Sie sind hier:

Bundesverwaltungsgericht - Massenhaftes Kükentöten bleibt vorerst erlaubt

Datum:

Stehen die wirtschaftlichen Interessen der Geflügelwirtschaft über dem Tierschutz? Das Bundesverwaltungsgericht sagt nein. Trotzdem wird das Kükentöten erst einmal weitergehen.

Das Bundesverwaltungsgericht hat ein Grundsatzurteil zum Töten männlicher Küken gefällt: Es ist so lange erlaubt bis den Brutbetrieben praxisreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung schon im Hühnerei zur Verfügung stehen.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Es ist ein Urteil mit zwei Seiten: Es wertet den Tierschutz gegenüber wirtschaftlichen Interessen erstmals besonders auf. Aber es schützt die Erzeugerbetriebe auch für eine Übergangszeit vor einer sofortigen Umstellung ihrer Praxis. Die Legebetriebe töten Millionen männlicher Küken bereits kurz nach dem Schlüpfen. Der Grund: Männliche Küken der gängigen Hühnerrassen legen natürlich keine Eier und als normale Hähne setzen sie zu wenig Fleisch an. Sie sind für die Wirtschaft von vorneherein im wahrsten Sinne des Wortes nutzlos.

Gericht gewichtet Bedeutung des Tierschutzes neu

Paragraf 1 Tierschutzgesetz besagt aber: "Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen." Als ein solcher vernünftiger Grund wurde bisher allein das wirtschaftliche Interesse der Erzeuger betrachtet, keine "wertlosen" männlichen Küken als Hähne teuer aufziehen zu müssen.

Hier gewichtet das oberste Verwaltungsgericht nun erstmals die Bedeutung des Tierschutzes neu. Das wirtschaftliche Interesse speziell auf eine hohe Legeleistung gezüchteter Hennen ist für sich betrachtet kein vernünftiger rechtlicher Grund mehr. Der Tierschutz, der 2002 als sogenanntes Staatsziel ins Grundgesetz aufgenommen wurde und die sich bis heute entwickelten neuen Wertvorstellungen müssten dazu führen, dem Tierschutz mehr Gewicht zu geben.

Eigentlich würde das das sofortige Ende für das Töten der Küken bedeuten. Den Erzeugern kommt hier aber zu Gute, dass schonendere Verfahren zur Bestimmung der Geschlechter bereits im nicht ausgebrüteten Ei kurz vor der Entwicklungsreife stehen und wohl in absehbarer Zeit flächendeckend zum Einsatz kommen dürften. Hier jetzt die Erzeuger sofort zu zwingen, erst einmal mit hohem Aufwand die männlichen Küken aufzuziehen und schon bald auf die neuen Verfahren umzustellen, würde zu einer unzumutbaren doppelten Belastung führen, so das Gericht. Also zumindest insofern ein vernünftiger Grund, zunächst noch weiterzumachen.

Durchatmen für Wirtschaft und Politik

Für die Tierschützer wir auch das nicht hinnehmbar sein. Auf Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) wird sich nun der Druck erhöhen, die Entwicklung der neuen Erkennungs-Methoden weiter zu forcieren. Sie hatte hierfür bereits Millionenmittel zur Verfügung gestellt. Experten sind sich heute einig: Es wird nicht mehr lange dauern. Käme es doch nicht dazu, bliebe wohl nur eins: Umstellung auf sogenannte "Zweinutzungsrassen". Bei denen gäbe es dann keine Turbolegehennen mehr, aber die Masthähne würden sich lohnen.

Das Urteil bedeutet ein kurzes Durchatmen für Wirtschaft und Politik. Ein Wegducken ist nun aber nicht mehr möglich. Das Bundesverwaltungsgericht hat der Praxis der Erzeuger und dem millionenfachen Töten der Küken zumindest ein absehbares Ende bereitet. Und sich dabei auf ethische Grundwerte berufen, die auch für andere Bereiche der Wirtschaft für den Umgang mit Tieren und ihre Wertigkeit wegweisend sein dürfte.

liegendes Kälbchen im Stroh

Politik | Frontal 21 - Tierfabrik Deutschland

Von Billigfleisch und Wegwerfküken

von Jörg Göbel und Christian Rohde
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.