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Zwölf Handwerksberufe - Bundestag führt Meisterpflicht wieder ein

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Der Bundestag beschließt heute die Rückkehr zur Meisterpflicht in bestimmten Berufen. Damit soll die Qualität verbessert und die Ausbildung attraktiver gemacht werden.

Bodenleger verlegt Parkett
Parkettleger soll künftig wieder ein Meisterberuf werden.
Quelle: dpa

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bundestag beschließt Meisterpflicht bei zwölf Handwerksberufen
  • Beratergremium warnt vor steigenden Preisen
  • Handwerksverband beklagt gesunkene Qualität
  • Debatte um neue Aufstiegsprämien und Bonuszahlungen

Der Bundestag hat die Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Berufen beschlossen. Das Parlament verabschiedete am Donnerstag Änderungen der Handwerksordnung. Die Meisterpflicht wird damit für insgesamt zwölf Gewerke wieder eingeführt - darunter sind etwa Fliesen- und Parkettleger, Rollladentechniker oder Orgelbauer. Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen auch weiterhin ihr Handwerk selbstständig ausüben und sollen einen Bestandsschutz erhalten.

Beratergremium warnt: Preise steigen

Die Monopolkommission warnte vor negativen Folgen für Kunden bei einer Rückkehr zur Meisterpflicht in vielen Handwerksberufen. "Aus Sicht der Verbraucher wird der Zugang zu Handwerksleistungen mit der Wiedereinführung der Meisterpflicht schwieriger. Die Wartezeiten und die Preise können steigen", sagte der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach. Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Beratungsgremium der Bundesregierung. Wambach: "Zwar genießen die bereits gegründeten Nicht-Meister-Betriebe einen zeitlich unbegrenzten Bestandsschutz. Markteintritte durch neue Betriebe werden aber deutlich schwieriger, da das Ablegen einer Meisterprüfung kosten- und zeitintensiv ist."

Markteintritte durch neue Betriebe werden aber deutlich schwieriger, da das Ablegen einer Meisterprüfung kosten- und zeitintensiv ist.
Achim Wambach, Vorsitzende der Monopolkommission

"Dieses Gesetz ist ein Schritt zurück", sagte der Kommissionsvorsitzende. "Die hohe Dynamik, die nach der Abschaffung des Meisterzwangs in den deregulierten Handwerksbereichen zu beobachten war, wird nun ohne Not ausgebremst." Nicht ohne Grund mahne die Europäische Kommission regelmäßig, dass Deutschland den Wettbewerb bei reglementierten Berufen verstärken solle.

Bestandsschutz geplant

Im Jahr 2004 war in mehr als 50 Berufen die Meisterpflicht weggefallen. Mit der Reform der Handwerksordnung wollte die Bundesregierung damals einfachere Tätigkeiten für Selbstständige öffnen. Bis dahin durften diese Betriebe nur von ausgebildeten Handwerksmeistern geführt werden. Die schwarz-rote Koalition hatte argumentiert, die Rückkehr zur Meisterpflicht stärke das Handwerk. "Unser Ziel ist, mehr Qualität für die Kundschaft und mehr Nachwuchs im Handwerk durch eine bessere Ausbildung", hatten Unions-Fraktionsvize Carsten Linnemann und SPD-Fraktionsvize Sören Bartol Anfang September mitgeteilt.

Bestehende Betriebe, die derzeit nicht der Meisterpflicht unterliegen, dürfen auch weiterhin ihr Handwerk selbstständig ausüben und sollen einen Bestandsschutz erhalten. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hatte von einem "starken Signal" für Qualität und Qualifikation im Handwerk gesprochen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks hatte sich seit langem für eine Rückkehr zur Meisterpflicht stark gemacht.

Handwerksverband: Qualität gesunken

Wollseifer hatte wiederholt vor Marktverzerrungen gewarnt. Im Handwerk gebe es eine zunehmend Zahl von Solo-Selbstständigen, dies führe zu massiven Problemen etwa bei der Qualität. Seit 2004 sei es in einigen Gewerken zu "Fehlentwicklungen" gekommen, hatte Wollseifer gesagt: "Weniger Auszubildende, weniger Fachkräfte, weniger Qualität, schneller vom Markt verschwindende Betriebe und infolge dessen ein geringerer Gewährleistungs- und Verbraucherschutz."

Uns fehlt eine ganze Generation Handwerksmeister.
Kurt Krautscheid, Handwerkskammer

Die Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz begrüßen die Wiedereinführung der Meisterpflicht, fordern aber weitergehende Schritte zur Förderung der Ausbildung. "Uns fehlt eine ganze Generation Handwerksmeister", sagte Kurt Krautscheid als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Handwerkskammern Rheinland-Pfalz. Die bundesweite Aufhebung der 2004 eingeführten Zulassungsfreiheit in diesen Berufsgruppen dürfe nur ein erster Schritt sein, forderte der Präsident der Handwerkskammer Koblenz.

Ausbildungszahlen stark rückläufig

Krautscheid sprach sich für eine Verdoppelung der Meister- und Aufstiegsprämie sowie eine Bonuszahlung für Gesellen aus, die in ihrem Betrieb bleiben. Außerdem forderte er "Maßnahmen, um die Ausbildung genauso attraktiv zu machen wie ein Studium". Dazu könnte etwa gehören, dass Auszubildende wie Studierende über ihre Eltern krankenversichert bleiben könnten. Betriebe und Auszubildende würden damit gleichermaßen entlastet.

Die Aufhebung der Meisterpflicht in einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit habe dazu geführt, dass die Ausbildungszahlen in diesen 53 Berufen zum Teil dramatisch zurückgegangen seien. "Wer keinen Meisterbrief hat, bildet auch nicht aus", sagte Krautscheid. So ging die Zahl der Auszubildenden für den Beruf des Fliesen-, Platten- und Mosaiklegers im Bezirk der Handwerkskammer Koblenz seit 2003 von 69 auf 45 im vergangenen Jahr zurück, bei den Raumausstattern von 63 auf 31. Gleichzeitig habe sich die Zahl der Betriebe von Fliesenlegern aber verdreifacht.

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