Anklage gegen mutmaßlichen Amri-Komplizen

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Ermittler: Konkrete Terrorpläne - Anklage gegen mutmaßlichen Amri-Komplizen

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Gab es ein Berliner Terrornetzwerk? Wegen angeblicher Anschlagspläne steht ein Islamist bald vor Gericht, der Kontakt zum Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri gehabt haben soll.

Der Islamist Magomed-Ali C. wurde in Berlin verhaftet.
Der mutmaßliche Amri-Komplize Magomed-Ali C. wurde im August 2018 in Berlin verhaftet. Nun wird Anklage erhoben.
Quelle: Uli Deck/dpa

Die Bundesanwaltschaft hat gegen einen Islamisten aus Berlin Anklage erhoben, der mit dem späteren Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri einen Sprengstoffanschlag in Deutschland geplant haben soll. Der Fall stützt die These von Ermittlern und Experten, dass Amri Teil eines Terror-Netzwerks in der deutschen Hauptstadt gewesen sein könnte.

Verdächtiger soll Sprengstoff in Wohnung gehabt haben

Magomed-Ali C. sitzt seit August in Untersuchungshaft. Ihm soll es laut Anklage darum gegangen sein, "möglichst viele Menschen zu töten oder zumindest zu verletzen". An dem Vorhaben, von dem sie nach einer Polizeiaktion Abstand genommen haben sollen, sei neben dem Tunesier Amri auch der inzwischen in Frankreich inhaftierte Komplize Clément B. beteiligt gewesen, teilte die Bundesanwaltschaft mit und bestätigte damit einen Bericht auf "Zeit Online". Magomed-Ali C. soll am Berliner Kammergericht der Prozess gemacht werden.

Der aus Dagestan stammende 31-Jährige ist russischer Staatsangehöriger. Er wird verdächtigt, im Oktober 2016 in seiner Wohnung "eine nicht unerhebliche Menge" des Sprengstoffs TATP aufbewahrt zu haben. Diesen soll er gemeinsam mit Clément B. beschafft oder hergestellt haben, der dafür zu ihm nach Berlin kam. Der Sprengstoff wurde bis heute nicht gefunden.

Keine Beteiligung an Weihnachtsmarkt-Anschlag

Von Amris Plänen für den Berliner Weihnachtsmarkt wussten aber nach bisherigen Erkenntnissen weder Magomed-Ali C. noch Clément B. Am 19. Dezember 2016 hatte Anis Amri einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz gesteuert und dabei zwölf Menschen getötet; mehr als 70 Menschen wurden damals verletzt.

Magomed-Ali C. war den Ermittlungen zufolge Ende 2011 nach Deutschland gekommen. In Berlin bewegte er sich demnach im "radikalislamistischen Umfeld" des mittlerweile verbotenen Moscheevereins Fussilet 33. Er habe sich dann der Terrormiliz IS in Syrien anschließen wollen; seine Ausreise scheiterte aber, weil das Berliner Landeskriminalamt auf ihn aufmerksam geworden war.

Durch Gefährderansprache aufgescheucht?

Auf der Suche nach weiteren Gleichgesinnten sei ab 2015 der Kontakt zu Amri und zu Clément B. entstanden. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Trio durch einen Besuch der Berliner Polizei bei Magomed-Ali C. am 26. Oktober 2016 aufgeschreckt wurde und sich dann vorsichtshalber trennte. Die Beamten hatten geklingelt, um Magomed-Ali C. zu sagen, dass sie ihn auf dem Schirm hätten - eine sogenannte Gefährderansprache, wie das im Polizeijargon heißt. Von dem Sprengstoff, der damals möglicherweise in der Wohnung lagerte, haben die Beamten nach bisherigen Erkenntnissen wohl nichts gewusst.

Diese Vorgehen der Berliner Polizei hatte gleichwohl später für Kritik gesorgt. So sagte der Leiter des Berliner Landeskriminalamtes, Christian Steiof, im Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz: "Eine Gefährderansprache zu machen, wenn ich konkrete Hinweise darauf habe, dass die vielleicht sogar an dem Aufenthaltsort, wo eine Gefährderansprache stattfinden soll, schon Sprengstoff herstellen sollen, ist schon aus Eigensicherungsgründen auf keinen Fall die klügste Lösung."

Komplize Clément B. in Frankreich gefasst

Die Linke-Obfrau im Untersuchungsausschuss des Bundestages, Martina Renner, sagte: "Amri war Teil eines größeren dschihadistischen Netzwerks mit konkreten Anschlagsplänen." Auch vor diesem Hintergrund sei diese "Gefährderansprache" falsch gewesen. "Damit wurde die Gruppe gewarnt und aufgescheucht." Der FDP-Innenpolitiker Benjamin Strasser sagte: "Gegen Amri lief damals noch eine Telekommunikationsüberwachung und es gab Kameraaufnahmen. Beides wurde nicht konsequent ausgewertet."

Clément B. verließ nach der Polizeiaktion Berlin. Er wurde im April 2017 in Frankreich gefasst, kurz vor der Präsidentschaftswahl dort. Mit einem weiteren Komplizen soll er einen weiteren Anschlag vorbereitet haben. Bei ihnen wurden Sprengstoff, Waffen, Munition und eine IS-Flagge gefunden.

Viele Spuren, viele Hinweise

Über andere Kontakte Amris war 2016 der marokkanische Geheimdienst auf den Tunesier aufmerksam geworden. Das geht aus Unterlagen hervor, über die das Bundeskriminalamt (BKA) im November 2016 die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern informierte. In einem Vermerk heißt es, Amri sei ein  "Islamonaut" und wolle "ein Projekt" ausführen, über das er am Telefon nicht sprechen könne. Die Marokkaner baten das BKA damals um weiterführende Erkenntnisse zu Amri, sowie zu einem Marokkaner und einem Franko-Marokkaner, die zu seinem Kontaktkreis gehörten. Sie interessierten sich dabei besonders für mögliche Kontakte zu Angehörigen der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Syrien, Libyen oder dem Irak.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz wurde damals gebeten, den Hinweisen aus Marokko nachzugehen. Wie im Untersuchungsausschuss des Bundestages zu dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz bekannt wurde, fragte der Nachrichtendienst aber lediglich beim US-Geheimdienst nach, was von den Hinweisen zu halten sei. Die Antwort der Amerikaner kam erst nach dem Anschlag.

Einen weiteren Islamisten, der mit Amri in Kontakt stand, will der Untersuchungsausschuss als Zeugen vernehmen. Der Tunesier Bilal Ben Ammar war allerdings im Februar 2017 in sein Heimatland abgeschoben worden. Es gibt Hinweise, dass er sich noch immer in Tunesien aufhält. Wann und wo ihm die Abgeordneten Fragen stellen könnten, ist ungeklärt.

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