ZDFheute

Das Aus für dicke Plastiktüten rückt näher

Sie sind hier:

Kabinett beschließt Gesetzentwurf - Das Aus für dicke Plastiktüten rückt näher

Datum:

Keine Plastiktüten mehr an den Supermarkt-Kassen ab 2020 - das hat das Bundeskabinett beschlossen. Aber: Dünne Beutel für Obst sowie Müll-Plastiksäcke soll es weiter geben.

Eine Plastiktüte liegt am 21.11.2014 am Rand einer Straße in Berlin
Quelle: dpa

Beutel, Rucksack oder Tragenetz - aber jedenfalls keine Plastiktüte: An Deutschlands Ladenkassen sollen Einweg-Tragetaschen aus Kunststoff verboten werden. Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf von Umweltministerin Svenja Schulze beschlossen. 1,6 Milliarden Tüten im Jahr sollen damit eingespart werden. Im Kampf gegen Plastikmüll ist das aber nur ein Schritt von vielen.

Mehrwegtaschen statt Plastiktüten

In dem Gesetz geht es um die typischen Tüten, die man im Supermarkt oder anderen Geschäften beim Bezahlen bekommt und die in aller Regel inzwischen etwas kosten - nicht aber um Müllbeutel oder andere, die nicht zur Verpackung gedacht sind. Auch dünne Beutel etwa für Obst oder Gemüse bleiben ebenso erlaubt wie stabilere Tüten.

"Plastiktüten sind der Inbegriff von Ressourcenverschwendung: Sie werden aus Rohöl hergestellt und oft nur wenige Minuten genutzt", sagte die SPD-Politikerin Svenja Schulze in Berlin. Das Verbot sei ein Signal gegen Wegwerfmentalität. Obwohl die Nutzung der nun vom Verbot betroffenen Tüten zurückgegangen sei, würden noch 1,6 Milliarden Stück pro Jahr verbraucht. "Immer mehr Menschen gewöhnen sich daran, Mehrwegtaschen dabei zu haben", sagte Schulze und mahnte: Papiertüten seien keine gute Alternative, es solle Mehrweg sein.

Weiterhin Plastiktüten für Obst und Gemüse

Auch sogenannte bio-basierte und bio-abbaubare Tragetaschen sollen verboten werden. Die seien eine "wirkliche Mogelpackung" und mehr Plastik als bio, sagte Schulze. Sie ließen sich oft nicht recyceln, und der Anbau von Pflanzen für die Kunststoffproduktion sei häufig mit Pestizid-Einsatz und Monokulturen verbunden.

Die Ausnahme für sogenannte Hemdchenbeutel am Obst- und Gemüsestand habe Umweltschutzgründe, erklärte Schulze. "Wenn wir das verbieten würden, dann würden wir viel mehr Verpackungen bekommen." Dann würden etwa Äpfel und Birnen wieder stärker in Plastik angeboten. Zu Alternativen wie Mehrweg-Netzen sei man mit dem Handel im Gespräch.

Verbot nur ein erster Schritt

Überhaupt sei das Tüten-Verbot nur ein Baustein im Kampf gegen zu viel Plastikmüll. Verbote für Wegwerfplastik kommen auch aus Brüssel: In der EU ist ab 2021 der Verkauf unter anderem von Plastiktellern und -besteck sowie von Strohhalmen aus Plastik tabu.

Nach dem Kabinettsbeschluss muss der Bundestag sich mit dem Gesetz befassen. Wenn es Bundestag und Bundesrat passiert hat, soll es noch eine rund sechsmonatige Übergangsfrist für die Tüten geben, damit Geschäfte Restbestände an die Kunden ausgeben können. Für den Vollzug sind die Länder zuständig, es drohen Strafen von bis zu 100.000 Euro.

Kritik, aber auch Lob für den Gesetzentwurf

Schulze hatte ein Verbot von Plastiktüten zunächst nicht geplant. Denn seit 2016 gibt es eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels, die Plastiktaschen an der Ladenkasse nicht umsonst rauszugeben. Der Verbrauch ging insgesamt von 68 Stück pro Kopf im Jahr 2015 zurück auf 24 im vergangenen Jahr - von den Tüten mit einer Wandstärke zwischen 15 und 49 Mikrometer, die Schulze nun verbieten will, kamen 2018 noch 20 Stück pro Kopf in Umlauf. Die EU-Vorgaben unterbietet Deutschland damit deutlich. Es sei allerdings nicht zu erwarten, dass der Verbrauch auf der Grundlage dieser Vereinbarung noch signifikant sinken werde, heißt es im Gesetzentwurf.

Den Grünen geht das geplante Gesetz nicht weit genug. Es brauche außerdem eine "verbindlichen Abgabe auf alle restlichen Einwegtüten", forderte ihre umweltpolitische Sprecherin im Bundestag, Bettina Hoffmann. In der Herstellung haben Papiertüten laut Umweltschützern keine bessere Ökobilanz als die Taschen aus Plastik.

"Das Verbot von Plastiktüten heuchelt dem Verbraucher vor, sich durch die Nutzung von Alternativen wie der Papiertüte ökologisch zu verhalten", kritisierte auch FDP-Umweltpolitikerin Judith Skudelny. Die Bundesregierung müsse Studien dazu in Auftrag geben, welche Tragetaschen-Art wie abschneide. Lob kam dagegen von der Deutschen Umwelthilfe: Das Verbot sei "wichtiger Beitrag zur Abfallvermeidung sowie gegen Müll in der Landschaft", sagte Recycling-Experte Thomas Fischer.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.