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Schutz vor Telefon-Abzocke - Bundesnetzagentur geht gegen "Ping Calls" vor

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Valentina Ortmann bekam einen Anruf auf ihrem Handy, es klingelte nur einmal. Die Nummer erschien ihr unverdächtig, sie rief zurück. Zehn Sekunden lang hörte sie nur Gemurmel.

Für die Studentin kam der Schock mit der nächsten Abrechnung: Der Anruf ging in die Elfenbeinküste. Zehn Sekunden kosteten 8,59 Euro. Das perfide: Die Ländervorwahl der Elfenbeinküste (00225) ähnelt der von regionalen Ortsvorwahlen in der Eifel (NRW). So fallen teure Anrufe ins Ausland auf den ersten Blick kaum auf. Die Rechnung kommt zwar zunächst vom deutschen Mobilfunkanbieter. Über standardisierte Abrechnungssysteme mit Netzbetreibern weltweit profitieren aber auch die unseriösen, meist anonymen Anbieter im Ausland und kassieren ihren Anteil.

Vorgeschaltete Ansage für 22 Länder

Die Bundesnetzagentur will Mobilfunknutzer jetzt besser vor solchen Kostenfallen schützen. Netzbetreiber und Anbieter sollen verpflichtet werden, bei Anrufen in bestimmte Länder eine Ansage vorzuschalten, mit der vor hohen Gebühren gewarnt wird. Nach ZDF-Informationen hat die Agentur 22 Länder bestimmt, für die die Regelung ab dem 15. Januar nächsten Jahres gelten soll. Damit sollen teure Rückrufe, die durch "Ping Calls" provoziert werden, verhindert werden. Die Ansage muss aber auch vorgeschaltet werden, wenn zuvor kein Ping-Anruf erfolgt ist, also grundsätzlich bei allen Anrufen aus dem Mobilfunk in diese 22 Länder.

An den Nummern ist oft nur schwer erkennbar, dass sie aus dem Ausland kommen und so hohe Gebühren verursachen. Beispielsweise können die Ländervorwahlen von Tunesien (+216 bzw. 00216), Burundi (+257 bzw. 00257) oder der Elfenbeinküste (+225 oder 00225) leicht mit regionalen Ortsvorwahlen in Deutschland verwechselt werden. Dazu kommen Anrufe in das sogenannte Global Mobile Satellite System mit der Vorwahl 00881, die der Vorwahl von Weilheim in Oberbayern (0881) ähnelt.

50.000 Beschwerden in zwei Monaten

"Wir schützen Mobilfunkkunden vor den Folgen telefonischer Belästigung und schieben den Ping-Anrufen einen Riegel vor", erklärt Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur. Und weiter: "Mit der von uns angeordneten Preisansagepflicht machen wir das rechtswidrige Geschäftsmodell der Täter wirtschaftlich unattraktiv und schaffen Transparenz für den Verbraucher. Die Umgehung des deutschen Verbraucherschutzniveaus nehmen wir nicht hin."

Bei der Bundesnetzagentur gingen allein im Oktober etwa 30.000 Beschwerden über derartige Anrufe ein, im November noch 20.000. Selbst wenn nur einige wenige Handynutzer auf die Masche hereinfallen und zurückrufen, erbeuten die Betrüger mehrere Hundert Euro.

Anrufe bei Bundesnetzagentur melden

Wer trotzdem schon in die Abzock-Falle getappt ist, der könnte vielleicht Glück haben: Die Bundesnetzagentur hat für eine Vielzahl von bereits bekannten Rufnummern ein sogenanntes "Rechnungslegungs- und Inkassierungsverbot" ausgesprochen und die Nummern auf ihrer Homepage veröffentlicht: Die Anrufe dürfen dann nicht abgerechnet werden, selbst wenn sie schon auf der Telefonrechnung aufgeführt sind.

Falls die Nummer des Anrufers nicht in den Listen auftaucht, können Telefonkunden sie bei der Bundesnetzagentur melden. Auch dazu gibt es ein eigenes Formular auf der Homepage. Für alle, die schon bezahlt haben., empfiehlt die Bundesnetzagentur, sich das Geld mit Unterstützung der Verbraucherzentralen zurückzuholen.

Diesen Weg will auch Valentina Ortmann gehen. Und sie wird in Zukunft genauer auf ihr Handy-Display schauen, wer da angerufen hat, bevor sie auf die Rückruf-Taste drückt. Die 8,59 Euro für das Zehn-Sekunden-Telefonat in die Elfenbeinküste will sie sich zurückholen.

„Ping Calls“ häufen sich in jüngster Zeit. Bei den kurzen Anrufen bleibt eine Nummer im Display stehen, meist aus Tschad, Tunesien oder Burundi. Wer diese Nummern zurückruft, wird direkt zur Kasse gebeten.

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