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Auftritte der Parteispitzen - Die Kandidaten im Wahlkampfendspurt

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Noch einmal haben Spitzenpolitiker der Parteien um die Gunst der Unentschlossenen geworben. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz betonte in Berlin soziale Gerechtigkeit. Angela Merkel (CDU) hielt Störern in München vor: "Mit Pfeifen und mit Brüllen wird man die Zukunft Deutschlands mit Sicherheit nicht gestalten."

Kurz vor der Bundestagswahl wollen die großen Parteien noch einmal Wähler mobilisieren und die Gegner schwächen, so auch bei den letzten Wahlkampfauftritten.

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Zwei Tage vor der Bundestagswahl haben in Berlin SPD, Grüne und Linkspartei noch einmal mit Kundgebungen um Wählerstimmen geworben. Die Unionsspitze trat in München auf, die FDP in Bonn. Spannend blieb bis zuletzt vor allem das Ringen um den dritten Platz. Letzte Umfragen sahen dabei allerdings die AfD vorn.

Schulz in Richtung AfD: "Ihr seid unsere Feinde!"

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat im Wahlkampf-Endspurt vor einer vierten Amtszeit von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gewarnt. Der Union seien die Menschen egal. Der Wahlsonntag sei keiner wie jeder andere: "Es geht darum zu verhindern, dass unser Land eine Regierung der sozialen Kälte bekommt", sagte Schulz beim offiziellen Wahlkampfabschluss der SPD am Freitag auf dem Berliner Gendarmenmarkt.

Jeder spüre doch, "dass es in Deutschland brodelt". Er habe es satt zu akzeptieren, dass es einer Frau an der Spitze des Landes egal sei, dass Frauen schlechter bezahlt würden als Männer. Mit Merkel drohten vier Jahre Stillstand - er wolle ein Bundeskanzler sein, der mutig die Zukunft gestalte, sagte Schulz. Der zu erwartende Einzug der AfD in den Bundestag sei eine Zäsur. Die SPD werde die Demokratie verteidigen: "Ihr seid unsere Feinde!", rief Schulz an die Adresse der AfD vor mehreren Tausend Besuchern.

Merkel-Gegner in München: "Hau ab"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wurde bei der Wahlkampfabschlusskundgebung der Union am Freitagabend in München anhaltend ausgepfiffen. Auf den Münchner Marienplatz kamen neben zahlreichen Anhängern auch viele Gegner der Kanzlerin, die mit Trillerpfeifen pfiffen oder "hau ab" in Richtung der Kanzlerin riefen.

Damit wiederholten sich auch am Wahlkampfende Szenen, die es vorher schon an verschiedenen Orten bei Kundgebungen mit Merkel gegeben hatte. Merkel sagte zu Beginn der Rede, sie sei mit CSU-Chef Horst Seehofer und dem CSU-Spitzenkandidaten zur Bundestagswahl, Joachim Herrmann, einig, "mit Pfeifen und mit Brüllen wird man die Zukunft Deutschlands mit Sicherheit nicht gestalten."

In ihrer Rede präsentierte Merkel zentrale Wahlkampfversprechen der Union wie Steuersenkungen, mehr Investitionen in Bildung und einen Ausbau der Digitalisierung. Außerdem bekräftigte sie, in der kommenden Legislaturperiode einen Schwerpunkt auf die Familienpolitik legen zu wollen. Mehrfach lobte die Kanzlerin die Politik der CSU in Bayern als "gute Jahre". Den Konflikt um eine feste Obergrenze für Flüchtlinge blendeten Merkel und Seehofer weitgehend aus. Merkel bekräftigte im Rückblick auf die Flüchtlingskrise 2015 lediglich: "Das, was 2015 war, das darf, das soll und das wird sich auch nicht wiederholen. Wir haben aus den Ereignissen von damals gelernt."

Grüne feiern "Pasta-Party"

Bei einer "Pasta-Party" in einem früheren E-Werk in Berlin-Mitte versuchten die Grünen-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir ihre Anhänger für den Wahlkampf-Endspurt zu motivieren. "Wer will, dass dieses Land gerecht und ökologisch wird, dass dieses Land zusammenhält, der wählt Grün", hob Göring-Eckardt hervor. Sie betonte neben der Umweltpolitik besonders das Thema soziale Gerechtigkeit und rief zum Kampf gegen Kinderarmut auf sowie dafür, "dass man nicht mehr arm ist trotz Arbeit".

Auch Özdemir stellte die grünen Kernthemen Ökologie und Umweltschutz in den Vordergrund: "Nur mit uns gibt es den Ausstieg aus den 20 schmutzigsten Kohlekraftwerken und Vorfahrt für erneuerbare Energien." Weiter rief er dazu auf, die Demokratie in Europa zu verteidigen und dabei "die ausgestreckte Hand" des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu ergreifen. Göring-Eckardt und Özdemir wollten in einem abschließenden "Wahl-Marathon" noch einmal in allen 16 Bundesländern auftreten.

Die Linke: Den Sozialstaat wieder herstellen

Für eine sozialere Politik in Deutschland warb Linken-Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht auf dem zentralen Wahlkampfabschluss ihrer Partei am Berliner Alexanderplatz. Nur wenn die Linke stärkste Oppositionskraft bleibe, "werden sie sich diese ganzen sozialen Sauereien wie die Rente mit 70 nicht trauen", sagte die Fraktionschefin. Mit Blick auf Regierungschefin Angela Merkel (CDU) sagte sie: "Diese Bundeskanzlerin hat keine Verlängerung verdient."

In den vier Jahren große Koalition sei das Land nur "verwaltet, aber nicht gestaltet" worden, kritisierte Ko-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch. Auch er setzte in erster Linie auf soziale Themen: "Am Sonntag geht es auch darum, ob wir die Chance kriegen, den Sozialstaat wieder herzustellen."

FDP-Chef Christian Lindner sagte in Bonn, SPD, Grüne und Linke wollten aus Deutschland eine "Besserungsanstalt" machen. Die AfD hat heute keine bundesweite Abschlusskundgebung.

Endspurt am Samstag

Am Samstag ringen Spitzenpolitiker der Parteien noch einmal um die Stimmen unentschlossener Wähler. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) besucht ihren Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz tritt in Aachen auf. FDP-Chef Christian Lindner wird in Düsseldorf sprechen, Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir in Frankfurt am Main und Linken-Spitzenmann Dietmar Bartsch in Rostock. Am Sonntag sind 61,5 Millionen Deutsche zur Stimmabgabe aufgerufen.

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