischen Bereich. Da sind wir unter zwei Prozent", sagte er.

Mit Spannung wird in Berlin erwartet, ob Merkel an diesem Sonntagabend ohne neue Panne am Regierungs-Airbus "Theodor Heuss" zu ihrem zweitägigen Japan-Besuch nach Tokio und am Dienstag wie vorgesehen zurückfliegen kann. Nach einem schweren Defekt an der baugleichen Schwestermaschine "Konrad Adenauer" kurz nach dem Start zum G20-Gipfel in Buenos Aires hatte Merkel Ende November per Linie nach Argentinien fliegen müssen. Der Airbus "Konrad Adenauer" wurde seither nicht mehr zur Beförderung etwa von Merkel oder Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier benutzt. Er soll bis Ende März gründlich überholt werden.

FDP: Kommt zu spät

Der Haushaltsexperte der FDP, Karsten Klein, findet, "die Entscheidung, neue Flugzeuge zu beschaffen, kommt Jahre zu spät". Der Schaden für Deutschlands Ansehen durch die Flugausfälle der Flugbereitschaft "wird uns noch lange anhängen", gab FDP-Politiker Klein Entwicklungsminister Müller fest. Daher begrüße er die nun anstehenden Neuanschaffungen. Die Bundesregierung müsse auch gewährleisten, dass genügend Flugpersonal bereitstehe. "Denn auch nicht einsatzbereites Personal hat in der Vergangenheit zu Verzögerungen geführt", so Klein.

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