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"Schlimmer und größer als je zuvor"

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Waldbrände in Australien - "Schlimmer und größer als je zuvor"

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In Australien wüten seit Monaten Buschbrände. Der deutsche Auswanderer Klaus Metzger wohnt in einem Haus, das zwischen zwei Feuerwänden liegt. Wie er sich schützt.

Buschfeuer in Australien am 19.12.2019
Buschfeuer in Australien
Quelle: AP

In Australien wüten seit Oktober Buschbrände und haben mehrere Millionen Hektar Land vernichtet. Mehr als 1.000 Häuser wurden zerstört. Acht Menschen starben bislang. Besonders betroffen ist der bevölkerungsreichste Bundesstaat New South Wales im Südwesten. Hier lebt der deutsche Auswanderer Klaus Metzger. Der 68-Jährige hat schon viele Buschbrände miterlebt.

Sein Haus, in dem er mit seiner Frau lebt, steht inmitten von Eukalyptus-Bäumen nahe der Kleinstadt Katoomba. Derzeit ist es umgeben von zwei Brandherden, die nördlich und südlich seines Hauses wüten.

Heute.de: Wie schlimm sind Sie von den Feuern betroffen?

Metzger: Zu unserem Haus sind die Flammen noch nicht gekommen, wir mussten es noch nicht verteidigen. Aber wenn ich auf einen benachbarten Hügel gehe, sehe ich nachts die Flammen. Vier Kilometer nördlich und südlich von uns ist alles ausgebrannt. Dort brennt es schon seit vier Wochen. Rauch und Asche ziehen oft zu uns.

Heute.de: Haben Sie Angst, dass das Feuer zu Ihnen gelangen könnte?

Metzger: Für morgen sind trockene Gewitter angesagt, die ohne Regen und mit Blitzen daherkommen. Blitze lösen wiederum Feuer aus. Problematisch ist nicht unbedingt die Temperatur, sondern der Wind. Er facht Feuer an und kann verbrannte Blätter und kleine Äste kilometerweit tragen, die dann Brände auslösen.

Angst habe ich eigentlich keine. Es ist Teil des Lebens hier, es gehört dazu. Man muss gut informiert sein, das ist das wichtigste. Wir hören Radio, die Regierung informiert außerdem auf einer Webseite über die Brandherde.

Für den Ernstfall sind wir aber vorbereitet. Falls meine Frau gehen will, steht alles schon fertig gepackt. Ich habe eine Tasche mit meinen Klamotten, falls ich da bleiben und auf das Haus aufpassen will. Darin sind dicke Jeans, feste Schuhe und wollene Socken, die brennen nicht so schnell. Wenn es lebensgefährlich werden würde, würde ich aber natürlich gehen.

Ein Ende der verheerenden Buschbrände in Australien ist nicht absehbar. Einsatzkräfte der Feuerwehr kämpfen in Sonderschichten gegen die Flammen.

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Heute.de: Mit welchen Maßnahmen schützen Sie Ihr Haus?

Metzger: Ich habe Jalousien aus Blech, damit die Fenster vor der Hitze geschützt sind und nicht platzen. Außerdem habe ich die Dachrinnen verstopft und eine Sprenkleranlage auf dem Dach installiert. Wenn es gefährlich wird, lasse ich Wasser in die Dachrinnen laufen, damit das direkt gelöscht wird.

Wenn eine Feuerfront kommt, sollte man die Fenster und Türen schließen und Masken und wollene Klamotten anziehen. Wenn man das nicht machen möchte, sollte man alles verschließen, wichtige Papiere mitnehmen und in die Stadt fahren oder an einen sicheren Ort. Manche Menschen wollen ihr Haus verteidigen, manche gehen.

Heute.de: Buschbrände sind in Australien nicht ungewöhnlich, doch einige Feuer wüten nun schon seit Monaten. Ist es dieses Jahr besonders schlimm?

Metzger: Es ist normal, dass es jedes Jahr irgendwo brennt. Aber in diesem Jahr sind die Feuer schlimmer und größer als je zuvor. 2004 kam ein Feuer einmal 300 Meter an unser Haus heran. Die Feuerwehr hat es zum Glück gelöscht und dann regnete es auch.

Das Problem ist, dass wir schon seit Jahren keinen guten Regen mehr hatten. Australien ist einer der trockensten Kontinente, hier zeigt sich der Klimawandel. Im Land läuft auch eine große Debatte darüber, ob man kontrolliert Feuer legen sollte. Früher haben Aborigines an bestimmten Stellen Feuer gelegt, was sinnvoll war. Heutzutage ist das meist verboten und so liegen viele Schichten von Eukalyptus-Blättern auf der Erde. Wenn es brennt, dann richtig.

Heute.de: Der australische Premierminister Scott Morrison will trotz der verheerenden Feuer und der Dürre nicht mehr Klimaschutz betreiben. Braucht es mehr Maßnahmen?

Metzger: Zunächst einmal sollte er akzeptieren, dass der Klimawandel real ist. Das Problem ist, dass Australien immer noch zu viel auf Kohle setzt, denn damit wird hier viel Geld verdient. Wir gehen rückwärts, dabei bräuchten wir mehr Investitionen in alternative Energien.

Viele Feuerwehrleute sind außerdem Freiwillige, die müssen sich Urlaub nehmen und bekommen keine Unterstützung von der Regierung dafür. Ich bringe ihnen immer mal wieder Müsliriegel oder Elektrolyte-Tabletten vorbei. Wenn ich welche treffe, sage ich auch immer: Danke, danke, danke.

Das Interview führte Julia Klaus.

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