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Bundeswehr in Jordanien - "Mehr Symbolkraft als militärische Power"

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Seit diesem Monat starten deutsche Tornados von Jordanien aus - diplomatische Differenzen mit der Türkei hatten den Umzug vom dortigen Stützpunkt in Incirlik nötig gemacht. Nun klärt die Bundeswehr von hier aus den Luftraum über dem Irak und Syrien auf. Ein Besuch.

Die Bundeswehr beteiligt sich wieder mit Tornado-Aufklärungsflügen am internationalen Einsatz gegen den IS-Terrorismus. Aus der Türkei waren die Soldaten zuvor abgezogen worden, weil das Land den Besuch von Bundestagsabgeordneten blockiert hatte.

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Zwei Stunden lang geht es durch die Wüste, bis einem das Straßenschild mit dem Hinweis: "geradeaus Irak", "links Syrien" klar macht, dass man langsam angekommen sein muss, auf der jordanischen Militärbasis, von wo aus nun auch deutsche Tornados zu Aufklärungsflügen starten.

Das Gelände ist riesig, mehrere westliche Nationen haben Teile ihrer Luftwaffe hier stationiert. Alle sind hier im gemeinsamen im Einsatz gegen den Terrorismus im Rahmen der Allianz gegen den "IS", wie es heißt, stationiert. Wie immer, wenn man als Journalist auf einer Militärbasis ist, bekommt man gleich erklärt, was man alles nicht fotografieren, filmen oder schreiben darf - Militärgeheimnis, versteht sich.

250 Soldaten aus Deutschland

Aus Deutschland sind 250 Soldaten hier. Vier Tornado-Aufklärungsflugzeuge starten seit dem 9. Oktober 2017, liefern Bilder und Informationen über die Lage in Syrien und im Irak. Ein Tankflugzeug gehört ebenfalls dazu, Luftbetankungen sind in einem so großen Einsatzgebiet unabdingbar.

Die Logistik scheint gut zu funktionieren und auch was den Einsatz selbst angeht, ist man zufrieden. Stephan Breidenbach ist der Kontigentführer, er erklärt uns: "Bisher läuft alles wie am Schnürchen. Letzten Endes sind die Flugzeiten die gleichen [wie aus der Türkei] - ins Operationsgebiet grundsätzlich. So lange wir einen Tanker zur Verfügung haben, können wir das gesamte Einsatzgebiet abdecken, insofern sehe ich keine operationellen Einschränkungen hier vor Ort."

Das Essen: "Nicht wie bei Mutti - aber sehr gut"

Die Bundeswehr hatte sich vom türkischen Stützpunkt Incirlik zurückgezogen, wie die Türkei Bundestagsabgeordneten immer wieder den Besuch bei Soldaten verweigert hatte. Jordanien ist zwar kein NATO-Partner, aber erklärte sich sofort bereit auf der Basis Platz für die deutschen Tornados zu machen. Und wie es scheint, funktioniert die Zusammenarbeit mit der Gastnation auch schon ganz gut.

"Klar, da ist die Sprachbarriere, aber mit ein bisschen Englisch und einem Übersetzer und Händen und Füßen kommen wir mit den jordanischen Kameraden schon ganz gut klar.", erzählt uns einer der Soldaten vor Ort. Und ergänzt, für alle sei immer besonders wichtig: Die Kommunikation nach Hause klappe eiwandfrei, sie könnten skypen und telefonieren. Und das orientalische Essen schmecke auch - zwar nicht wie bei Mutti - aber sehr gut. Nun ja, Zufriedenheit in der Truppe ist ja wohl die halbe Miete.

Und die Jordanier?

Seit jeher hat Jordaniens Königshaus großes Interesse daran, dass der Westen Jordanien als ernsthaften Partner im Kampf gegen den internationalen Terrorismus wahrnimmt und hat vielen Nationen, wie den USA, Frankreich und Großbritannien Raum für militärische Kooperationen vor Ort gegeben. Zum einen, weil man als direkter Nachbar von Syrien und Irak auf die Unterstützung angewiesen ist und zum anderen, weil man sich durch einen guten Ruf als zuverlässiger Partner in Sachen Sicherheit auch wirtschaftliche, zivile Hilfe aus dem Westen erhofft.

Denn tatsächlich leidet Jordanien enorm unter der Krise in der Region. 1,5 Millionen Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten leben in Jordanien, an manchen Orten stehen dadurch Wirtschaft und Infrastruktur kurz vor dem Kollaps. Dass die Deutschen jetzt auch noch da sind, wissen die meisten Jordanier nicht, für Regierung und König eine Frage des Prestiges, der Ehre und der Manifestation des Standpunktes in Sachen Terrorbekämpfung.

"Mehr Symbolkraft als militärische Power"

Zurück zum eigentlichen Einsatz der Bundeswehr: Statt sechs Tornados, wie in Incirlik, stehen nur noch vier In Jordanien zum Einsatz bereit, die anderen zwei Maschinen bleiben in Bereitschaft in Deutschland. Wir dürfen uns umschauen: bekommen einen Einblick in die Logistik an, bekommen die Tornados und das Tankflugzeug gezeigt und filmen, wie sie zum Einsatz abfliegen, um hochauflösende Bilder zur Identifizierung von Angriffszielen zu machen. Für uns sieht alles so aus als laufe es nach Plan, aber das soll es ja auch.

Grundsätzlich kann man sich natürlich fragen, ob der Einsatz aus deutscher Sicht überhaupt noch sinnvoll ist, denn der sogenannte Islamische Staat ist ja im Einsatzgebiet selbst militärisch stark geschwächt. Jordanien freut es zumindest: "Naja, der Einsatz der Deutschen hat ja sowieso mehr Symbolkraft, als militärische Power, aber die Symbolik wisse man schon zu schätzen," erklärt uns der ehemalige jordanische Chef der Militärbasis, Mahmod Irdaisat.

Die Verlängerung des Mandats ist wohl vorgesehen

Die deutsche Verteidigungsministerin sieht das anders. Der Einsatz der Bundeswehr sei ein wichtiger Baustein in der internationalen Allianz, selbst jetzt, wo der IS geschwächt ist: "Der IS sucht sich zum Teil auch in der Fläche neue Rückzugsräume. Und das gilt es zu verhindern, das heißt, es sind noch erhebliche Räume permanent aufzuklären und da ist unser Beitrag sowohl der Tornados als auch der Tankflugzeuge gefragt.", äußerte sich Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erst am Mittwoch über den Einsatz. Insofern steht wohl außer Frage: die Verlängerung des Mandats ist vorgesehen.

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