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Bundesweite Stadionverbote bestätigt - Ein guter Tag für friedliche Fußballfans

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Er war 16 Jahre alt, als er auffiel - ein Fan des FC Bayern München. Er bekam Stadionverbot. Bundesweit. Dagegen klagte er. Und scheiterte mehrfach. Gut so!

HSV-Fans zünden Pyrotechnik im Fanblock
HSV-Fans zünden Pyrotechnik im Fanblock Quelle: dpa

Beim Auswärtsspiel des Rekordmeisters beim MSV Duisburg im Jahre 2006 gerieten Fangruppen beider Mannschaften nach dem Spiel aneinander - mussten durch die Polizei voneinander getrennt werden. Danach hagelte es Ermittlungsverfahren gegen die Beteiligten durch die Staatsanwaltschaft. So auch gegen den 16-Jährigen. Wegen Landfriedensbruch und anderer Delikte.

Später wird das strafrechtliche Verfahren gegen ihn eingestellt -  wegen geringer Schuld, wie die Behörden mitteilen. Parallel zum strafrechtlichen Verfahren wird aber auch der Verein MSV Duisburg aktiv – nach entsprechenden Hinweisen der Polizei verhängt der damalige Erstligist ein bundesweites Stadionverbot für zwei Jahre. Und der FC Bayern München? Der kündigt dem jungen Mann die Dauerkarte, schließt ihn aus dem Verein aus.

Richter mahnen: Keine Willkür

Der wehrt sich fortan juristisch, geht auf einen langen Weg durch die fachgerichtlichen Instanzen. Bis zum Bundesgerichtshof (BGH) wird seine Klage abgewiesen. Nun wurde auch seine Verfassungsbeschwerde durch einen Beschluss des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe zurückgewiesen. Das verhängte bundesweite Stadionverbot ist rechtmäßig. Eine weitreichende Entscheidung Deutschlands oberster Richterinnen und Richter.

Für das Verbot reiche schon die auf Tatsachen gestützte Sorge aus, dass von einer Person die Gefahr künftiger Störungen ausgehe, so das Bundesverfassungsgericht - eine konkrete Straftat müsse nicht vorliegen. Bundesweite Stadionverbote dürften aber im Hinblick auf das Gleichheitsgebot des Grundgesetzes nicht willkürlich festgelegt werden und müssten weiter auf einem sachlichen Grund beruhen, mahnt der Erste Senat.

Entscheidend auch für die Verfassungsrichter: Betroffene müssten vor der Aussprache eines Verbots angehört werden und sie müssten später auch eine Begründung bekommen, warum denn so oder so entschieden wurde.

Kein Raum für grundloses "Aus-dem-Verkehr-Ziehen"

Nicht nur Stadionbetreiber, auch friedliche Fußballfans haben ein Interesse an dem störungsfreien, reibungslosen und gewaltfreien Ablauf eines Fußballspiels, dem die Justiz Rechnung tragen will. Einzelne Fangruppen haben mit der Entscheidung Probleme, denn damit sei aus ihrer Sicht einer gewissen Willkürlichkeit bei Stadionverboten Tür und Tor geöffnet.

Doch damit wird verkannt, dass das Bundesverfassungsgericht einen sachlichen Grund für das Verbot fordert, Betroffene gehört und natürlich auch für bestimmte Entscheidungen Begründungen geliefert werden müssen. Für ein grundloses "Aus-dem-Verkehr-Ziehen" gibt es daher keinen Raum. Und: Ausgesprochene bundesweite Stadionverbote gelten nicht unbegrenzt und bis in alle Ewigkeit.

Es ist eine richtige Entscheidung für den Fußball und die weit überwiegende Zahl friedlicher Fans. Wer bei den Spielen allerdings lieber oder ausschließlich Krawall machen möchte, sieht sich einmal mehr einer entschlossenen Justiz gegenüber, die konsequent ihren Weg geht. Gut so!

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