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Was wollen die Deutschen von der Bundeswehr?

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Studie zu deutscher Außenpolitik - Was wollen die Deutschen von der Bundeswehr?

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Trotz Skandalen haben viele Deutsche eine positive Meinung von der Bundeswehr. Sie fordern eine aktive Außenpolitik - und einen engeren Kontakt zwischen Militär und Bürgern.

Soldaten der Bundeswehr. Archivbild
Ein wichtiger Teil der deutschen Außenpolitik. Bundeswehr-Soldaten vor ihrer Verlegung nach Litauen im Jahr 2017. (Archivbild)
Quelle: Matthias Balk/dpa

Wie steht es um die Popularität der Bundeswehr bei den Deutschen? Und welche Aufgaben sollen die Soldaten nach ihrem Willen erfüllen? Antworten auf diese Fragen möchte auch die Bundeswehr selbst haben. Jedes Jahr verfasst das militäreigene Forschungsinstitut "Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr" (ZMSBw) in Potsdam eine umfangreiche Studie - die Zahlen für das Jahr 2019 wurden nun veröffentlicht.

Bürger seien "anti-militaristisch" eingestellt

Grundsätzlich geben die Bundeswehr und die deutsche Sicherheitspolitik darin ein gutes Bild ab. Bei ganz konkreten Themen wie bewaffneten Auslandseinsätzen, der Aufnahme von Flüchtlingen oder Waffenlieferungen an andere Staaten - selbst an Verbündete - sind die Deutschen gespaltener Meinung. Insgesamt fühlen sich die meisten Bundesbürger sicher und kritisieren, dass die Bundeswehr nicht genug tut für ihre Präsenz in der breiten Gesellschaft.

Die Autoren der Studie fassen die Haltung der Deutschen zum Militär so zusammen: "Hinsichtlich ihrer außenpolitischen Grundorientierungen sind die Bundesbürger als anti-militaristisch, anti-atlantizistisch und multilateralistisch zu charakterisieren. Das heißt: Sie glauben nicht an militärische Gewalt als effektives oder moralisch angemessenes Mittel der Außenpolitik, sprechen sich eindeutig für eine Zusammenarbeit mit befreundeten Staaten und Bündnispartnern aus und wünschen sich eine außenpolitische Emanzipation von den USA."

Ein Blick in die wichtigsten Daten:

Ungeachtet der seit Jahren andauernden Debatten um die Aussetzung der Wehrpflicht, schlechtes Material und unter Rechtsextremismusverdacht stehende Soldaten: Die Bundeswehr insgesamt sehen rund drei Viertel aller Deutschen positiv. 2019 hatten 20 Prozent der Befragten eine negative Meinung.

Mit öffentlichen Gelöbnissen und dem Tag der Bundeswehr versuchte das Verteidigungsministerium zuletzt für mehr Nähe zwischen Gesellschaft und Militär zu sorgen. Gleichzeitig bleiben etwa Auftritte von Soldaten an Schulen und Universitäten aber umstritten. Aktuell dienen knapp 183.000 Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr. Jenseits der Garnisonsstädte sind Soldaten im Stadtbild aber selten geworden. Das Militär hat insbesondere unter Akademikern und in technischen Berufen Probleme, ausreichend Bewerber zu finden. Mit Online-Serien wie "Die Rekruten" und einem stetig wachsenden Social-Media-Angebot versucht die Bundeswehr das zu ändern.

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer hat die Bundeswehr-Soldaten vor Weihnachten auf Zypern besucht. Auch die Soldaten Verena und Eric verbringen die Feiertage im Einsatz.

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Fühlen Sie sich persönlich unsicher in Deutschland? Auch das soll eine Rolle spielen bei der zukünftigen Ausrichtung der Bundeswehr. Trotz der Debatten um gefühlte Sicherheit und Kriminalitätsstatistiken geben in der Bundeswehr-Studie nur rund zehn Prozent der Befragten an, sich persönlich unsicher zu fühlen. Dieser Anteil war in den 2000er Jahren teils deutlich höher. In den Jahren 2001 und 2003 lag er jeweils noch bei über 40 Prozent. Die Flüchtlingskrise machte sich dennoch in den Daten bemerkbar: Von 2015 fühlten sich 23 Prozent der Befragten unsicher, ein Anstieg um rund 17 Prozent gegenüber 2014.

Isolationismus oder Weltpolizei? Im Weißbuch der Bundeswehr 2016, dem wichtigsten Strategiedokument der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik, legte sich die Bundesregierung auf eine steigende globale Rolle des Militärs fest. Jedoch immer zusammen mit den Partnern Nato und EU. Die Mehrheit der Deutschen scheint diese Position zu teilen, auch wenn sie die USA in den letzten Jahren als unzuverlässigen Bündnispartner bewerten. Insbesondere in den Jahren, als die IS-Miliz große Teile Syriens und Iraks kontrollierte, sprachen sich zwei Drittel der Befragten für eine aktive Außenpolitik Deutschlands aus. Seitdem ist der Wert wieder leicht gesunken.

Keine Einigkeit gibt es bei der Frage danach, welche außenpolitischen Maßnahmen den Deutschen sinnvoll erscheinen. Nur elf Prozent lehnen diplomatische Verhandlungen ab, Rüstungskontrolle und Entwicklungshilfe sind ebenfalls beliebt. Wird die Bundeswehr im Ausland stationiert, hängt es stark vom Naturell des Einsatzes ab, ob die Deutschen ihn unterstützen. Ausbildungsmissionen wie die im Nordirak finden Unterstützung, während bewaffnete Kampf- und Polizeieinsätze kritisch gesehen werden. 41 Prozent lehnen bewaffnete Polizeieinsätze für die Bundeswehr klar ab, bei den Kampfeinsätzen sind 37 Prozent ablehnend. Eine ähnlich große Gruppe von Deutschen findet Kampfeinsätze im Ausland in bestimmten Fällen sinnvoll - 35 Prozent antworteten mit "teils/teils". Die Aufnahme von Flüchtlingen als Maßnahme der Außen- und Sicherheitspolitik wird ähnlich bewertet - die meisten Befragten antworten abwägend.

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